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Bitterzart von Zevin, Gabrielle, Jugendbücher, Liebe, Liebe

Bitterzart

Zevin, Gabrielle

Übersetzung: Fischer, Andrea

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Fischer FJB

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783841421302

Inhalt

New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal. Smartphones sind für Minderjährige verboten und um 24 Uhr ist Sperrstunde. Die Balanchine Familie ist das Zentrum des illegalen Schokoladenhandels in New York. Doch die Eltern von Anya Balanchine sind bereits tot, und Anya ist mit 16 Jahren das Familienoberhaupt. Sie kümmert sich um ihre Geschwister und die kranke Großmutter, und versucht, sie alle möglichst aus dem illegalen Familiengeschäft rauszuhalten.
Von ihrer ersten großen Liebe Win kann sie sich allerdings nur sehr schwer fernhalten, dabei ist er ausgerechnet der Sohn des Oberstaatsanwaltes – ihres schlimmsten Feindes…

Bewertung

Im New York der Zukunft ist so gut wie alles verboten und alles knapp: Koffein und damit Kaffee und Kakao bekommt man nur auf dem Schwarzmarkt oder in sogenannten "Mondscheincafés"; Selbstverständliches wie Wasser und Telefongespräche sind teuer besteuert. Für viele notwendige Dinge braucht man Gutscheine. Da der Staat pleite ist, werden immer wieder neue Gesetze erlassen, die sich ständig ändern. In dieser Welt lebt Anya Balanchine, 16 Jahre alt, mit ihrer Familie. Die Großmutter Galina liegt an Geräten angeschlossen im Sterben, ihr wenig älterer Bruder Leo hat nach einer üblen Kopfverletzung eine leichte geistige Behinderung und ihre jüngere Schwester Natty leidet seit Jahren an schlimmen Alpträumen. Anya trägt die anfallenden Lasten auf ihren Schultern und jeder wendet sich an sie, die „Mafiabraut und Schlampe“. Ihr Vater war einmal der Anführer des mächtigen Balanchine-Schokoladen-Clans, wurde aber ermordet und die Mädchen, die Jahre zuvor schon die Mutter verloren hatten, mussten es mit ansehen.
Da ist es fast Schicksal, dass Anya ständig (oft unschuldig) mit den Regeln und Gesetzen in Konflikt kommt und immer wieder bestraft wird. Doch Strafen tritt sie anstandslos an, um ihrer Familie keine weiteren Schwierigkeiten zu bereiten. So kommt es, dass sie sogar für eine kurze Zeit in die Besserungsanstalt „Liberty“ muss.
Ihre beste Freundin Scarlett und ihr Freund Win, der Sohn des neuen Oberstaatsanwaltes, stehen ihr immer zur Seite, aber dürfen nicht mit in die Familienangelegenheiten gezogen werden.
Doch kaum kommt Anya aus der Besserungsanstalt, erfährt sie, dass viele Menschen von der Familienschokolade krank wurden. Wins Vater übernimmt den Fall und damit steht die aufkeimende Liebe zwischen Win und Anya auf Messers Schneide. Eigentlich sollen die beiden sich von da voneinander fernhalten, doch natürlich ist das leichter befohlen, als getan.
Gabrielle Zevins Jugendoman reiht sich ein in die modernen Dystopiegeschichten und ist für Fans von „Delirium“ oder „Die Auswahl“ neuer Lesestoff. Die Idee, die Geschichte der Tochter eines Schokoladenmafiabosses im zukünftigen New York zu erzählen, fand ich interessant und neu. Für eine nette und unterhaltsame Lektüre zwischendurch war das Buch gut, aber ganz überzeugen konnte es mich leider nicht. Gerade die Liebesgeschichte zwischen Anya und Win, die im Klappentext herausgestellt wird, wirkte auf mich nicht ausgereift. Erst fand Anya Win uninteressant und dann, als alle andere davon reden, da könnte eine Liebelei sein, denkt Anya auch so. Wirklich schade, ein schöner Moment des Verliebens hat mir einfach gefehlt.
Ich fand es ganz ansprechend, dass Gabrielle Zevin einige New Yorker Sehenswürdigkeiten an die Zukunft angepasst hat, so ist der Central Park verwildert und nicht mehr schön und die Insel der Freiheitsstatue zur Besserungsanstalt geworden. Aber man kann sich nicht gut in die Geschichte fallen lassen, es fehlt an Sinnlichkeit (die ich mir bei dem Thema Schokolade vorgestellt hatte) und Bildhaftigkeit. Gefühle, Atmosphäre, Spannung (obwohl viel passiert!) und richtige Konflikte fehlen ebenso. Sobald der Bösewicht auftaucht, kann man sich schon denken, dass er es ist. Anya passieren ganz unvorstellbare Dinge, aber ich hatte den Eindruck, dass das alles wieder schnell geklärt wird und jeder, auch die Bösewichte, schnell einsichtig sind. Spannung kommt dann erst wieder im vorletzten und letzten Kapitel auf, wenn Anya wieder nach „Liberty“ gehen muss. Was mir gefallen hat, waren Anyas Gedanken zum vorehelichen Sex und dass sie sich von ihrem Grundsatz und ihrer katholischen Erziehung nicht abbringen lässt, auch wenn es ihr schwer fällt. Das wirkte nicht belehrend, sondern war einfach eine Schilderung von einer inneren Überzeugung.
Der Schreibstil ist sehr frisch und jugendlich gehalten, es ist von der Form her etwas zwischen tagebuchafter Berichterstattung und Erzählung. An vielen Stellen spricht die Hauptfigur sogar den Leser an oder betont, dass sie einige Geschehnisse ja schon vorher genannt hatte. Vieles kommentiert sie auch mit einem ironischen Ton.
Gar nicht gefallen haben mir die unterschiedlichen Kapitellängen, mal 6- 15 Seiten, dann aber auch über 30 und ein Kapitel umfasst sogar 65 Seiten. Das macht es manchmal schwer, das Thema des Kapitels zu erfassen.
Ich habe nicht wirklich verstanden, weshalb Koffein (in Kaffee und Kakao) als gefährlich betörend dargestellt und damit verboten ist, Bier aber an Jugendliche ausgegeben wird und Anya ganz lässig mit Schusswaffen umgehen kann. Einiges wird nicht weiter ausgeführt, wie z.B. die osteuropäische Herkunft der Balanchines. Das Buch liest sich wirklich sehr schnell durch, was zum einen daran liegt, dass es eben flüssig geschrieben ist, aber zum Anderen auch daran, dass die Seiten relativ schmal und mit wenig Zeichen bedruckt sind. So kommt der Text auch schnell auf über 500 Seiten.
Als großer Schokoladenfan war ich sehr gespannt auf diesen Jugendroman, hatte mir aber doch mehr vorgestellt. Ich empfehle das Buch Lesern ab 14 Jahren, die gerne kleine Überraschungen im Alltäglichen mögen und ein Faible für Zukunftsvisionen haben. Der zweite Teil „Edelherb“ erscheint noch dieses Jahr bei FJB, eine Leseprobe dazu gibt es am Ende des Romans und ich denke, dass es nur besser werden kann. Von mir gibt es 3 Sterne, die dem Nachfolger das Potenzial für 4 wünscht. Bei der Romanze habe ich einfach die Gefühle vermisst und bei der Spannung das Unvorhersehbare.
Beatrice Buchholz :: Redaktion Buecherkinder.de

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