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Butter von Lange, Erin Jade, Jugendbücher, Aus dem Leben, Problemthemen

Butter

Lange, Erin Jade

Übersetzung: Gutzschhahn, Uwe-Michael

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Rowohlt

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783499212444

Inhalt

Der 16-jährige Außenseiter «BUTTER» will in die Geschichte eingehen: Er wird sich im Internet live zu Tode essen. Und jeder, der will, kann dabei zusehen. Als Butter den Entschluss auf seiner Homepage ankündigt, erwartet er Entrüstung oder Mitleid. Aber das Gegenteil passiert: Alle sind von Butters Plan begeistert und feiern ihn wie einen Helden. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Wie absurd – denn Silvester rückt immer näher, und es scheint, als gäbe es kein Zurück mehr ...

Bewertung

Stell dir vor, du wiegst 423 Pfund und bist trotzdem unsichtbar. Deine Mutter betuttelt dich mit deinen 17 Jahren noch und verwöhnt ihr „Baby“ mit allerlei Gefälligkeiten – und dein Vater hat seit Jahren kein Wort mehr mit dir gesprochen, weil er maßlos von dir enttäuscht ist. Mit dem Mädchen deiner Träume hast du nur Kontakt, wenn du dich im Internet als jemand Anders ausgibst und alle anderen kennen dich nur, weil es einen Haufen Gerüchte um dich gibt. Was würdest du tun, um allen endlich zu zeigen, wer du wirklich bist?

 

‚Butter‘ wäre ein normaler Highschoolschüler mit Talent für das Saxophonspiel, doch wegen seines Übergewichts wird er von den meisten gemieden und ignoriert. Aus Trotz isst er seinen Frust und seine Verzweiflung in sich hinein. Ein Satz, der seine emotionale Teufelsspirale sehr gut beschreibt, ist dieser: „Ich hatte zwar keinen Hunger mehr. Aber ich war weit davon entfernt, voll zu sein. Irgendwie fühlte ich mich mit jedem Bissen leerer.“ Es kommt soweit, dass er daran denkt, seinem Leben ein Ende zu setzen - aber das spektakulär, um endlich wahrgenommen zu werden. Er stellt seinen beängstigenden Selbstmordplan, sich vor der Kamera zu Tode zu essen, ins Internet und bekommt schnell die Aufmerksamkeit, die er sich nicht hätte träumen lassen. Eine absurde Faszination geht plötzlich von ihm aus und auf einmal ist er ‚beliebt‘. Angetrieben von diesem rauschenden Interesse, das er jetzt bekommt, begibt er sich auf eine unausweichliche Fahrt zu seiner Henkersmahlzeit. Denn nur so lange seine Selbstmorddrohung authentisch wirkt, wird er von seinen Mitschülern gefeiert.

 

„Butter“ ist ein heftiger Jugendroman von Erin Jade Lange, dessen Geschichte mir nicht so schnell wieder aus dem Kopf ging. Die Stärke hat er in der Darstellung des Gruppenzwanges und der Sehnsucht, dazuzugehören – nicht unbedingt in der Darstellung der Probleme, die ein Mensch mit Übergewicht hat. Der Roman zeigt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von dicken Menschen nur dann auftritt, wenn sich um ihr Leben ein Drama ausbreitet. Sie werden meist auf ihr Gewicht reduziert . Andere Qualitäten, wie in Butters Fall das Saxophon-Spiel, das nur sein Lehrer und dessen Bandkollegen würdigen, werden schnell übersehen. Die Ich-Perspektive erzählt leicht verständlich und mit jugendlicher Stimme von Butters Gedanken, was sich recht schnell und flüssig liest.

Die Kapitellängen sind übersichtlich und so hatte ich als Leserin immer Zeit, nach den krassen Geschehnissen, die dem Protagonisten widerfahren, eine kurze Pause einzulegen. Der Roman arbeitet mit vielen Handlungen und dennoch hatte ich das Gefühl, dass die Figuren doch an manchen Stellen zu kurz kamen. Butter selbst ist als Betroffener wenig sympathisch dargestellt, was ich schade fand. Erin Jade Lange ist es nicht immer gelungen, Butter authentisch wirken zu lassen, weshalb man stellenweise herausliest, dass gerade in Bezug auf das Übergewicht wahrscheinlich keine eigene Erfahrung mit eingeflossen ist. Und so ist Butter der witzige, zynische Dicke, der es auch nicht sein lassen kann, über ‚zu dünne Menschen‘ zu lästern.

Was mir auch fehlte, war Butters Vergangenheit: Seine Geschichte beginnt in der Gegenwart, wenn er schon lebensbedrohlich übergewichtig ist und bereits Diabetes Typ 2 hat. Er ist bereits im Teufelskreis aus Frust und Essen gefangen. Doch die Geschichte geht nicht weiter zurück, sie zeigt keine Ursachen, keine früheren, traumatischen Momente. Man erfährt nicht, wann das Frustessen zum Ventil wurde. Die meisten Nebenfiguren sind auch recht einfach gehalten, sogar stereotypisch. Bis auf Anna, die als einzige neben Butter eine Entwicklung durchmacht.

Der Roman hat einen guten Ansatz, hätte aber mehr emotionale Tiefe und Reflexion vertragen können. Für alle, die die Essenz einer Essstörung erforschen wollen, gibt das Buch keine tieferen Einblicke. Und dennoch ist es empfehlenswert für jene, die von Selbstläufern fasziniert sind. Jugendlichen ab 14 Jahren lege ich die Geschichte ans Herz und auch Erwachsenen, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Von mir gibt es 3 Sterne.

 

Beatrice Buchholz  (24) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Problemthemen