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Auf der anderen Seite des Meeres von Dowd, Siobhan, Jugendbücher, Aus dem Leben, Spannung

Auf der anderen Seite des Meeres

Dowd, Siobhan

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783551581891

Inhalt

Eine neue Schule, ein neues Zuhause. Eine neue Pflegefamilie, die es nur gut mit Holly meint und doch nichts versteht. Aber jetzt hat Holly genug davon. Sie packt ihre Tasche, tuscht sich die Wimpern, setzt die blonde Perücke auf und geht los. Einfach die Straße entlang, Richtung Meer. Denn auf der anderen Seite, in Irland, wo das Gras grün ist, wartet ihre Mutter auf sie. Und wenn sie die gefunden hat - das weiß Holly einfach -, dann wird endlich alles gut.

Bewertung

"Sweet dreams are made of this / Who am I to disagree? / Travel the world and the seven seas / Everybody is looking for something"
Holly ist Heimkind, seit sie klein ist. Als ihr Betreuer Miko eine Familie für sie findet, ist sie zunächst ablehnend, doch stimmt letztlich doch zu. Sie zieht zu den Aldridges nach London in eine recht wohlhabende Gegend und versucht sich dort einzufügen. Doch innerlich träumt sie von Irland, wo ihre Mutter auf sie wartet. Als sie eine blonde Perücke findet, legt sie sich eine zweite Identität mit Namen Solace zu. Solace ist 18, mutig und selbstbewusst. Solace will nach Irland und haut ab, mit nichts als ein paar Pfund, einem Handy und einer Straßenkarte. Die 15-jährige Holly kommt nur wenig zum Vorschein und lässt die dominante Solace ihr Leben bestimmen, und so begleiten wir Solace/Holly auf einer Reise, auf der sie verschiedenste Menschen trifft und ihrem Ziel immer näher kommt.
Doch wartet ihre Mutter wirklich auf sie? Ihr Traum von Irland scheint sich zu verwirklichen, doch ist wirklich alles so, wie Holly es sich vorstellt? Was wird passieren auf der anderen Seite des Meeres?
Oft wenn ich ein Buch beendet habe, denke ich darüber nach und überlege mir, ob ich ein paar Monaten wohl noch irgendetwas darüber weiß. Meistens ist es eher so, dass die Inhalte verschiedener Bücher sich in meinem Gedächtnis vermischen und keines "besonders" ist. Dieses Buch gehört aber auf jeden Fall nicht in diese Sparte. Es hat mich sehr beeindruckt, angefangen vom realistischen Schreibstil, über die Charaktere bis zu dem Song "Sweet dreams are made of this" von Eurythmics, der über das ganze Buch hinweg präsent ist. Immer wieder werden Zeilen aus dem Lied wiederholt, und die letzten 50 Seiten habe ich mit dem Lied im Hintergrund gehört. Eine echt wundervolle Erfahrung!
Die Geschichte war überhaupt nicht überzogen, man hat Holly ihre Handlungen abgenommen. Seit Jahren sitzt sie im Kinderheim, und hat nur verschwommene Erinnerungen an die Zeit mit ihrer Mutter, unter anderem eben diesen Song und vor allem, dass sie gemeinsam von Irland geträumt haben. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Holly sich schließlich auf den Weg macht. Die Idee mit der Perücke ist grandios, und bietet Holly eine perfekte Möglichkeit, ihre Identität so sehr zu verändern, dass sie sich traut, sich auf den Weg zu machen, auf den Weg zur anderen Seite des Meeres. Und wer von uns würde nicht gerne einmal ganz anders aussehen und Sachen machen, die man sich mit seinem normalen Ich nicht traut?
Auf ihrem Weg trifft Holly alle möglichen Menschen, die sie prägen und an die sie sich immer wieder erinnert. Es kommen alte Erinnerungsfetzen hoch, die sich erst am Ende zu etwas Ganzem zusammenfügen. So wird der Leser immer mehr hineingezogen in Hollys Welt und will wissen, wie und vor allem wo ihr Weg endet. Der Prolog hat einem schon viele Infos gegeben, die man erst im Nachhinein versteht und mit denen die Geschichte jedoch keinesfalls voraussehbar wurde. Er hat einem vielmehr neugierig gemacht auf das Mädchen, auf ihre Beweggründe und ihre Reise.
Abgesehen von Hollys Handlungen wurde auch oft ihre Umgebung beschrieben, die sich ja oft geändert hat. Man konnte sich gut vorstellen, wie unpassend sie sich in der wohlhabenden Gegend in London gefühlt hat, man ist mit ihr zusammen getrampt, U-Bahn und Zug gefahren. Die Vorstellungskraft wurde nicht sehr groß herausgefordert, die Bilder nahmen einfach Gestalt an im Kopf und man ist mit Holly zusammen durch England nach Westen gereist.
Nach den ersten paar Seiten, die ich quälend langsam gelesen habe und die mich fast gar nicht gepackt haben, hat sich für mich das Blatt gewendet und ich war auf einmal gefesselt von Hollys Geschichte. Ein unglaublich bewegendes und realistisches Werk, was meiner Meinung nach sehr lesenswert ist, vor allem eher für Ältere. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen!
Eva Hanicke (17 Jahre) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung