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Aidan von Kiely, Brendan, Junge Literatur, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Freundschaft, Problemthemen

Aidan

Sünde. Lüge. Liebe. Mut.

Kiely, Brendan

Übersetzung: Prummer-Lehmair, Christa , Förs, Katharina

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: one

Empfohlen ab: 16 Jahre

ISBN: 9783846600146

Inhalt

Niemand ist eine Insel heißt es in einem Gedicht. Jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes, heißt es weiter. Doch Aidan bezweifelt das. Er hat seine Unschuld verloren und seinen Glauben. An Gott, an Vater Greg, an seine Eltern, eigentlich an alles und jeden. Erst als er Josie, Sophie und Mark kennenlernt, beginnt die Mauer zu bröckeln, die er um sich selber errichtet hat. Mit der Freundschaft zu den dreien wächst Aidans Selbstvertrauen. Und zwar soweit, dass er schließlich den Mut findet, die Wahrheit zu sagen.

Bewertung

Aidan hat es satt, dass niemand ehrlich ist. Alle tragen Masken und verdrängen die Realität. Er weiß nicht, was er tun soll und es gibt keinen, den er fragen kann. In seiner Einsamkeit ist die Kirche ein Zufluchtsort für ihn, doch es stellt sich heraus, dass ihm dort auch niemand hilft. Schlimmer noch - Father Greg vergeht sich an ihm und sagt ihm, das sei Liebe. Hilflos und verwirrt behält Aidan seine Maske auf und verdrängt das Geschehene. Wenn man nicht darüber spricht, ist es doch auch nie passiert, oder? Doch so sehr er es auch versucht, die dunklen Erinnerungen lassen sich nicht auslöschen. Wie soll er so weiterleben? Was ist das richtige Handeln in einer so falschen Situation? Aidan kämpft. Kämpft, um nicht vollends zu zerbrechen.

 

Das Cover, die Beschreibung und der Titel sind sehr packend gestaltet. Diese kurzen, prägnanten Schlagworte vermitteln eine Intensität, die dem Thema gerecht wird. Ich hatte nur den Text auf der Rückseite des Buches gelesen, der bereits andeutet, um welches Thema es geht. Trotzdem war ich mir am Anfang nicht ganz bewusst, dass es sich um Missbrauch handelt. Doch der Autor hat dies super geschickt und subtil eingefädelt. Man wird langsam an das sensible Thema herangeführt und bekommt zunächst einen Eindruck davon, wie es Aidan geht, ohne zu wissen, was genau passiert ist. Allzu viele Details über die Verbrechen selbst werden nicht geäußert. In erster Linie geht es um Aidan und seine Gefühle.

Ich war mir nicht sicher, wie alt Aidan ist, doch er scheint um die 16 zu sein. Ich konnte mich zeitweise sehr mit ihm identifizieren. Die Pubertät ist schwierig genug, aber was er durchmachen musste, ist unbegreiflich. An einigen Stellen konnte ich seine Handlungen und Gedanken nicht nachvollziehen, aber immer kam deutlich zum Vorschein, wie belastend das alles für ihn ist. Die Auswirkungen seiner Erfahrungen werden sehr intensiv und emotional dargestellt, was ich als sehr gut empfand.

Ich finde es richtig, den Fokus auf die Konsequenzen für Aidan zu legen. Die ganze Zeit habe ich mitgefühlt und gehofft, dass er es schafft, dass er diese dunkle Zeit verarbeiten, dass er weiterleben, dass er glücklich sein kann. Beim Lesen habe ich wirklich an jedem Wort gehangen. Das hat der Autor Brendan Kiely wirklich toll gemacht. Die Sprache ist für ein Jugendbuch sehr passend. Es spielt im Jahre 2002, ist aber sehr zeitgemäß. Mir persönlich gefällt sehr gut, dass viele Worte aus der heutigen Jugendsprache nicht vorkommen. Die Kapitel hätten etwas kürzer sein können, waren aber auch nicht allzu lang.

 

Das Buch befasst sich auf eine sehr schöne Art mit einem schrecklichen, sensiblen Thema. Ich empfehle es uneingeschränkt allen Jugendlichen ab etwa 15 Jahren. Ich finde es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, denn Missbrauch war und ist ein aktuelles Thema. Ich persönlich konnte mich nicht immer mit Aidan identifizieren, weshalb ich „nur“ 4 Sterne vergebe.

 

Lidan Chai (18) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Freundschaft, Problemthemen