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Amy & Matthew von McGovern, Cammie, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Freundschaft, Krankheit, Liebe

Amy & Matthew

Was ist schon normal?

McGovern, Cammie

Übersetzung: Brammertz, Beate

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Heyne

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783453269163

Inhalt

Die 17-jährige Amy ist ein besonderes Mädchen. Sie kann nicht sprechen und nicht ohne Hilfe laufen. Aber sie ist unglaublich klug und wahnsinnig hübsch – zumindest in den Augen ihres Klassenkameraden Matthew, der auch nicht so ist wie die anderen. Vor allem mit Nähe hat Matthew ein Problem. Doch genau die sucht Amy, die genug davon hat, wie ein rohes Ei behandelt zu werden. Im letzten Jahr der Highschool beschließt sie, dass das Leben jetzt beginnen muss. Und sie verliebt sich in den sensiblen Matthew. Dann aber begeht sie auf dem Abschlussball einen verhängnisvollen Fehler und verletzt Matthew zutiefst. Wird er ihr verzeihen?

Bewertung

Amy kann weder sprechen noch gehen, jedoch fühlt sie sich nicht sonderlich behindert. Denn sie ist der Meinung, dass sie in den Dingen, die im Leben zählen, ziemliches Glück hat. Sie hat gesunde Ohren und Augen und wurde von Eltern erzogen, die sie so lieben, wie sie ist. Sie will weder dünner noch größer sein, noch wünscht sie sich, wenn sie sich im Spiegel betrachtet, dass Teile von ihr größer oder kleiner wären. Und sie will nicht einmal normal sein, nein, sie sehnt sich nicht ununterbrochen nach gesunden Beinen oder einer artikulierenden Zunge. Sie fände es zwar schön nicht zu sabbern, ist sich jedoch bewusst, dass ein bisschen Spucke nicht das Ende der Welt bedeutet. Sie weiß, ihrer Meinung nach nicht, wie es sich anfühlt hübsch zu sein, denn niemand beneidet ihr Gesicht und in ihrem Körper möchte niemand wohnen. Und Amy ist irgendwie glücklich darüber. Denn sie muss nicht der Mode verfallen, sich zeitaufwendig um ihr Aussehen kümmern oder auf Partys gehen. Nein, durch ihre wenigen Optionen ist sie freier als jeder andere Teenager, den sie kennt.

Auch wenn Amy mit ihrem Schicksal zurecht kommt und es noch so schön redet, kann sie kaum selbständig gehen, nicht reden, keine feste Mahlzeit zu sich nehmen und hat keinen sozialen Anschluss. Doch Amys Eltern wollen dies schnellstmöglich ändern. Denn sie stellen für Amy gleichaltrige Schulhelfer ein, denen sie beauftragen Amy mit gleichaltrigen Teenagern in Kontakt zu bringen. Doch Amy ist nicht wirklich begeistert davon, dass ihre Eltern ihr Freunde kaufen. Sie will nicht bemitleidet werden, ist der Meinung, keine Hilfe zu brauchen, schon gar nicht von ihrer Mutter, von welcher sie überbehütet wird.

Doch dann meldet sich plötzlich Matthew für das Programm an. Matthew, der aufgrund seiner Zwangsneurosen kaum sein eigenes Leben geregelt bekommt, der mit seiner höchst depressiven Mutter in einem Haus wohnt und der der einzige ihrer Schulhelfer ist, der den Job nicht nur wegen des Geldes und der Beurteilung für die Collage-Bewerbung zu machen scheint. Matthew, für den Amy plötzlich mehr fühlt als nur Freundschaft. Doch kann ein Junge, der mit seinem eigenen Leben kaum über die Runden kommt wirklich der richtige Umgang für ein Mädchen sein, das rund um die Uhr auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen ist? Amys Mutter hat da so ihre Zweifel. Doch Amy beginnt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und dies nicht nur indem sie sich ihre Helfer selbst aussucht. Denn Amy beginnt immer mehr ihren Willen durchzusetzen. Koste es, was es wolle. Denn sie will sich ihr Leben nicht weiterhin von ihrer Mutter bestimmen lassen.

 

Auf 350 Seiten schreibt Cammie McGovern über ein behindertes Mädchen, dass immer mehr beginnt selbstbestimmt zu handeln und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Auch wenn sie ohne die Hilfe ihrer Mitmenschen so gut wie nichts machen kann. Sie kann sich nicht aus- und anziehen, nicht essen. Ohne ihren Computer kann sie nicht einmal sprechen. Doch wenn die Teenagerin etwas hat, dann ist dies ihr Wille, der sie immer wieder dazu bringt über ihre Grenzen zu gehen und Dinge zu schaffen, die ihr niemand zugetraut hätte. Sie geht auf den Abschlussball, trinkt Alkohol, flirtet mit Jungs und geht noch weiter. Jedoch scheinen nicht all ihre Handlungen besonders überlegt zu sein, doch die meisten bereut sie nicht. Nein, sie lebt im Augenblick, auch wenn sie höchst intelligent ist und Plätze an sämtlichen angesehenen Collages angeboten bekommt. Amy bleibt sie selbst, setzt sich durch und macht, was sie will. Denn ihr Leben hat sie sich von ihrer Mutter lange genug bestimmen lassen.

 

Witzig und zugleich sehr lebensnah wird der teils fast tragische Roman erzählt, in dem zwei Teenager sich gegenseitig nicht nur helfen, sondern sich gegenseitig retten und ohne Kompromisse füreinander da sind. Zudem macht das Buch benachteiligten Jugendlichen Mut, auch wenn Amys Lösung meiner Meinung nach nicht gerade perfekt ist.

Das Cover zeigt einen Jungen, welcher ein Mädchen über die Schulter geworfen hat. Ihre Gesichter sind nicht zu erkennen. Im Hintergrund ist das Cover in hellblau gehalten, der Titel hebt sich in dicken, bunten Großbuchstaben gut ab. Ich empfehle das Buch an Jugendliche ab 14 Jahren, die gerne Reality und Romane lesen und vergebe 4 Sterne für ein Buch, dass zwar teilweise etwas zu viel hin und her ist, dass jedoch wirklich zeigt, das „normal“ im Auge des Betrachters liegt und man kämpfen muss, wenn man etwas erreichen will.


Lisa Fehr (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Freundschaft, Krankheit, Liebe