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Das Buch ohne Bilder von Novak, B.J., Kinderbücher, Vorlesen, Humor

Das Buch ohne Bilder

Novak, B.J.

Übersetzung: Delossa, Oskar M.

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Blanvalet

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783764505561

Inhalt

Sie werden sicher denken, dass ein Buch ohne Bilder langweilig und sehr ernst ist. Außer ... wenn das Buch so funktioniert: Alles, was in diesem Buch steht, MUSS vorgelesen werden. Selbst wenn da steht: BLORK oder BLuuRF. Selbst wenn es sich um ein absurdes Lied handelt, das davon erzählt, wie Sie einen Floh zum Frühstück verspeisen. Selbst wenn dieses Buch Sie dazu bringt, komische und peinliche Geräusche zu machen. Und vor allem – wenn Sie und Ihre Kinder nicht mehr aufhören können zu lachen!

Mit CD - gelesen von Adnan Maral.

Bewertung

Ein Buch ohne Bilder. Ein Buch, das Erwachsene dazu bringt, peinliche Sätze vorzulesen, mit Emphase seltsame Geräusche abzusondern, blödsinnige Lieder vorzusingen und sich dabei ganz und gar zum Affen zu machen? Das soll funktionieren?

Wer viel mit Kindern zu tun hat, ahnt es bereits: es funktioniert bestens! Warum? Weil sich hier Leser und Vorleser ganz auf Augenhöhe oder zuweilen gar in umgekehrter Hierarchie begegnen, was allseits befreiend wirkt und zum gemeinsamen Herumalbern animiert. Ein anderes Cover als jenes in Schwarz und Weiß, bei dem den Buchstaben im Titel überdimensional viel Raum gegeben wird, ist aus nachfolgenden Gründen nur schwer vorstel

lbar. Das aus typografischer Sicht hervorragend gestaltete Vorsatzpapier präsentiert überwiegend graugetönten Buchstaben-Wort-Salat mit wenigen roten Einwürfen wie „mäh“, „haa!!“ oder „boARrr“ und einem einzelnen blauen „boOOom“ als Dip, deren Sinn-Freiheit beinahe befreiend anmutet. Den größten und wichtigsten Platz im Buch nehmen dessen Leerstellen in Form von gänzlich weißen Seiten oder Abschnitten ein. Erste Doppelseite: überwiegend weiß, nur rechts oben der Satz: „Das ist ein Buch ohne Bilder.“ Punkt. Zeit zum Darüber-Sinnieren während des Umblätterns. Zweite Doppelseite: viel Freiraum, ein Satz … Dritte Doppelseite: viel Freiraum, ein Satz, der Beginn eines Einwurfs im Sinne eines vorweggenommenen, zum Betrachtungsgegenstand gewordenen inneren Monologs des Vorlesers. In diesem Sinn oder Unsinn geht es fortan weiter. Viel Freiraum, wenige Sätze, Ein-Wort-Sätze, sinnarme oder sinnentleerte Worte in Riesenlettern , die an Comicsprache erinnern und mit Variationen von Groß-und Kleinschreibung spielen wie „BLORK.“ oder BLuuRF“. Jedes noch so drängende -und zwangsläufig zunehmend sich aufdrängende- Barmen seitens des Vorlesers, ob denn das nun wirklich alles vorgelesen werden muss, wird mit einem erstaunlichen Dreh seitens des Buches als höhere Instanz erbarmungslos abgeschmettert und damit der Zuhörer als quasi Verbündeter des Buches auf dessen Seite gezogen.

 

Wer sich auf das Vorleseexperiment mit diesem Buch einlässt ( …wir haben es mit großem Spaß getestet!), wird fasziniert sein von der eigenwilligen, beiderseits Lachsalven auslösenden Dynamik, welche sich zwischen Vorleser und Zuhörer(n) entwickelt. Das kann tatsächlich nur unzureichend beschrieben, sondern muss buchstäblich erlebt und verinnerlicht werden. Mit der dem Buch beiliegenden CD, mit großem Einsatz gelesen von Adnan Miral, kann sich der Vorleser bestens auf seinen Einsatz als Komödiant und Entertainer vorbereiten.

 

Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Humor