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Cordoba von Lewin, Waldtraut, Jugendbücher, Historie, Historie, Liebe

Cordoba

Lewin, Waldtraut

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Gerstenberg

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783836954587

Inhalt

Spanien, irgendwann im 16. oder 17. Jahrhundert. Überall im Land flüchten Conversos, «Neuchristen», vor dem blinden Hass ihrer Mitbürger. Nur in Cordoba regieren noch Vernunft und Toleranz - hier herrscht Marias Vater, ein Mann des Ausgleichs. Unter den Schutz des Bürgermeisters gestellt finden Flüchtlinge aus ganz Spanien Zuflucht in der Stadt.

Doch der Frieden ist trügerisch. Der neue Bischof wiegelt mit Hasspredigten die Bevölkerung auf und holt die Inquisition in die Stadt. Als Marias Vater stirbt, ist die Stadt der Kirchenmacht ausgeliefert. Die Situation eskaliert, als Marias beste Freundin während der Prozession zu Ehren des heiligen Jakob ein Glas Limonade über den Mantel der Marien-Statue verschüttet - Gotteslästerung wirft die aufgebrachte Menge ihr vor. Reina und ihre Familie schweben in Lebensgefahr - und damit auch Diego, der Mann, in den Maria sich unsterblich verliebt.

Bewertung

Cordoba ist die letzte spanische Stadt, die Andersgläubigen Schutz bietet und sich gegen die heilige Inquisition wehrt. Doch auch hier ist der Großteil der Bevölkerung in Aufbruchsstimmung und lediglich Maria und ihr Vater, der Alkalde der Stadt, geben alles daran, Toleranz und Nächstenliebe walten zu lassen, doch die Lage spitzt sich zu, als die Flüchtlinge von einem hasspredigenden Bischof bedroht werden und auf der große Santiagoprozession ein Unglück auf das nächste folgt.

 

Das Cover sowie Titel des Romans haben mich zu Beginn sehr angesprochen, da die Stadt Cordoba, die ich selbst auch schon einmal besuchen durfte, in der Tat eine große historische Relevanz innehat, vor allem was das Zusammenleben von Kulturen und Religionen, von Judentum, Islam und Christentum, betrifft. Jedoch stellte sich die eigentliche Geschichte für mich persönlich eher als Enttäuschung heraus.

Die simpel erzählte Liebesgeschichte mit Verfolgungsjagden und dramatischen Toden ist nicht sehr anspruchsvoll und daher eigentlich auch für jüngere Leser geeignet. Die politische Botschaft, die dahintersteckt, richtet sich jedoch mit seinem Aktualitätsbezug kaum an 12-Jährige, sondern viel eher an Erwachsene, die unser momentanes politisches Geschehen mitverfolgen.

Die Autorin vergleicht die damalige Lage der „Neuchristen“, die vor dem Hass ihrer Mitbürger fliehen mit der aktuellen Flüchtlingspolitik und so ist das ganze Buch eigentlich mehr eine Parabel und ein Negativbeispiel, um dem Leser zu zeigen, wie es eigentlich nicht laufen sollte. Ich persönlich finde den Ansatz gut, aktuelles Zeitgeschehen in ein Buch, das ganz klar in der Vergangenheit spielt, zu integrieren, jedoch sollte hier das Niveau von Schreibstil, Handlung und Botschaft auf einer Ebene sein und nicht derart stark voneinander abweichen. Meiner Meinung nach ist außerdem dieser Vergleich etwas zu pauschalisierend und zu einfach gedacht. Die Autorin hätte sich vielleicht lieber entscheiden sollen, ob sie eine nette Geschichte für junge Leser schreibt oder eine anspruchsvollere Handlung, passend zu ihrer Botschaft erzählt, die an junge Erwachsene gerichtet ist.

 

Aufgrund der Differenzen zwischen Schreibstil und Handlung des Buches und der eigentlichen Botschaft muss ich persönlich leider sagen, dass mich das Buch nicht so sehr überzeugt hat. Am ehesten empfehle ich es jungen Lesern ab 12 Jahren, für die die Handlung und nicht die Botschaft des Buches im Fokus stehen. Ich vergebe 3 Sterne.

 

Rebekka Mattes (16) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Historie, Liebe