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Das Schweigen in meinem Kopf von Hood, Kim, Jugendbücher, Aus dem Leben, Freundschaft

Das Schweigen in meinem Kopf

Hood, Kim

Übersetzung: Braun, Anne

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: cbj

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783570402375

Inhalt

Jo hat es nicht leicht: Sie ist allein mit ihrer psychisch kranken Mutter und auch in der Schule findet sie keinen Anschluss. Um den ständigen Hänseleien und dem Alleinsein zu entgehen, lässt sie sich auf ein Sozialprojekt ein: Freiwillig verbringt sie jede freie Stunde damit, dem 15-jährigen schwerbehinderten Chris Gesellschaft zu leisten. Und es ist komisch, aber gerade bei ihm kann sie sich öffnen, ihm von ihrem Kummer erzählen. Chris, der sonst auf wenig reagiert, scheint sie zu verstehen und ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den ungleichen Jugendlichen, die beide verändert und ihnen eine ganz neue Zukunft schenkt.

Bewertung

Jo ist 14 und geht in die achte Klasse der Middleschool. Was sich auf den ersten Blick so normal anhört ist es jedoch ganz und gar nicht. Denn Jo hat Zuhause eine psychisch kranke Mutter. Eine, die ohne ihre Medikamente ausrastet und von der kleinsten Ausnahme aus der Bahn geworfen wird. Und genau diese Mutter ist schuld daran, dass Jo, seit sie denken kann ein Außenseiter ohne Freunde ist. Denn schon an Jos erstem Schultag stand ihre Mutter schreiend in dem Klassenzimmer ihrer Tochter, als sie sah, dass es in allen Büchern um eine Mutter-Vater-Kind-Geschichte ging. Denn Jo hatte keinen Vater.

Auf der Middleschool hoffte sie ein neues Leben beginnen zu können, da sie fest daran glaubte, dass dort die meisten nicht über ihre familiären Verhältnisse wussten. Doch bevor sie sich nur mit einer Person anfreunden konnte, sprachen sich die Gerüchte über ihre psychisch kranke Mutter herum und sie stand wieder als Außenseiterin im Raum. Doch dann lernte sie Sarah kennen. Sarah, die nicht über sie zu wissen scheint, oder der es einfach egal ist, wer Jos Mutter ist. Sarah, die die erste Person seit langem ist, die sich mit Jo abgibt. Und Sarah, die Jo zu sich nach Hause einlädt. Jo weiß, dass sie dieses Angebot unmöglich annehmen kann. Denn wenn sie nach der Schule nicht wie gewöhnlich Zuhause erscheint, wird ihre Mutter völlig aus der Bahn geworfen. Doch dies ist der 14-jährigen zu diesem Zeitpunkt egal. Denn ihre Mutter hat ihr schon genug kaputt gemacht und die Freundschaft mit Sarah möchte sie unter keinen Umständen aufs Spiel setzen.

Jedoch bereut sie ihre Entscheidung bereits als sie abends nach Hause kommt. Denn ihre Mutter ist völlig verstört. Und nicht nur das: Nachts versucht sie sogar sich das Leben zu nehmen. Und an dieser Stelle bleibt Jo keine andere Möglichkeit, als den psychiatrischen Notdienst zu alarmieren und die Sozialarbeiterin ihrer Mutter zu informieren. Dies hat jedoch Folgen: ihre Mutter kommt in die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses und Jo landet auf drängen der Sozialarbeiterin bei der Schulpsychologin. Diese zappelt nicht lange und legt Jo einen Flyer vor, der sie dazu ermutigen soll, sich ehrenamtlich in der Mittagspause zu engagieren. Sie soll die Aufsicht für Chris übernehmen, einen Jungen mit Zerebralparese, frühkindlicher Hirnschädigung. Jo weiß nicht so recht, ob sie das Angebot annehmen soll. Doch als sie erfährt, dass nun auch Sarah ihr in den Rücken fällt, ist Chris ihre Außenseiterin ist. Doch Chris versteht mehr, als all seine Mitmenschen Vermuten. Und nicht nur das: Schon bald lernen Jo und Chris miteinander zu kommunizieren. Doch dies bringt für beide Seiten schwere Folgen mit sich. Denn wenn man sich nur mit Satzbruchstücken verständigt, dann es leicht zu schweren Missverständnissen kommen.

 

Kim Hood schreibt in „Das Schweigen in meinem Kopf“ über ein Mädchen, dass ihrem Mitmenschen alle Probleme abnehmen und diese dann lösen möchte. Denn Jo lebt ihr Leben zuerst für ihre Mutter und dann für den behinderten Chris.

Sehr einfühlsam schildert die Autorin die Gefühle der 14-Jährigen, ihre Methoden den Belastungen stand zu halten und ihre Art und Weise mit einem behinderten Jungen umzugehen. Dabei bleibt Hood immer sehr realistisch. In der Story kommt es sowohl zwischen Sarah und Jo als auch zwischen Chris und Jo zu schweren Missverständnissen, welche das Buch sehr fesselnd machen.

Das Cover zeigt auf blauem Hintergrund eine Buchstabensuppe und einen Löffel. Der Titel passt meiner Meinung nach sehr gut zum Buch, denn Chris ist psychisch ganz normal, hat jedoch physisch nicht die Mittel um sich mitteilen zu können. Das Buch umfasst ca. 280 Seiten, die in 29 Kapitel unterteilt sind.

 

Ich empfehle das Reality- Buch an Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene und vergebe 5 Sterne für ein Buch über die Freundschaft zwischen einem „normalen“ und einem behinderten Teenager, das zeigt, dass normal und nicht normal im Auge des Betrachters liegt.


Lisa Fehr (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Freundschaft