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Boy 7 von Mous, Mirjam, Jugendbücher, Krimi & Thriller, Problemthemen

Boy 7

Mous, Mirjam

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Arena

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783401065625

Inhalt

Stell dir vor, du kommst auf einer glühend heißen, kahlen Grasebene zu dir und weißt weder, wohin du unterwegs bist, noch woher du kommst. Du weißt nicht einmal, wie du heißt. Die einzige Nachricht auf deiner Mailbox stammt von dir selbst: "Was auch passiert, ruf auf keinen Fall die Polizei."

Bewertung

Ich wusste nicht, wer ich war, wo ich war und wie ich an diesen verlassenen Ort geraten war. Aber dass mir fast er Schädel platzte vor Schmerzen, das wusste ich. Es war, als hätte man mir mit einem Hammer alle Erinnerungen herausgeschlagen – und so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte sie nicht wiederfinden.
Er findet sich auf einer Grasebene wieder und weiß nicht, was passiert ist. Anhand seiner Kleidung gibt er sich selbst den Namen "Boy Seven" - eine Bezeichnung allerdings, die auch für ihn bestimmt war. Außer einem Rucksack mit ein paar wenigen Hinweisen hat er keine Anhaltspunkte, was vor seinem Aufwachen passiert ist. Aber er weiß, dass es etwas Schlimmes gewesen sein muss. Erst scheint es ihm gelegen zu kommen, dass er von einem jungen Mädchen namens Lara aufgegabelt und zu ihrer Tante mit in eine Pension genommen wird, doch ein inneres Gefühl belehrt ihn, und dieses zieht sich durch die gesamte Geschichte, dass er niemandem vertrauen kann. Boy 7 stellt Nachforschungen an, muss bald feststellen, dass mit jedem neu entdeckten Hinweis auf seine Vergangenheit auch etwas Merkwürdiges in seiner Gegenwart, mit seinen Mitmenschen, passiert. Er kann sich niemandem anvertrauen, er kann niemanden nach etwas befragen; nur sein Notizbuch, das all seine Erinnerungen birgt. Und nicht nur das: Je mehr er erfährt, desto gefährlicher wird sein Aufenthalt an einem scheinbar sicheren Ort.
Mirjam Mous‘ Thriller über einen gestrandeten Jungen, der sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit begibt und dabei mit einer Geheimorganisation zusammentrifft, einer Anstalt für angeblich schwer erziehbare Jungs, ist ein nett geschriebener Jugendroman. Die Sprache ist einfach und z.T. so pfiffig, dass man gebannt weiterlesen muss – aber es gibt auch einige Stellen, die die Spannung nehmen, da dort eher "gefaselt" wird. Die Beschreibungen sind sehr detailliert, allerdings fraglich, ob das sein muss, wenn genauestens erzählt wird, wie Boy sich beispielsweise in den Kopf schneidet. Es ist wahrscheinlich keine gute Idee von der Autorin gewesen, einen Ich-Erzähler zu verwenden. Der Abschnitt "Wie Sam auf eine einsame Grasebene gelangt war" ist recht unlogisch, wenn jemand von seinen Erfahrungen spricht, aber gleichzeitig kommentiert, dass er ja alles vergessen hätte. Man mag sich dadurch vielleicht besser in eine Figur hineinversetzen können, aber für das "Vergessen"-Motiv ist es nicht unbedingt clever gewählt. Was mir ganz gut gefallen hat, waren die Beschreibungen von Boys Verfolgungswahn.
An einigen Stellen wird dem Leser vielleicht schon zu viel verraten, aber im Allgemeinen ist es für die Altersgruppe spannend geschrieben. An und für sich ist die Geschichte voraussehbar, man muss dafür nicht hervorragend kombinieren können. Dank der übersichtlichen Kapitel liest es sich schnell weg, eine interessante Lektüre für Bus,-Zug- oder Flugzeugreisen ;-)
Die Bezeichnung "CoorporationX" fand ich für eine Geheimorganisation ziemlich unkreativ, dafür aber die Bezüge zum aktuellen Weltgeschehen gut miteingearbeitet.
Es ist nicht wirklich eine neue Idee. Für mich gab es keine "Oooh" oder "Aaah"-Szenen. Während die Geschichte um Boy 7s Herumirren und nach Anhaltspunkten suchen auf fast 200 Seiten ausführlich beschrieben wurde (in zwei Themenabschnitte), blieben für die Abschnitte 3,4, 5 und den Epilog nur ca. 75 Seiten, auf denen die Entwicklung so gedrängt beschrieben wird, dass man das Gefühl hat, die Problemlösung sollte eben einfach schnell abgehandelt werden. In dem Roman steckt einiges an Potential, man hätte wirklich mehr rausholen können.
Für Jugendliche, die die Themen Gewalt, Verzweiflung, Manipulation, Kontrollzwang und Uniformität interessieren, ist dieses Buch zu empfehlen. Und welchen Wert Vertrauen hat, was man dafür auch zu opfern bereit sein muss, ist in der Geschichte gut untergebracht und beschrieben.
Alles in allem ist es leichte Unterhaltung mit ein paar guten Stellen. Eine davon möchte ich zum Abschluss zitieren:
Was für ein Sinn hatte das Leben, das nicht wirklich das eigene Leben war? Wenn alles Tun und Lassen von einem anderen bestimmt wurde. Wenn ein anderer für einen entschied und für einen dachte. Dass man wie ein Soldat Befehle befolgte, auch wenn sie noch so stumpfsinnig oder gefährlich waren. Dann war ich noch lieber eine Treibhauspflanze als eine Marionette. Ich wollte meine eigenen Dinge entdecken und Fehler machen. Ich wollte herausfinden wer ich war und wer ich werden konnte. Ich wollte wachsen und atmen und weinen und lachen und spüren, dass ich lebte.
Der Aufruf, das eigene Leben selbst zu bestimmen, es in die Hand zu nehmen und den Mut zu haben, aus Zwängen auszubrechen, ist das für mich Interessanteste, was man aus der Geschichte heraus nehmen kann. Die Erzählung vom unmenschlichen Geheimexperiment einer zwielichtigen Geheimorganisation ist hier wohl nur Mittel zum Zweck gewesen. Von mir 3 Sterne.
Beatrice Buchholz (20 Jahre) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Problemthemen