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10 gute Gründe für Gott von Sigg, Stephan, Jugendbücher, Aus dem Leben, Glaube & Religion

10 gute Gründe für Gott

Die zehn Gebote in unserer Zeit

Sigg, Stephan

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Gabriel

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783522302371

Inhalt

Stephan Sigg interpretiert die Zehn Gebote neu – herausfordernd und mitten ins Herz unserer Zeit. Geschichten, die einen nicht mehr loslassen und zeigen: Es gibt mehr als einen guten Grund, auf Gott zu vertrauen.

Bewertung

"10 Gründe für Gott" ist eine Kurzgeschichtensammlung, die Kindern und Jugendlichen die Zehn Gebote realitätsnah erklären und verständlich machen soll. Ziel ist es, in den alltäglichen Geschichten aufzuzeigen, dass die Gebote allgegenwärtige Regeln sind und ihre Einhaltung einem eine Menge Ärger ersparen und dem Leben Glück bringen.
Die zehn Texte sind so konzipiert, dass sich Kinder und Jugendlichen sowohl in der Sprache, den Interessen und Hobbys wiederkennen können und bieten somit eine Diskussionsbasis.

In der ersten Geschichte (Erstes Gebot: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben) "Richards Bedenken" ist der Protagonist Niklas völlig von seinem Hobby Schwimmen eingenommen und vergöttert seinen Trainer. Seine Familie und sein Trainer selbst versuchen, ihn vom ständigen Training und übertriebenen Leistungsansprüchen an sich selbst abzubringen, was Niklas partout nicht verstehen kann. Für ihn scheint es, als wären alle neidisch auf sein Talent. – Die Umsetzung des Gebotes in der Geschichte ist nicht wirklich gut gelungen: Wenn der Autor eben dieses Gebot veranschaulichen will, dann ist es nicht ratsam, die Botschaft zu vermitteln: Man sollte mit seinem Hobby kürzer treten oder es nicht als alleinigen Lebensinhalt sehen. "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben" bedeutet ja hier, dass Niklas sich völlig und allein auf das Schwimmen konzentrieren sollte – die Menschen in seiner Umgebung sind aber anderen Meinung und zeigen ihm, dass er noch anderes in seinem Leben zu erledigen hat. Der Assoziationsspielraum, der dem Leser hier bleibt, ist zu groß und wirft nach dem Leser Verständnis,- und keine Diskussionsfragen auf. Persönlich finde ich es eher paradox und nicht ideal, um genau dieses Gebot zu beschreiben.

"Verdorbene Freunde" erklärt das Zweite Gebot "Du sollst den Namen deines Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen." Hierbei machen sich Andreas Freunde über ihr großes Idol Eminem lustig. Die Geschichte lässt sich ganz gut dazu verwenden, zu zeigen, was es in einem Menschen auslöst, wenn man sich über etwas lustig macht, was ihm sehr am Herzen liegt. Es ist ein Plädoyer für Toleranz und Verständnis. "Verdorben" ist allerdings absolut übertrieben formuliert. Es werden weder zu viele Schimpfwörter verwendet, noch der Name Gottes oder Eminems in den "Dreck gezogen". Desweiteren ist es ziemlich unangebracht, ausgerechnet Eminem hier als Beispiel zu nehmen, der mit seinen Texten und (früherem) Benehmen selbst zu oft in der Gesellschaft angeeckt ist.

Das Dritte Gebot "Gedenke des Sabbats. Halte ihn heilig" erzählt in "Fünf Stunden unter Starkstrom" von Nataschas sonntäglichem Babysitten, das sich als stressig und erschöpfend entpuppt. Sich einen Tag in der Woche frei zu halten, um sich vom täglichen Stress abzuwenden und sich der Familie zuzuwenden (Natascha verpasst den Besuch ihren geliebten Verwandten)ist die Botschaft des Textes und sehr gut umgesetzt.

"Wie peinlich" ist wohl eine der Geschichten, die vielen Heranwachsenden bekannt vorkommt: Isabel schämt sich für ihre Eltern und deren Lebensstil. Sie möchte sie aus dem Haus haben, bevor ihre Freunde zu dem lang ersehnten DVD-Abend kommen. Und selbst als ihre Freunde ihr sagen, dass ihre Eltern doch in Ordnung sind (und die Gäste beim Regen nach Hause fahren), ist Isabel immer noch skeptisch. Das dazugehörige Gebot "Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, gibt" erklärt sich hier von selbst.

Rico will in "Sprühende Funken" eine megacoole Party in einem gemieteten Raum schmeißen und lässt bei der Programmgestaltung seinem Kumpel Philipp freie Hand. Der kommt auf die waghalsige Idee, am Abend in dem geschlossenen, überfüllten Raum Feuerwerksraketen steigen zu lassen, woraufhin ein Brand entflammt, alle Gäste in Panik geraten und versuchen, ihr Leben zu retten. Das offene Ende der Geschichte ist ziemlich dramatisch beschrieben. Vielleicht ist es zu pingelig, wenn ich der Meinung bin, dass man bei dieser grob fahrlässigen Aktion nicht mit dem Gebot "Du sollst nicht töten" anbringt. Gerade Kindern muss der Unterschied erklärt werden. Die Geschichte an sich fand ich pädagogisch wertvoll für Kinder und Jugendliche, aber als Anschauung für das Gebot doch übertrieben. Denn Philipp kann man nicht unterstellen, dass er die Partygäste umbringen wollte.

Meine Lieblingsgeschichte in dem Buch war tatsächlich die zum Sechsten Gebot: "Du sollst nicht Ehe brechen." Pascal und Mareike treffen sich miteinander, während Lennard (Mareikes Freund) im Spanienurlaub ist und verlieben sich ineinander. Da Lennard sehr früh dahinter kommt und Mareike zur Rede stellt, beichtet sie ihm von dem Fehltritt und er ist schwerstenttäuscht und wütend auf seine Freundin. Stephan Sigg zeigt hier, dass beide Parteien Schuld an dem Dilemma sind und auch ihre Freunde (bei denen Pascal und Mareike Hilfe suchen) den beiden im Nachhinein nicht mehr helfen können, wenn sie sich den Schlamassel eingebrockt haben. Es ist nicht nur, dass Lennard betrogen wurde und verletzt wird, sondern auch Pascal und Mareike werden von einem schlechten Gewissen geplagt, das sie hätten vermeiden können. Am Ende sind es drei gebrochene Herzen.

Von "Die beste Idee" (Siebtes Gebot: Du sollst nicht stehlen) war ich positiv überrascht: Es ist eine wirklich gute Umsetzung, gerade, weil nichts Materielles geklaut wird, sondern Gedankengut – was heutzutage ebenfalls bestraft wird. Eine Projektgruppe nimmt der anderen einen Themenvorschlag weg, für den sie vom Lehrer auch noch hochgelobt werden. Auch diese Geschichte wird offen gelassen, sodass für den Leser die Konsequenzen nicht eindeutig heraus lesbar sind. Gerade Schülern muss früh klar gemacht werden, dass "Abschreiben" und "Ideenklau" keine Kavaliersdelikte sind und erst recht nichts, was man unter den Tisch fallen lassen kann. Nicht umsonst erhält man dafür die Note 6.

Als nach dem gewonnen Fußballspiel in der Umkleidekabine eine Bank zu Bruch geht und Timo der einzige ist, der vom Hausmeister erwischt wird, bezichtigt er seinen Teamkollegen Ramon, der hätte randaliert. Was für die Mannschaft zur Folge hat, dass Ramon zum nächsten Spiel gesperrt werden soll – dabei weiß nicht einmal der Leser, weshalb die Bank wirklich zerbrach. "Jetzt mal Klartext" beschreibt das Gebot "Du sollst nicht falsch gegen deinen nächsten Aussagen" und zeigt auf, was dadurch alles passieren kann. Eine gelungene Umsetzung.

