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Das Weihnachtskind von Lagercrantz, Rose, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Weihnachten

Das Weihnachtskind

Lagercrantz, Rose / Bauer, Jutta

Übersetzung: Kutsch, Angelika

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Moritz

Empfohlen ab: 5 Jahre

ISBN: 9783895653094

Inhalt

Diese Geschichte kennen wir alle: Die belegte Herberge in Bethlehem, der Engel am Himmel, die Hirten auf den Feldern, König Herodes, der Kindesmord. Aber hier lesen wir sie nicht in Luthers Worten, sondern so nacherzählt, dass die Sehnsucht der Menschen nach Frieden im Zentrum steht. Und wir lesen sie in dem Wissen, dass weiterhin Kriege geführt werden, immer wieder auch über die Frage, welcher Gott der richtige sei.

Bewertung

Dies ist eine Weihnachtsgeschichte, wie auch die Herdmanns sie verstanden hätten – vielleicht. Denn sie benutzt klare Worte und schönt nichts. Da gibt Maria dem Jesuskind die Brust und sie ist einfach schwanger, nichts da mit „Kind unterm Herzen“ oder was man sonst noch für Umschreibungen findet. Diese direkte und geradlinige Art macht auch dann nicht Halt, als der König Herodes alle Jungen, die jünger sind als zwei Jahre, in Jerusalem töten lässt. Auf Jutta Bauers wunderschönen, oftmals ganzseitigen Illustrationen sehen wir die Mütter um die toten Kinder trauen, die aufgereiht daliegen. Es ist kein Bild, das vor Blut starrt oder nach Horror schreit. Und doch ist er da ganz direkt und spürbar: Ein unbegreiflicher Schmerz ob dieser Grausamkeit.

 

Lagercrantz verbindet die Weihnachtsgeschichte mit dem Jetzt. Sie beschreibt, dass die große Hoffnung, die mit dem Kind verbunden war, Frieden hieß. Und dass sich diese Hoffnung leider nicht erfüllte. Dieser aktuelle Bezug ist es, der diese Geschichte so besonders macht.

Während der Titel „Das Weihnachtskind“ so unmittelbar zunächst an eine der niedlichen üblichen Weihnachtsgeschichten denken lässt, ist es eben doch ein ganz anderer Text, mit ganz anderen Illustrationen. Lagercrantz hatte beim Schreiben den Anspruch, ein Buch zu schaffen, das für die Kinder verschiedener Religionen zugänglich ist und um gegenseitiges Verständnis wirbt. Und so bleibt der Leser einerseits mit dem Gefühl zurück, dass es doch ein Jammer ist, dass die Idee vom Frieden sich nicht einfach durchgesetzt hat. Und doch bleibt da dieser kleine Keim der Hoffnung, diese Idee der friedlichen Weihnacht und des Miteinanders.

 

Der Spagat zwischen Nähe zum Original bei kindgerechter Umsetzung und religionsvermittelndem Anspruch ist Lagercrantz und Bauer so gut gelungen, wie es bei einem Text, der sich spezifisch mit nur einer Religion beschäftigt, eben gelingen kann. Eins machen sie aber mit jeder Zeile deutlich: Der Frieden wäre ein wunderbares Geschenk. Und wir sollten daran arbeiten, uns dieses Geschenk zu machen!

 

Fazit: Wer für sein Kind noch eine schöne Weihnachtsgeschichte sucht und keine Angst vor der Brutalität der Originalgeschichte hat, der ist hier sehr gut aufgehoben!

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Weihnachten