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Das Riesenfest von Bolliger, Max, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Anders sein , Natur & Tierwelt

Das Riesenfest

Bolliger, Max / Palmtag, Nele

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Atlantis

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783715206912

Inhalt

Im Lande der Riesen gibt es große und kleine Riesen. Wie jedes Kind will der kleine unbedingt mit zum Riesenfest. Also machen sie sich auf den Weg, der Große mit großen Schritten, der Kleine mit kleinen Schritten. Beim Fest wird der König gewählt: Sieger ist, wer das größte Teil verschlingt – mit einem Bissen! Die Großen trumpfen auf, der kleine Riese aber sagt, er esse einen ganzen Apfelbaum. Dabei schluckt er einen Apfelkern. Einen zweiten Kern steckt er in die Erde. Die Riesen lachen ihn aus. Im folgenden Jahr aber ist ein kleiner Apfelbaum gewachsen. Tief beeindruckt wählen die großen Riesen den kleinen zum König – nicht nur für einen Tag, sondern für ein ganzes Jahr.

Bewertung

Über die „Wahre Größe“

„Das Riesenfest“ mit den Texten von Max Bollinger, neu illustriert von Nele Palmtag ist im März 2015 neu erschienen beim Atlantis Verlag. Auf 32 gebundenen Seiten im Format 21,5 x 31,5 cm bietet das Bilderbuch die Neuauflage des Kinderbuch-Klassikers von 1975 für die Zielgruppe der 4-6 Jährigen.

Das Fabel-Remake entführt den kleinen Leser in das Land der Riesen. Das Fest der Riesen steht bevor und der kleine Riese möchte UNBEDINGT mit zum Festplatz. Mit vielen kleinen Schritten folgt der kleine Riese mühsam den großen Sprüngen des Großen. Gerade noch rechtzeitig zum Wettbewerb der Großen um die Titel des Königs der Riesen erreichen die beiden den Festplatz. Anfänglicher Resignation des kleinen Riesen zum Trotz stellt auch er sich dem Wettbewerb. Aber erst im nächsten Jahr beeindruckt der zunächst als „Aufschneider“ verhöhnte Kleine die Großen nachhaltig.

 

Bollingers Werk berichtet vom Nicht-Aufgeben, von der Arbeit am „ernst genommen werden" und über die Macht der Intelligenz. Wahre Größe ist eben nicht an Körpermaßen auszumachen! Autor Max Bolliger, 1929-2013, war vielfach ausgezeichneter Kinderbuchautor und Professor für Jugendliteratur in der Schweiz. Aufbau der Geschichte, Sprache, Wortwahl, Schreibstil und Angebote dieses Klassikers an den Leser lasse ich deshalb in meiner Wertung völlig aussen vor. Wissenschaftlich profunde Erkenntnisse werde ich nicht in Frage stellen und stütze meine Wertung auf die Neu-Illustration des Werkes.

 

Winziger Riese behauptet sich im Fabelwald

Die bereits mehrfach von verschiedenen Illustratoren umgesetzte Geschichte interpretiert Nele Palmtag überzeugend neu. Sie erhält bei ihrem Fabel-Remake die Anmutung des Klassikers aufrecht. Das Umschlagdesign gibt die Farbharmonie für das Buch vor, die durchgehend erhalten bleibt - egal ob vor hellem oder finsterem Hintergrund. Die Zeichnungen scheinen von grobem Strich geprägt. Sie sind - obwohl z.T. großflächig - dennoch detailreich. Die Figuren zeigen feine Mimik und vielseitige, mit der Stimmung schwankende Körpersprache.

Der Satz ist flüssig, gut in die Gestaltung integriert und stets mühelos lesbar. Die Geschichte der beiden Riesen ist bildlich wie textlich gegenübergestellt. Text und Bild werden erst beim Fest zur Gruppe. Beim Wettbewerb der Riesen entsteht die Konfrontation: der Kleine sieht sich hier einer gespenstischen Gruppe gegenüber. Aufälliges Detail der Illustration ist der Fuchs: Er gesellt sich in der Mittagshitze im Wald zum kleinen Riesen und solidarisiert sich bildlich eindrucksvoll dargestellt mit ihm am Bildrand. Erst als König steht der Kleine im Zentrum des Bildes oder der Gruppe und in der Mitte der Krone des Baumes, der aus ihm erwachsen zu sein scheint. Interessant, dass die Künstlerin ihrer Mutter „als kleine Riesin“ dieses Buch widmet, wo die Assoziation des Helden mit einem heranwachsenden Kind viel näher liegt. Mut, Durchsetzungsstarke und Hartnäckigkeit im Leben neben den Großen werden durch Palmtags Illustration charmant verkörpert. Nicht der „Aufschneider“ sondern der Kluge wird zum König im Reich der Riesen!

 

Ich war gespannt, wie Hannah (noch 4) das Buch mit dem Charme der vergangenen Zeiten aufnimmt. Mit einer kompletten Verweigerungshaltung hab ich nicht gerechnet! Die finsteren Darstellungen, die Fratzen der Riesen-Gruppe haben sie verschreckt. Die Geschichte ist inhaltlich verstanden worden, aber der Charme des Mutes ist leider durch die gespenstischen Darstellungen nicht bis zu ihr vorgedrungen. Es bleibt abzuwarten, wann ihr Mut zurückkehrt und ihr ermöglicht, sich diesem toll umgesetzten Klassiker neu zu nähern. Ihr Kommentar: „Die Bäume (Beine/Fratzen der Riesen) sind soooooo gruselig! Alles ist so finster.“ Verglichen mit den gefällig bunten Darstellungen der Mainstream- Kinderbücher hat sie damit auch recht. Leuchtend-plakativ ist hier nichts. Die bewusst andere Darstellungsweise ist sicher prägend für kindlichen Kunstgeschmack. Vielleicht kann ich ihre Neugier auf diese (anderen) Stil noch wecken?


Anja Rosenau mit Hannah (4) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein , Natur & Tierwelt