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Allein unter Schildkröten von Kaldhol, Marit, Jugendbücher, Aus dem Leben, Aus dem Leben

Allein unter Schildkröten

Kaldhol, Marit

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Mixtvision

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783939435471

Inhalt

Mikke steht kurz vor dem Abitur. Nach außen wirkt er wie ein ganz normaler Teenager. Er hat eine Freundin, engagiert sich für die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten und kümmert sich aufopfernd um Sverre, der am Down-Syndrom leidet. Doch was wirklich in Mikke vorgeht, ahnt niemand in seinem Umfeld. Er zieht sich immer mehr zurück. Bis er keinen Ausweg mehr sieht ...

Spoiler-Alarm: In dieser Bewertung wird Grundlegendes der Geschichte verraten, bitte nicht weiterlesen, wenn man die Geschichte noch vor sich hat!

Bewertung

Ergreifend. Überraschend. Ganz sensibel. - Wenn man „Allein unter Schildkröten“ besprechen möchte, kommt man nicht umhin, ein paar bemerkenswerte Dinge vorwegzunehmen. Als erstes taucht man in Mikkes Gedankenweilt ein, dessen Tagebuch wir lesen: Über die letzten Tage vor dem Abitur, die Trennung seiner Freundin, der Umgang mit dem kranken Sverre und dem Wissen, dass seine Mutter mit ihrem Freund Urlaub in Chile macht. Zunehmend scheint sich Mikke für Meerestiere zu interessieren, alles, was er Neues über sie erfährt, teilt er seinem Tagebuch mit. Doch von Eintrag zu Eintrag wird die Uhrzeit nicht nur später, seine Gedanken sind melancholischer und auch deprimierter gefärbt, bis es am 11. Mai um 3:42 Uhr heißt: „Jetzt schreib ich nicht mehr“ und dem Leser schlagartig bei der Hälfte des Buches klar wird, dass Mikke seinem Leben ein Ende setzt. Denn plötzlich liest man die Gedanken und Gefühle der verzweifelten und fassungslosen Mutter und schließlich endet das Buch mit Briefen seiner Freunde.
Durch die sehr persönlichen, auch lückenhaften Tagebucheinträge bleibt der Grund für Mikkes Entscheidung offen und vielleicht auch nicht nachvollziehbar, aber wenn die Kapitel der Erinnerungen der Mutter beginnen, identifiziert man sich plötzlich mit den ratlosen und fassungslosen Hinterbliebenen. Gerade das macht das Buch sehr realistisch. Die Autorin Marit Kaldhol hat eine wunderbar einfache Art, die Dinge und Geschehnisse klar aber berührend darzustellen. Wenn ich zur Mitte des Buches hin an eine 3-Sterne-Bewertung (nett für Zwischendurch) gedacht habe, ist das Buch doch 5 Sterne wert. Und ich glaube allmählich, dass genau das die Absicht der Autorin und der Grund für Mikke waren: Irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem man in einem Dahinplätschern ohne große Spannung gerät. Und alle Handlungen, die dann folgen, werfen große Konsequenzen nach sich.
Den Preis für dieses dünne und nicht auf jeder Seite vollständig beschriebene Buch auf 12,90 Euro festzusetzen, ist vom Verlag jedoch sehr dreist. Daher befürchte ich, dass „Allein unter Schildkröten“ nicht so viele Leser erreicht, wie es verdient.
Beatrice Buchholz (22) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Aus dem Leben