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Das verkaufte Glück von Mai, Manfred, Kinderbücher, Kinderliteratur, Historie

Das verkaufte Glück

Mai, Manfred

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Ravensburger

Empfohlen ab: 10 Jahre

ISBN: 9783473368693

Inhalt

Vom 16. bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war das „Schwabengehen“ eine kaum hinterfragte Praxis. Kinder aus den armen Alpenregionen wanderten ins wohlhabende Oberschwaben. Dort mussten sie von März bis Oktober auf den Bauernhöfen arbeiten. Manfred Mai erzählt historisch fundiert und zugleich einfühlsam von einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte. Und er greift Themen auf, die alle Kinder betreffen: Heimweh oder das Gefühl, fremd zu sein.
An einem Wintermorgen brechen Jacob und sein Bruder Kilian in einem Tiroler Dorf auf. Ihr Ziel ist der „Kindermarkt“ in Ravensburg. Vor ihnen liegt ein beschwerlicher Fußmarsch, unterwegs müssen sie um Essen und Unterkunft betteln. In Schwaben erwartet sie harte körperliche Arbeit, einige Kinder werden von den Bauern geschlagen. Obwohl Jakob gut behandelt wird, plagen ihn Heimweh und Müdigkeit. Er beginnt sich Fragen zu stellen: Warum sind wir arm und andere haben mehr als genug? Wieso geht es in der Welt nicht gerechter zu? Im Oktober darf Jakob wieder nach Hause zurückkehren. Doch die Zeit in der Fremde hat ihre Spuren hinterlassen.

Bewertung

Unter den Tiroler Bergbauern herrscht Armut und große Not. So geht es auch Jakobs Familie. Deshalb werden er, sein Bruder Kilian und andere Kinder aus ihrem Dorf in das reiche Schwabenland geschickt, um dort für die Familie ein bisschen Geld zu verdienen. Nach einem langen Marsch durch Schnee und eisigen Wind kommen sie in Schwaben an. Dort werden sie auf einem Kindermarkt an Bauern verkauft, um bei diesen zu arbeiten. Ob Kilian und Jakob wohl zu netten Bauern kommen...?
Die Geschichte der beiden Brüder ist zwar erfunden, aber in gewisser Weise trotzdem wahr. Schon vor 400 Jahren wurden die ersten Kinder nach Oberschwaben geschickt. Der Höhepunkt des sogenannten „Schwabengehens“ war allerdings erst im 19. Jahrhundert. Der Autor Manfred Mai schafft es, die historische Tatsache in eine fesselnde Erzählung zu packen, indem er sich zwei Brüder ausdenkt, die das Schicksal der Schwabenkinder porträtieren. Ich war so fasziniert von der Geschichte, dass es mir wirklich so ging, als ob ich die ganze Zeit als unsichtbarer Beobachter neben Jakob herlaufen würde.
Die Kinder wurden bei ihrer Reise über die Alpen von einem Erwachsenen begleitet, ohne den sie wahrscheinlich einige Hindernisse nicht hätten meistern können. Sie hätten wahrscheinlich auch nicht überlebt, wenn es nicht einige nette Menschen gegeben hätte, die den Kindern ein Nachtlager und warmes Essen zur Verfügung gestellt hätten. Zwei Drittel des Buches beschäftigen sich allerdings mit den Geschehnissen in Oberschwaben. Die meisten Kinder kamen zwar zu netten Bauern, aber es kam auch immer wieder vor, dass einige an Bauern gerieten, die sie schlugen, ihnen nicht genug zu essen gaben und sie ausbeuteten. Insgesamt blieben die Kinder bis zum Spätherbst zur Arbeit in Oberschwaben, bevor sie wieder in ihre Heimat zurück durften.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es mal ein ganz anderes Thema ist. Normalerweise bin ich mehr der Fantasy- und Action-Typ. Die Erzählung war sehr interessant und lehrreich. Ich habe zum Beispiel erfahren, dass der Preis für die Kinder je nach Alter und Stärke ausgehandelt wurde. Was allerdings immer bezahlt werden musste, war das doppelte „Häs“. Darunter verstand man damals einen (doppelten) Kleidungssatz von Kopf bis Fuß.
Ich gebe 5 Sterne, weil man viel über die damalige Zeit erfährt. Außerdem ist die Geschichte teilweise sogar recht witzig, obwohl es eigentlich überhaupt nicht witzig ist, dass Kinder verkauft wurden, weil die Eltern nicht genug Geld für die Familie hatten. Ich empfehle das Buch für geschichtlich interessierte Kinder. Meiner Meinung nach können sich aber auch andere für dieses Thema begeistern.
Raphael Mergehenn (10) :: Kinder-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Historie