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Brüder für immer von Kromhout, Rindert, Jugendbücher, Aus dem Leben, Historie

Brüder für immer

Kromhout, Rindert

Übersetzung: Erdmann, Birgit

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Mixtvision

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783958540682

Inhalt

„Wenn du vor mir stirbst“, sagte ich, „werde ich ein Buch über dich schreiben.“

„Wenn du vor mir stirbst“, sagte Julian, „habe ich keinen Bruder mehr.“

 

Quentins Buch hält der Leser in den Händen. Er schreibt über die Kindheit mit seinem Bruder Julian, bis dieser in den Spanischen Bürgerkrieg zieht. Vom englischen Landleben der zwanziger und dreißiger Jahre, den Künstlern, die in ihrem Haus ein und aus gehen und von einem schrecklichen Geheimnis, das ans Licht kommt und alles verändert.

Brüder für Immer beruht auf wahren Begebenheiten und realen Personen. Quentin, Julian und ihre kleine Schwester Angelica waren die Kinder der Malerin Vanessa Bell. Vanessa und ihre Schwester Virginia Woolf waren zentrale Figuren der sogenannten Bloomsbury Group, einer bunten Gemeinschaft von Künstlern, die Anfang des vorigen Jahrhunderts in England wohnten und wirkten.

Bewertung

Quentin und Julian erleben eine hoch ungewöhnliche Kindheit. Als Kinder der Malerin Vanessa Bell, die sich nicht um gesellschaftliche Vorgaben schert, wachsen sie in einem bunten Haus in Charleston auf, eine sehr ländliche Gegend in England. Mit einer Malerin als Mutter und der berühmten Schriftstellerin Virginia Wolf als Tante mangelt es ihnen nicht an außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die ihr Haus mit Leben und Charakter füllen.

Auf dem Land sind sie relativ abgeschirmt von den Geschehnissen der Zeit, doch auch dort erhält die Realität irgendwann Einzug. Julian, der ältere der beiden, beschließt, sich für den Spanischen Bürgerkrieg zu melden. Und Quentin beschließt, über ihn und ihre gemeinsame Kindheit zu schreiben.

 

Als ich die Beschreibung des Buches zum ersten Mal durchgelesen habe, war mir nicht ganz bewusst, inwiefern es auf wahren Begebenheiten beruht. Daher soll an dieser Stelle gesagt sein, dass es die meisten Personen und ihre Leben so wirklich gab, vieles aber auch fiktiv ist. Das Buch hat nicht den Anspruch, eine Biografie zu sein.

In unserer heutigen Zeit ist die Kindheit Julians und Quentins nicht die Norm, aber akzeptierter als sie im letzten Jahrhundert war. Ich finde es faszinierend über das Leben dieser Personen zu lesen und ihnen zu folgen, während sie sich alle weiterentwickelten. Umso spannender ist dies natürlich, da es auf wahren Begebenheiten beruht. Ich bewundere den Mut von Vanessa Bell und ihrer Familie, mit den damals gängigen Konventionen zu brechen.

 

Das Buch hat für mich unheimlich viele Facetten. Es geht um Freundschaft, Familie, Liebe, Kunst, Politik, Geschichte und das Erwachsenwerden. Oft war die Atmosphäre ernst, aber auch genauso oft wurden humorvolle Anekdoten eingebracht, die ich sehr kreativ und lustig fand. Quentin ist der Autor des Buches und es wird aus seiner Sicht erzählt. Ich finde ihn extrem sympathisch, weil er mit den Problemen kämpft, mit denen sich jeder schon auseinandersetzen musste. Gleichzeitig ist er intelligent, gutherzig und witzig.

 

„Brüder für immer“ ist ein außergewöhnlicher Roman. Während er die geschichtlichen Entwicklung der damaligen Zeit widerspiegelt, beschreibt er gleichzeitig das Leben einer Gruppe von berühmten unkonventionellen Persönlichkeiten. Das geschieht auf eine so einnehmende Art, dass ich mich für diese Menschen interessierte und ihre Leben zu recherchieren anfing. Es handelt sich um einen historischen Roman, der aber auch aufgrund seiner menschlichen Interaktionen sehr mitreißend ist. Ich kann dieses Buch allen Lesern ab 12 Jahren nur empfehlen und vergebe absolut verdiente 5 Sterne.

 

Lidan Chai (20) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Historie