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Das Regenmädchen von Lindemann, Johanna, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Anders sein

Das Regenmädchen

Lindemann, Johanna / Göpfert, Lucie

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Pattloch

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783629141514

Inhalt

Das kleine Regenmädchen ist traurig, sehr traurig sogar. Und es hilft ihr auch nicht, wenn die Eltern aufmunternd lächeln oder die Nachbarn sie zum Fröhlichsein auffordern. Aber durch eine überraschende Einladung wird das Regenmädchen zu einer kleinen Heldin und sie kann wieder lachen.

Bewertung

Das Regenmädchen ist tief traurig. Eine Regenwolke über ihrem Kopf ist ihr ständiger Begleiter. Es symbolisiert ihren Gemütszustand. Die Regenwolke stört das Mädchen nicht. Lediglich ihre Nachbarn machen sich Sorgen. Als sie versucht ein Lächeln aufzusetzen, fängt es nur zu donnern und zu blitzen an.
Eines Tages bekommt sie einen Brief aus Afrika. Der Staatspräsident lädt das Regenmädchen zu sich ein und hofft somit auf ein bisschen Regen für sein Land. Das Regenmädchen folgt prompt dieser Einladung und muss feststellen, dass eine Regenwolke auch etwas Gutes bewirken kann.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die Traurigkeit eines Mädchens, dessen Ursprung wir als Leser nie erfahren. In diesem Bilderbuch werden die Symptome einer kindlichen Depression einfühlsam geschildert. Sie bekommt gut gemeinte Ratschläge von ihren Nachbarn, die eigentlich als Kritik an der Gesellschaft aufzufassen sind. Die Nachbarn raten dem Mädchen das Weinen einzustellen, damit ihre Tränen nicht in ihren Garten tropfen. Leider geht es ihnen weniger um das traurige Mädchen selbst, sondern eher um ihr eigenes Wohlergehen.
Das Mädchen bemüht sich ein Lächeln aufzusetzen, aber es gelingt ihr nicht, ihre Traurigkeit zu überwinden. Erst als ihre Traurigkeit in einem fremden Land als etwas Positives und Erfreuliches wertgeschätzt wird, kann das Regenmädchen nun doch lachen. Dieses Bilderbuch vermittelt Kindern auf ansprechende Weise, dass Traurigkeit zum Leben dazugehört. Sie jedoch auch überwunden werden kann. Hier ist es vor allem die Zeit, die etwas vom Kummer mit sich nimmt und das Gefühl des “Gebrauchtwerdens”.
Die Atmosphäre prägenden Grundfarben Göpferts fangen die Gefühlslage des Regenmädchens entzückend ein. Die Typographie, die eine kindliche Handschrift imitiert und die selbst gemalten Linienstriche, verdeutlichen die innere Zerrissenheit des Mädchens. Auf allen Bild- und Textebenen arbeitet Das Regenmädchen mit der Verschränkung von an der Oberfläche liegenden Ereignissen mit dem in der Tiefenstruktur verarbeiteten Erleben. Der Leser wird mit einer komplexen Gefühlsbalance konfrontiert und erlebt die Entwicklung einer Kompensierung.
Viktoria Gerber :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein