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Anna und der Schwalbenmann von Savit, Gavriel, Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte, Erwachsenwerden

Anna und der Schwalbenmann

Savit, Gavriel

Übersetzung: Zeitz-Ventura, Sophie

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: cbt

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783570164044

Inhalt

Krakau, 1939. Anna ist noch ein Kind, als die Deutschen ihren Vater mitnehmen, einen jüdischen Intellektuellen. Sie versteht nicht, warum. Sie versteht nur, dass sie allein zurückbleibt. Und dann trifft Anna den Schwalbenmann. Geheimnisvoll ist er, charismatisch und klug, und ebenso wie ihr Vater kann er faszinierend viele Sprachen sprechen. Er kann Vogellaute imitieren und eine Schwalbe für sie anlocken. Und er kann überleben – in einer Welt, in der plötzlich alles voller tödlicher Feindseligkeit zu sein scheint. Anna schließt sich dem Schwalbenmann an, lernt von ihm, wie man jenseits der Städte wandert, sich im Wald ernährt und verbirgt. Wie man dem Tod entkommt, um das Leben zu bewahren. Aber in einer Welt, die am Abgrund steht, kann alles gefährlich werden. Auch der Schwalbenmann.

Bewertung

Nachdem Annas Vater den Deportationen zum Opfer fällt, bleibt die 7-Jährige alleine im Krakau zur Zeit des Holocaust zurück. Da macht sie Bekanntschaft mit dem großen, dünnen Mann, den sie den Schwalbenmann nennt, und folgt ihm kurzentschlossen. Von da an sind die beiden zu zweit unterwegs und aufeinander angewiesen, denn als Landstreicher hat man es nicht leicht, vor allem nicht, wenn man ein kleines Mädchen ist, inmitten eines Weltkriegs. Aber Anna ist schlau und naseweis. Sie lernt schnell vom Schwalbenmann alle Tricks und Kniffe, die man auf der Straße beherrschen muss, und die ihr im Laufe ihrer langen Reise noch des Öfteren das Leben retten werden.

 

In diesem Buch ist mehr denn je, mehrere Aspekte betreffend, der Weg das Ziel. Dies bezieht sich nicht nur auf die lange Reise der beiden durch ganz Polen, die die Haupthandlung bildet, sondern auch auf das Lesen selbst. Das Buch ist sehr gut geschrieben, und macht mit Metaphern und Vergleichen ausgeschmückt aufmerksam auf ethische Werte und was den Menschen zum Menschen macht. Diese Thematik spielt natürlich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges eine besonders intensive Rolle und bietet viel Diskussionsstoff, den der Autor in seinem Buch auch verwendet.

Im Laufe des Buchs werden viele Fragen aufgeworfen, vage Andeutungen gemacht, die aber nie eine Antwort bilden. Dem Leser ist die Interpretation des Buches zum größten Teil selbst überlassen, der Autor gibt also keine Vorlage vor.

Besonders auffällig ist dies bei der Figur des Schwalbenmannes. Er ist wie ein Vater für Anna, aber dennoch sehr mysteriös, geheimnisvoll und von Zeit zu Zeit auch unheimlich. Die Fragen um ihn werden nie beantwortet und im Gegensatz zum Rest des Buches ist das Ende auch sehr kurz gefasst, wirkt abgehackt und nahezu kryptisch. Dem Leser steht es frei, sich den weiteren Verlauf der beiden Hauptfiguren selber zu denken. Mir persönlich war diese Freiheit jedoch schon zu viel und ich hätte lieber ein paar mehr genaue Antworten gehabt und fühlte mich am Ende ein wenig im Dunkeln gelassen. Für Leser, die sich Auflösung und Erklärung wünschen, ist dieses Buch also ein absoluter Fehlgriff. Dennoch hat mir die Sprache und die Botschaft in dem Buch gefallen, auch, wenn mich die Interpretationsfreiheit gestört hat. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass das Buch eher für „ältere junge Leser“ geeignet wäre, weil sie die Intention des Autors vielleicht schon besser verstehen können.

Ich empfehle dieses Buch also für Leser ab ca. 16 Jahren, die gerne auch selber interpretieren und diese Freiheit schätzen können. Ich vergebe 4 Sterne.

 

Rebekka Mattes (15) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte, Erwachsenwerden