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Über uns Stille von Rhue, Morton, Jugendbücher, Dystopie, Spannung

Über uns Stille

Rhue, Morton

Übersetzung: Ganslandt, Katarina

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Ravensburger

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783473400812

Inhalt

Scott weiß, dass nichts gut werden wird. Es gibt einen Atomkrieg. Seine Mutter ist schwer verletzt und immer mehr Leute versuchen in den Bunker zu drängen, dabei sind es jetzt schon zu viele. Scott interessiert sich für Baseball, Mädchen und zieht gern mit den Nachbarjungen um die Häuser. Scott ist ein ganz normaler Zwölfjähriger. Doch im Sommer 1962 kommt jede Normalität abhanden: Der militärische Konflikt zwischen den USA und der UdSSR droht zu eskalieren. Als Scotts Eltern beginnen, einen Bunker auszuheben, begreift Scott den Ernst der Lage. Wird ein atomarer Angriff ihn und seine Familie in den Bunker zwingen? Werden sie überleben? Und wie sähe die Welt danach aus?

Bewertung

Scott und seine Familie haben etwas, was niemand sonst hat, und weshalb jeder über sie lacht: Einen Bunker, den sie extra für den Fall eines atomaren Angriffes haben bauen lassen. Zur Zeit der Kubakrise auch durchaus berechtigt, aber ihre Nachbarn halten dies für so unwahrscheinlich, dass sie allein die Möglichkeit lieber verdrängen. Doch dann kommt der Tag, an dem niemand mehr lacht, und jeder nur noch um sein Leben fürchtet. Die USA wird tatsächlich angegriffen. Sie alle wissen: Wer nicht in diesen Bunker kommt, ist schon tot. Aber der Platz reicht eigentlich nur für vier Leute, genau wie die Vorräte nur für Scotts Familie angelegt sind. Sollen sie ihre Freunde und Nachbarn sterben lassen? Haben sie überhaupt eine andere Wahl? Schließlich sind sie doch zuviele, und müssen sich damit abfinden, es auf engstem Raum, ohne große Hygiene und mit schnell schrumpfenden Vorräten miteinander auszuhalten. Und diejenigen, die zuvor den Bunkerbau nur belächelt haben, sind nun immer noch nicht zufrieden. Scotts Vater hätte dies und das besser machen müssen. Und über allem steht die Frage: Wie lange müssen sie das alles denn überhaupt ertragen? Und vor allem: Was hat es für einen Sinn, allein in einem verseuchten, zerstörten Land zu leben, auch wenn die Strahlendosis nicht mehr ganz so hoch ist?
Erzählt wird die ganze Geschichte aus Sicht des 12-jährigen Scott, was ihre Intensität noch steigert. Ein Kind erzählt über etwas, über das kein Kind sich jemals Gedanken machen sollte, und scheint vernünftiger zu sein als die Erwachsenen. Die ganze Atmosphäre, die immer drückender wird, lässt einen nicht mehr los – auch wenn man sich solch eine Hoffnungslosigkeit wohl schwer vorstellen kann. Von der ersten Seite an packend, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Morton Rhue schafft es immer wieder, mit seinen Büchern zum Nachdenken anzuregen, auch wenn es keine in dem Sinne „schönen“ Geschichten oder Themen sind. Man fragt sich: Was wäre passiert, wenn damals wirklich zwei Männer auf einen Knopf gedrückt hätten? Wir heute können uns allein die Angst vor so einer Situation gar nicht mehr vorstellen, und wollen vielleicht nicht wahrhaben, dass dies noch lange nicht der letzte Krieg war. Von der Zukunft zu reden, ist einfach, aber nicht jeder Mensch auf diesem Planeten hat auch eine Zukunft. Warum gibt es immer noch, auch in einer „zivilisierten“ Welt, Krieg?
Ich kann das Buch nur empfehlen, auch wenn man vielleicht denkt, dass einen das Thema nicht interessiert, oder nichts mehr angeht, weil das alles der Vergangenheit angehört. Daher vergebe ich 5 Sterne.
Susanne Rothkranz (17) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung