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Alle nannten ihn Tomate

Scheffler, Ursel / Tim, Jutta

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Ravensburger

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783473445851

Inhalt

In einer Stadt lebt ein Mann, der seltsame Kleidung trägt, den niemand kennt, der eine knallrote Nase hat und dessen Namen keiner aussprechen kann. Die Menschen nennen ihn einfach Tomate. Und wie schnell er mit Vorurteilen konfrontiert wird und wie er ihnen begegnet, erzählt diese Geschichte beeindruckend und mit Tiefgang.

Bewertung

Der Ravensburger Verlag hat eine Reihe Kinderbuchklassiker herausgebracht. Dazu gehört auch "Alle nannten ihn Tomate" aus dem Jahre 1994, damals erschienen im Nord- Süd-Verlag.
Die Geschichte handelt von einem fremdländischen Mann mit ungewöhnlichen Namen und ebenso ungewöhnlichem Aussehen. Er hatte sich eines kalten Winters seine Nase verfroren, die seit dieser Zeit ständig schnupfenrot ist. Natürlich denken die Mitmenschen hierbei sofort an eine Schnapsnase. Zudem möchten sie sich gar nicht erst dieMühe machen, den fremd klingenden Namen des Mannes zu lernen, so wird aus ihm einfach "Tomate".
Den Kindern ist er unheimlich, wie er so dick eingehuschelt im roten Schal und mit Hut im Winter am Spielplatz steht und ihnen beim Spielen zuschaut. Dann wird eines Tages die örtliche Bank überfallen und die Beschreibung des Täters deutet für alle schnell auf "Tomate". So wird er nun für alle Übeltaten in der Stadt verantwortlich gemacht, ihm bleibt nichts anderes übrig, als aus der Stadt zu fliehen. Unterschlupf findet er in einer alten Hütte im Wald, in der er friert und Hunger leidet. Aus der Not heraus beginnt er nun tatsächlich Lebensmittel zu stehlen, damit er überleben kann. Er ist traurig und verzweifelt.
Der Zufall will es, dass der Stadtrat und ein Polizist einen geeigneten Ort für das zu bauende Kinderheim suchen und zu der alten Hütte kommen. Sie finden "Tomate" vor, der vor lauter Schreck erst die Flucht ergreift, später aber umkehrt und sich stellt. Aus dem Gefängnis wird er schnell wieder entlassen, da nichts wirklich gegen ihn vorliegt. Der Stadtrat kümmert sich um den Mann und bietet ihm jeden Tag andere Arbeit bei der Stadtreinigung an, so kann Tomate Geld verdienen und sich wieder versorgen. Es geht ihm wieder gut, aber glücklich ist er immer noch nicht. Er fühlt sich einsam.
Der Stadtrat, Herr Pix, hat ein Herz für Tomate. Als das Kinderheim fertig ist, bietet er ihm die Stelle des dortigen Hausmeisters an. Tomate zieht mit den Kindern im Heim ein und wird dort die gute Seele des Hauses. Durch den Kontakt mit den Kindern bekommt er wieder Lebensfreude und merkt plötzlich, das er jetzt glücklich ist.
Die Geschichte von Ursel Scheffer ist sehr vielschichtig. Sie spricht viele soziale Themen an, die verschiedenste Altersgruppen von Kindern erreicht.
Mitleid für den Mann, der in der Fremde leben muss und zu dem alle so böse sind, entwickelte meine Jüngste, 4 Jahre alt. Sie fieberte mit Tomate darum, dass er nicht gefunden wird und bestraft wird für Dinge, die er nicht getan hat.
Meine beiden älteren Söhne, 11 und 9 Jahre alt, spürten die Ungerechtigkeit der Vorverurteilung und des Schuld-zu-schiebens. Sie konnten nachvollziehen, dass Tomate stehlen musste um nicht zu verhungern und erlebten seine Angst und sein Unglücklichsein. Sie konnten viele Situationen auf ihre Welt übertragen.
Dass die Geschichte hier ein gutes Ende nimmt, macht die realistische und mitmenschlich zunächst traurige Aussage des Buches für Kinder ertragbar. Das Buch regt zu Gesprächen an, man ist überrascht, wieviel die Kinder verstehen, selbst auch auf andere Situationen übertragen können.
Jutta Timm hat wunderschöne, fast altmodisch anmutende Bilder zu dieser Geschichte gemalt. Warme Farben, Aquarelltechnik und viel zu sehen und entdecken gibt es auf ihren Bildern.
Beides gemeinsam ergibt ein Buch, welches ich als sehr lesenswert empfinde, da es Kindern schildert, was geschehen kann, wenn man jemanden vorschnell be- oder verurteilt. Ich gebe gerne 4 gute Sterne.
Ines und Ida R. (4) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein