Bilderbücher  >  Zum Vorlesen
Ben der Schneemann von van Genechten, Guido, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Kindliche Gefühlswelt

Ben der Schneemann

... können wir nicht teilen?

van Genechten, Guido

Übersetzung: Rometsch, Martin

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: aracari

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783905945423

Inhalt

Eines Tages taucht ein Schneemann mit kahlem Kopf im Eisland auf! «Ich bin Dimitri», stellt der Fremde sich vor. Er ist traurig, weil er auf seiner Reise seinen Hut verloren hat. Ben leiht ihm daraufhin seine Mütze für ein paar Tage, bekommt sie aber nicht zurück. Dimitri scheint nicht teilen zu wollen – was soll Ben jetzt tun?

Bewertung

Ben, der Schneemann lebt mit vielen anderen Schneemännern im Eisland. Sie sind eine sehr glückliche Gemeinschaft und als eines Tages ein fremder Schneemann aus dem hohen Norden auftaucht, begrüßen sie ihn freundlich. Dieser Schneemann heißt Dimitri und hat auf dem stürmischen Weg ins Eisland seinen Hut verloren. Da aber jeder Schneemann eine Kopfbedeckung trägt und stolz darauf ist, ist Dimitri traurig mit kahlem Kopf. Der kleine Ben hat Mitleid mit dem Neuankömmling und leiht Dimitri seine eigene Mütze.


Was auf den letzten Seiten des Buches passiert konnten weder ich noch andere Familienmitglieder so recht deuten: Worum geht es eigentlich in diesem Buch? Geht es ums Teilen, wie der Titel suggeriert? Nicht wirklich, denn es wird erst auf der letzten Seite erwähnt und es erscheint eher ein fauler Kompromiss zu sein. Dimitri behält einfach den Hut und alle beginnen nun - damit der kleine Ben nicht kahl bleiben muss - ihre Kopfbedeckungen herumzureichen, damit jeder mal einen Tag die Bürde des nackten Kopfes ertragen muss. Tatsächlich ist es nicht wirklich plausibel, warum ein unbedeckter Kopf Unwohlsein auslöst, noch, warum Dimitri für seinen Diebstahl (an dem kleinsten, naivsten Schneekind) keine Konsequenzen zu fürchten hat. Nein, vielmehr nimmt die ganze Gemeinschaft es einfach hin, dass hier ein Unrecht begangen wurde und findet eine umständliche wie unlogische Lösung: Im Rotationsverfahren den fehlenden Hut in der Gemeinschaft abzufedern, indem jeder mal einen Tag seinen Hut abgibt. Meine Tochter fragte mich nach der Geschichte verwirrt: „Mama, warum machen die nicht einen neuen Hut für Ben oder den neuen Schneemann?“


Man muss dazu sagen, dass einige Kopfbedeckungen nur schlichte, verbeulte Dosen oder alte Kartons sind. Warum also nicht mal eben eine neue Dose suchen? Die Geschichte ist wirklich krude und hat weder uns noch unserer Tochter gefallen. Das können leider auch nicht die liebevollen und sehr zarten Bilder ausgleichen, die uns wirklich gut gefallen. Die Geschichte wirkt so, als versuchte man auf Biegen und Brechen ein pädagogisch schönes Ende zu finden, dabei stolpert man über politisch brisante Themen (Migration und Integration) und verstrickt sich in Unlogik, die selbst Dreijährigen negativ auffällt. 

 

Mareike Dietzel :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Kindliche Gefühlswelt