"Der geheime Deal" (Neuntes Gebot: Du sollst nicht nach dem Haus deines nächsten verlangen) erzählt von einer jugendlichen Rappergruppe, die es geschafft hat, einen bekannten Künstler zu supporten. Eigentlich war Larry immer der Frontmann, bei aber genau diesem wichtigen Gig wird Paul mit seinen Texten bevorzugt, was gewaltig an Larrys Ego kratzt. Also beschließt dieser, seinen Kumpel den Rang streitig zu machen, indem er ihn mit einem Graffiti-Video erpresst und Paul schließlich ihm den Auftritt lässt. Eine gute Geschichte mit der Botschaft, auch seinen Freunden einmal ein Glück zu gönnen und ihnen nicht gleich zu unterstellen, sie hätten ihren "Sieg" unrechtmäßig erlangt. Denn am Ende traut Larry sich gar nicht mehr wirklich zum Auftritt, da auch die anderen beiden Bandkollegen Bedenken haben. Somit ist der Neid daran schuld, dass die Band ihre erste wichtige Chance verpasst.

Die letzte Geschichte, um das Zehnte Gebot "Du sollst nicht nach der Frau deines Nächstes Verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem nächsten gehört", ist in "Neles neue Freundin" geschildert. Lara und Nele waren immer beste Freunde, bis plötzlich Vanessa auftauchte und Nele für sich beanspruchte. Die sich im Stich gelassene Lara beginnt, ein kleines Gerücht über die Neue zu verbreiten, was dem Schulhoftratsch nur gelegen kommt und schafft es, Neles Aufmerksamkeit wiederzuerlangen. Ohne, dass sie sich wirklich im Klaren darüber ist, wie allein sich Vanessa dann wohl plötzlich fühlen muss.

Sieben von den zehn Geschichten fand ich wirklich angebracht und verwendbar. Man kann sie im Religions- und Ethik-, aber auch im Deutschunterricht gut besprechen. Es sind Erzählungen, bei denen ich der Meinung bin, dass man sie mit anderen diskutieren und werten sollte, um auch die Gebote zu verstehen und zu verinnerlichen. Gerade, weil die Geschichten meist offen bleiben und die Konsequenzen nicht immer gezeigt werden. Es sind keine explizit genannten "Gründe für Gott" ("Befolge die Zehn Gebote Gottes und du wirst nicht in die misslichen Lagen kommen", ist nur ein Grund).
Ich hatte erwartet, dass vielleicht kindgerechte Schilderungen zeigen, inwiefern der Glaube einem Kraft gibt oder worin man Gott erkennen kann, das war hier nicht der Fall. Zum Teil hatte ich auch das Gefühl, dass das Augenmerk mehr darauf lag, aktuelle, coole Bands, Stars und Medien in die Geschichten unterzubringen, als die Anwendung der Gebote.
Sigg selbst sagt im Vorwort: "Die zehn Gebote helfen dabei, zu erkennen, was im Leben zählt, was einem langfristig guttut und sie zeigen, wie wichtig der Respekt vor anderen Menschen ist. (…) Wo genau in unserem Alltag die Zehn Gebote aktuell werden und welche Antwort sie darauf haben, zeigen diese zehn Geschichten." Antworten werden nicht gegeben, aber Denkansätze. Daher halte ich das Buch für Gruppen tauglich, nicht unbedingt für einen Leser allein im stillen Kämmerchen.
Da es eine ziemlich schwierige Angelegenheit ist, die Gebote in Geschichten für Kinder und Jugendliche zu verpacken, und Stephen Sigg sich doch gut etwas hat einfallen lassen, gebe ich 4 von 5 Sternen.
Beatrice Buchholz (21 Jahre) für Buecherkinder.de

Themen: Glaube & Religion