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Das Mädchen mit dem Stahlkorsett von Cross, Kady, Jugendbücher, Abenteuer, Abenteuer

Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

Cross, Kady

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Heyne

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783453267404

Inhalt

In London kreuzen Luftschiffe am Himmel, dampfbetriebene Automaten erledigen die niederen Arbeiten, und von jungen Mädchen wird vor allem eines erwartet – anständig sein und hübsch aussehen. Mit Letzterem kann sie durchaus dienen, aber mit der Sittsamkeit hapert es bei Finley Jayne gewaltig, denn sie ist übermenschlich stark, und wenn ihr Temperament mit ihr durchgeht, kann es für ihre Kontrahenten schon mal böse enden. Als sie deshalb ihre Anstellung im noblen Haushalt der Familie August-Raynes verliert, scheint Finleys Schicksal besiegelt. Aber dann begegnet sie dem jungen Adligen Griffin, der gemeinsam mit seinen Freunden die wunderlichsten Experimente veranstaltet. Und Finley passt perfekt in die bunt gemischte Truppe, denn Griffin und seine Freunde haben ebenfalls übernatürliche Fähigkeiten, die sie im Kampf gegen das Böse auf den Straßen Londons einsetzen. Doch Finley trägt eine dunkle Seite in sich, und obwohl Griffin zarte Gefühle in ihr erweckt, fühlt sie sich auch zu dem zwielichtigen Gangster Jack Dandy hingezogen. Als Griffin und seine Freunde einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommen, die nicht nur Königin Victoria, sondern das ganze Empire bedroht, muss Finley sich entscheiden ...

Bewertung

"Auf wackligen Beinen ging Finley zu ihr und nahm die kleinere Frau in die Arme. Es war ihr egal, ob Griffin oder seine gemeine Tante ihre Tränen sahen. Wenn es überhaupt etwas gab, über das man weinen durfte, dann war es die Erkenntnis, dass der eigene Vater einen in ein Ungeheuer verwandelt hatte."

Finley Jayne ist kein normales Mädchen. Ganz im Gegenteil: In ihr ist etwas Dunkles, das immer zum Tageslicht kommt, wenn Finley Hilfe braucht. Dann ist Finley wie verändert, sie ist stark wie sonst niemand, und wendet ohne zu zögern Gewalt an, obwohl das ihr anderes Ich nie tun würde. Natürlich hat sie es daher schwer, eine Anstellung zu finden, und sie auch auf Dauer zu behalten. Und tatsächlich, als der Sohn der reichen Familie, in der sie arbeitet, ihr unangemessene Avancen macht, schlägt sie ihn nieder und flieht, ohne zu wissen, wie ihre Zukunft aussieht. Doch wie es der Zufall will, stößt sie mit Griffin King zusammen, einem der reichsten jungen Männer Englands, der aber genau wie Finley einige Geheimnisse hat. Er nimmt sie mit zu sich, und durch ihn lernt Finley Menschen kennen, die ebenfalls anders und nicht ganz normal sind. Und bald wird sie hineingezogen in ein Abenteuer, gefährlich und doch aufregend, sie und Griffin kommen sich langsam näher – und was vielleicht am wichtigsten ist: Sie lernt endlich etwas über sich selbst und ihre Gabe/ihren Fluch.
Finley lebt im London des Jahrs 1897 – doch es ist nicht das 1897, wie wir es erwarten würden. Es ist eine alternative Welt, in der die Technik weit vorangeschritten ist, es unglaubliche Erfindungen und erstaunliche Entdeckungen gibt und die Leute dennoch so leben und sich kleiden, wie man es vom 19. Jahrhundert gewöhnt ist.
Es handelt sich um einen Steampunkroman, meinen ersten, um genau zu sein. Vielleicht ist das ja der Grund, warum ich nicht so in die Geschichte hineinfinden konnte, obwohl ich neuen Welten eigentlich immer sehr aufgeschlossen bin. Denn ich muss leider sagen, dass ich etwas enttäuscht bin. Ich hatte einen spannenden Roman erwartet, wo Finley von einem Abenteuer ins nächste stürzt und sich auf dem Weg dahin noch verliebt. Die Cover – sowohl das original englische als auch das deutsche – haben mich neugierig gemacht und ich habe mich sehr auf das Buch gefreut.
Im Endeffekt konnte ich mich einfach nicht in die Geschichte hineinversetzen, und habe mich oft eher über den Stil geärgert als die Geschichte gefesselt zu verfolgen. Ein Beispiel: In einem Kapitel beschreibt die Autorin einen Freund von Griffin gleich mehrmals als "großen Kerl": "Mit seinem breiten Schultern füllte der große Kerl den Türrahmen fast aus (S.24) [...] murmelte der große Kerl. (S.27)."
Ich wusste schon beim ersten Mal, dass er groß ist, und mir hätte es besser gefallen, wenn man einfach "Sam sagte..." geschrieben hätte. So was ist mir oft aufgefallen, und normalerweise stört es mich nicht allzu sehr, doch hier trug es einen sehr negativen Beigeschmack mit sich. Wie oben gesagt, habe ich eine spannende Story erwartet, doch ich fand es oft einfach nur langweilig. Erst zum Ende hin bekommt der Leser dann das, was ihm versprochen wurde: Eine Verschwörung wird aufgedeckt, die grausame Folgen für die Welt haben könnte. Die Geschichte nimmt Fahrt auf und es wird plötzlich doch noch interessant. Natürlich gab es auch positive Aspekte bei diesem Roman. Er hat durchaus seine lustigen Stellen, zum Beispiel wenn die Hauptpersonen plötzlich im Wohnzimmer der Queen stehen, da konnte ich nicht anders als schmunzeln. Und es war auch interessant, wie einem in einer Zeit, die man glaubt zu kennen, plötzlich einige aberwitzige Erfindungen begegnen, von denen man selbst heute nur träumen kann. Andere Gegenstände dagegen kamen einem verdächtig bekannt vor, obwohl ich mir sicher bin, dass sie erst im 20. Jahrhundert erfunden worden sind. Ich hätte mich jedoch gefreut, ein wenig mehr über die Entstehung dieser Dinge zu erfahren, stattdessen wurden sie einfach wie selbstverständlich erwähnt, was ich etwas schade fand. Ein erfahrener Steampunk-Leser stört sich vielleicht nicht daran, aber Anfänger wie ich fühlen sich doch etwas ins kalte Wasser geworfen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe nicht die Story bekommen, die ich erwartet habe, und gebe diesem Buch daher 3 Sterne, da es sicherlich nicht das schlechteste Buch ist, das ich bisher gelesen habe, und die Idee an sich mal etwas Neues ist. Leider hat die Autorin es für mich nicht geschafft, dieses Potenzial zu verwerten.
Eva Hanicke (17 Jahre) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de



London: Finley Jayne ist nicht gerne Dienstmädchen, doch nachdem sie ihre letzten Anstellungen wegen unvermeidbarer Vorfälle verloren hat, ist ihre hiesige Arbeitsstelle nun eine ihrer letzten Chancen. Auch der Sohn ihres Hausherren hat sie bisher nicht belästigt, obwohl ihm ein gewalttätiger Ruf anhaftet. Doch dann bedrängt er sie eines Abends und Finley möchte es wirklich nicht tun, doch sie muss sich wehren und dann erwacht eine dunkle Seite in ihr. Eine Seite, die sie nicht mehr kontrollieren kann, die sie gleichzeitig aber auch vor Situationen wie diesen schützt. Voller Angst flieht sie in die Nacht hinaus, nichts ahnend, was das Schicksal von nun an für sie bereithalten wird ...
Dieses Buch hat sicherlich einige Makel und insgesamt würde ich es vordergründig auch für eine jüngere Leserschaft ansiedeln, aber es besaß Feuer und das hat mir gefallen. Anfangs war ich skeptisch. So skeptisch, dass ich es zunächst zur Seite legte, weil noch so viele andere schöne Bücher auf mich warteten. Als ich es unterbrochen hatte, geschah das nicht, weil es so schlimm und quälend gewesen wäre. Ich bin froh, dass ich "Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" gelesen habe, denn es hat auf beeindruckend leichte Art und Weise eine sehr ernste Thematik angesprochen. Und zwar die Maschinen. Was bedeutet es für intelligente Maschinen zwischen Menschen zu existieren?- Glauben sie irgendwann, sie seien menschlich, sind sie das am Ende nicht sogar? Es gab bestimmt schon einige Bücher und Filme darüber und auch schon Descartes hat eine Trennlinie zwischen Maschinen und Menschen gezogen, doch zu Descartes Lebzeiten war die Technik lange nicht so weit fortgeschritten wie heute.
Kady Cross beweist in ihrem Buch wirkliches Fingerspitzengefühl, wenn es darum geht ihren LeserInnen verschiedene Standpunkte anzubieten und aus einem Topf von Konflikttypen zu wählen.
Wen das alles nicht interessierte, konnte diese Thematik getrost ignorieren und stattdessen den romantischen Gefühlen in "Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" lauschen.
Manchmal war mir zwar nicht sonderlich klar, warum Kady Cross eine lichte und eine dunkle Seite in Sachen Liebesbeziehungen einbrachte, aber die Ausarbeitung gefiel mir so gut, dass ich inzwischen darauf pfeife. Genauso wie auf die Kontraste zwischen Naivität, Leichtigkeit, Scharfsinn und kleinen Holprigkeiten.
Die Protagonistin Finley hat mit ihren ganz eigenem inneren Dämon zu kämpfen und auch diese innerliche Zerrissenheit brachte einerseits Spannung in mein Lesevergnügen und andererseits viel Abwechslung. Stichwort: Multiple Persönlichkeiten.
Einiges mag nicht komplett wasserdicht sein, was mich in dieser Geschichte gar nicht störte, denn das Lesen war mir die reinste Freude und ich habe mich mit den Figuren und Entwicklungen identifizieren können. Schön zu beobachten waren einfach die verschiedenen Blickwinkel, die Kady Cross anreißt und in einer möglichen Fortsetzung vielleicht noch näher erläutert. Mich interessiert die Thematik zwischen Forschung und wie weit ein Mensch gehen darf oder überhaupt sollte, sehr.
Vielleicht hätte sich die Autorin die Anspielung auf Frida Kahlo im Titel vermeiden sollen, denn das mag überhaupt nicht mit dem Inhalt zusammenpassen und auch das Cover spricht mich nicht besonders an, ansonsten aber ein skurriles und wahnwitziges Abenteuer, das viele verschlungene Pfade fährt und wärmstens weiterzuempfehlen ist! 4 Sterne. Charlene Sander (18) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

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