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17 Briefe oder der Tag, an dem ich verschwinden wollte von Kolbe, Karolin, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie, Freundschaft

17 Briefe oder der Tag, an dem ich verschwinden wollte

Kolbe, Karolin

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Planet Girl

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783522504522

Inhalt

Jetzt hat sich Line entschieden – morgen ist der Tag, an dem sie verschwinden wird! Raus aus ihrem alten Leben, weg von den Problemen mit ihrem Vater! Noch einen letzten Brief verfasst sie und versteckt ihn am Flussufer. Dass dieser Brief gefunden wird, daran hätte Line niemals geglaubt. Doch der Finder schreibt ihr zurück, berührt von ihren Worten. Es entwickelt sich eine zarte Brieffreundschaft – und nie hätte Line gedacht, wer sich hinter diesen gefühlvollen Zeilen verbirgt ...

Bewertung

Line ist achtzehn und lebt zusammen mit ihrer kleinen übergewichtigen Schwester Anna und ihrer Mutter und ihrem Vater in einem Haus. Doch dieser zeigt den Kindern unmissverständlich, dass sie nicht erwünscht sind. Er brüllt ihnen nach, dass sie die größte Strafe seines Lebens sind, dass sie seinen Lebensplan zerstört haben. Doch auch Lines Mutter traut sich nicht, sich ihrem Ehemann zu widersetzen. Sie ist von ihm und seinem Verhalten stark eingeschüchtert. Jedoch kann auch sie ihm nichts recht machen und wird von ihm für ihr Essen und ihr Verhalten nieder gemacht.

Line will sich diese Situation nicht mehr länger mit ansehen und ist fest der Überzeugung von Zuhause wegzulaufen, denn auch ihr Orakel, zufällige Sätze aus Büchern, hat sie dazu ermuntert und ihr zugestimmt. Und auch ihr restliches Leben läuft nicht gerade nach Plan. In der Schule wird sie entweder ignoriert oder es wird mit bösen Worten über sie hergefallen. Sie ist eine klare Außenseiterin, hat keine Freunde. Nur noch einen Brief will sie schreiben, bevor sie von ihrem Zuhause und ihrem Leben, in dem sie sich schon lange nicht mehr wohlfühlt weglaufen möchte. Nur noch ein Brief, den sie am Bach unter einem Stein versteckt. Nicht mit der geringsten Vermutung, dass er dort gefunden werden kann.

 

Anton ist beliebt. Er ist mit Nadine, dem beliebtesten Mädchen der Schule zusammen, steht kurz davor in die Profifußballmannschaft aufgenommen zu werden und lebt in einer glücklichen Familie. Dies wirkt zumindest auf alle Außenstehenden so. Die Realität jedoch schaut anders aus. Denn seine Familie ist ganz und gar nicht glücklich. Seine kleine Schwester hat Magersucht, seine Mutter hat Angst ihren guten Ruf als Ärztin zu verlieren und schickt ihre Tochter deshalb zu keiner Therapie und nebenbei betrügt sie ihren Ehemann mit einem anderen. Nicht nur seine Familie scheint zu zerbrechen, auch in seiner Beziehung zu Nadine werden ihm die Augen geöffnet und er sieht seine Freundin von einer völlig anderen Seite, die ihm nicht gerade sympathisch ist. Doch dann findet er einen Brief am Ufer des Bachs und beginnt eine Brieffreundschaft mit einer Unbekannten. Mit einem Mädchen, dem er sich mit all seinen Problemen voll und ganz anvertraut und es entsteht durch die Worte eine Freundschaft, die den beiden jungen Erwachsenen Kraft gibt. Kraft dazu für das zu stehen, was sie wollen.

 

Auf ca. 180 Seiten schreibt Karolin Kolbe über den Briefwechsel zweier Jugendlicher, die sich nicht im geringsten ähneln und sich doch ihre Probleme anvertrauen, ohne sich zu kennen und vielleicht genau darum. Tag für Tag kommunizieren sie miteinander, schreiben über ihre Gefühle, ihre momentane Verfassung. Immer mehr vertrauen sie einander an. Dinge, die sie keinem anderen Menschen in ihrem Leben je erzählt haben, schreiben sie einem Gegenüber, bei dem sie nicht wissen, wer sich dahinter verbirgt und mit dem sie im „richtigen“ Leben nicht einmal zu sprechen wagten.

Kolbe schreibt sehr ergreifend über die Erlebnisse und die Erfahrungen der Beiden, die ihr Leben grundlegend ändern möchten und sich dabei gegenseitig unterstützen.

Das Cover ist grün hinterlegt und zeigt eine Pusteblume aus der sich schon einige Samen zum weg fliegen lösen. Dies passt sehr gut zur Geschichte von Line. Auch der Titel passt sehr gut zur Geschichte, denn in der Handlung geht es um „17 Briefe oder der Tag an dem ich verschwinden wollte“. Denn hätte Anton nicht auf ihren Brief geantwortet, wäre Line sofort von Zuhause weggelaufen, weg von ihrem alten Leben, doch er gibt ihr Kraft, so wie sie es ihm auch gibt. Sie stellt ihm Fragen, mit denen er sich lange und intensiv beschäftigt und daraus erfährt, dass auch er in seinem Leben etwas ändern will und muss um dauerhaft glücklich werden zu können.

 

Ich empfehle das Buch an alle Leserinnen ab 13 Jahren und vergebe 4 Sterne für ein gelungenes Buch, welches jedoch zu abrupt endet.


Lisa Fehr (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Freundschaft