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33 cent um ein Leben zu retten von Jensen, Louis, Jugendbücher, Aus dem Leben, Zeitgeschehen

33 cent um ein Leben zu retten

Jensen, Louis

Übersetzung: Engeler, Sigrid C.

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783446241770

Inhalt

Kann ein Einzelner mit Idealismus und Engagement die Armut in der Welt bekämpfen? Als der Erzähler dieser Geschichte erfährt, dass man nur 33 Cent täglich braucht, um das Leben eines afrikanischen Kindes zu retten, beschließt er zu handeln. Er jobbt im Supermarkt, sammelt Spenden und verkauft die Hälfte seiner Sachen. Er will Zivilcourage zeigen. Dafür nimmt er sich - wie Robin Hood - auch von denen, die zu viel haben. Er stiehlt und plündert das Konto seines Vaters. Mit seiner Freundin und einem Kühlwagen voller Lebensmittel bricht er schließlich nach Afrika auf. Doch der naive Glaube an ihre gute Tat führt sie direkt ins Unglück.

Bewertung

„33 Cent um ein Leben zu retten“ vom dänischen Autor Louis Jensen erzählt die abenteuerliche Reise eines Jungen, der das Richtige tun will. Der Erzähler der Geschichte, ein unscheinbarer 14-Jähriger aus Dänemark macht sich viele Gedanken über „das Richtige“, als er herausfindet, dass ein afrikanisches Kind nur 33 Cent braucht, um einen ganzen Tag satt zu sein. Empört über das fehlende Engagement der Erwachsenen, geht er von nun an nur jeden zweiten Tag in die Schule, um häufiger im Supermarkt Geld verdienen zu können, doch bald merkt er, dass er mit seinem Lohn nicht genug Kinder retten kann. Die Hauptfigur klaut erst aus Geschäften, dann vom Konto seines Vaters. Überzeugt von der Richtigkeit seines Handels nimmt er sich Robin Hood als Vorbild. Es ist doch nur gerecht, dass die Reichen etwas an die Armen geben, oder? Sein Vater ist Richter, der ihm immer predigt, das Gerechte stünde im Gesetzbuch. Doch ist es gerecht, Millionen Kinder in Afrika sterben zu lassen? Wenn man Menschen durch Gesetzesbrüche retten kann, dann ist das doch erlaubt, oder? Gemeinsam mit seiner festen Freundin Anne bricht er auf eine Reise nach Afrika auf, voll bepackt mit Essen und Geld, doch Engagement kann auch sehr gefährlich sein ...
Louis Jensen thematisiert mit diesem Jugendroman deutlich die widersprüchlichen Meinungen der Wohlhabenden bezüglich der Armutsprobleme in den Dritte-Welt-Länder. Er bezieht Robin Hood und dessen Idealismus auf die heutige Zeit und ruft die Leser auf, sich selbst Gedanken darüber zu machen. Die zahllosen Reichen, die stur auf ihre vermeintlich perfekten Gesetze beharren, werden durch den Vater, dem Richter, vertreten. Der Autor zitiert das Gesetzbuch deswegen sogar gleich zwei Mal mit derselben Passage über Diebstahl! Überhaupt scheinen alle Erwachsenen in der Geschichte kaum Zeit und Interesse für Menschlichkeit zu haben. Der jugendliche Protagonist könnte für eine gewünschte Revolution stehen – damit die Leser sehen, dass man mit Kreativität und Leidenschaft die Welt verbessern kann. Dabei zeigt Louis Jensen mit der namenlosen Hauptfigur, dass jeder Mensch so selbstlos und mitfühlend sein kann und sich jeder mit dem Jungen identifizieren soll. Doch dennoch verdeutlicht der Autor die Schattenseiten des Helfens. Als der Protagonist beim Spendensammeln in der Fußgängerzone auf eine wohlhabende Frau trifft, die behauptet, sein Handeln sei sinnlos, und dann Geld statt in seine Dose in den Gulli wirft, wird der Leser erstmals auf die Kritiker des „Helfens“ aufmerksam gemacht. Die berechtigten Zweifel am Weg des gespendeten Geldes stellt sich wohl jeder, so wirft es auch die Frage auf: Wohin muss ich spenden, damit so viel Geld wie möglich bei den Bedürftigen ankommt? Die ständige Erwähnung der 33 Cent, die Kosten für eine Kindermahlzeit, wird durch sehr viele Zahlen geprägt. Ständig rechnet der 14-Jährige mit dieser Zahl herum: Wie viel jeder in der Klasse spenden müsste, um ein Kind vor dem Verhungern zu retten; wie vielen Kinder er mit seinem Abendessen das Leben retten würde ...
Diese Geschichte lässt den Leser auf die Armutsprobleme aufmerksam werden, es überrascht und empört gleichzeitig. Wahrscheinlich will Louis Jensen mit der Dramatik in den letzten Kapiteln die Wichtigkeit des Handelns betonen, doch es ist fraglich, ob das unerwartete Ende zu einer so bewegenden Geschichte passt. Außerdem stört die unbequeme Sprache sehr beim flüssigen Lesen: Es kann an der Übersetzung liegen, doch die Sätze sind abgehackt und haben kaum Nebensätze, geschweige denn Adjektive, die einem die Situation sicherlich noch näher bringen würden. Auch ist die ständige Wiederholung bestimmter Ausrufe und Passagen, beispielsweise (wie schon früher erwähnt) aus dem Gesetzbuch, äußerst fragwürdig. Natürlich soll damit die Wichtigkeit der Kernaussagen betont werden, doch es ist ziemlich befremdlich und offen gesagt mit der Zeit langweilig. Es scheint, als würde der Autor nur die 155 Seiten füllen, die für so ein wichtiges Thema meiner Meinung nach immer noch zu wenig sind. Dabei ist das Motiv sehr originell: Das Problem mit dem fehlenden Engagement der meisten Menschen ist zweifellos wichtig und ein guter Grund, ein Buch zu schreiben, doch jeder Leser, der am Ende – beeindruckt von der Selbstlosigkeit des Protagonisten – aufgewühlt nach einer Lösung diesen Problems sucht, sucht vergeblich. Also was ist die Moral der Geschichte? Dass es ein Problem ohne Lösung ist? Der starke Anfang über Gerechtigkeit, das Richtige und Moral ist vielversprechend, doch alles, was einem dieses Buch bewirkt, ist, dass man auf die Probleme lediglich aufmerksam wird. Außerdem erscheint dem Leser das Verhalten des Jungen unrealistisch – von den äußerst untätigen Eltern und Lehrern im Roman hätte man mehr erwartet. Wie soll man sich mit den Charakteren identifizieren, wenn sie so bizarr handeln?
Insgesamt ist die Idee hinter dem Buch hochinteressant und spannend, doch die Ausarbeitung ist nicht gelungen. Es wird nicht deutlich, was das Ziel der Geschichte war, und gerade eine Lösung des Problems, wie die Menschen sie dringend brauchen, bietet sie auch nicht. Diese eigentlich gut gemeinte Aktion wird sehr negativ dargestellt. Zwar ist es wünschenswert, dass viele Menschen den Roman lesen und aufmerksam werden, doch es wird eventuell sogar viele Menschen aufhalten, zu helfen, und denjenigen, die gegen soziales Engagement sind, viele bestärkende Argumente liefern.
Ich gebe dem Buch knappe 3 Sterne und empfehle es Mädchen und Jungs ab 12 Jahren – wobei das Buch sicherlich auch für Erwachsene sehr interessant sein kann.
Daria Lipsky (14) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Zeitgeschehen