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Der Anfang von Danach von Castle, Jennifer, Jugendbücher, Aus dem Leben, Tod & Trauer

Der Anfang von Danach

Castle, Jennifer

Übersetzung: Nölle, Karen

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783551582669

Inhalt

Als eines Abends ein Polizist bei Laurel vor der Tür steht, wird ihr Leben von einem Moment auf den anderen in zwei Teile gerissen: das Davor und das Danach. Denn ihre Familie wird von der kurzen Fahrt zur Eisdiele nie mehr zurückkehren, sie ist bei einem Unfall ums Leben gekommen.
Mit im Auto saßen auch die Eltern von David, nur er blieb wie Laurel verschont.
Die beiden versuchen auf ganz verschiedene Weise, zurück ins Leben zu finden. Laurel sieht sich in ihrer Trauer und Verzweiflung mit ganz banalen Problemen konfrontiert: Was tun mit den Jacken ihrer Eltern, die noch im Flur hängen? Was soll sie mit dem plötzlichen Interesse ihrer Mitschüler an der „Überlebenden“ anfangen? Und soll sie trotz allem zum Abschlussball gehen und versuchen, Spaß zu haben?
Langsam, ganz langsam, findet Laurel ihren Weg und lernt dabei auch den unnahbaren David immer besser kennen.

Bewertung

Laurels Eltern und ihr kleiner Bruder Toby sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nun macht sich Laurel Vorwürfe, dass sie diesen tragischen Verluste hätte verhindern können. Hätte Laurel ihre Hausaufgaben schon früher erledigt und wäre mit zu der Eisdiele gefahren, wären ihre Familie und Bekannte mit zwei Autos gefahren. Doch nun sind sie tot, Laurel steht zusammen mit ihrer Großmutter, ihrer einzigen noch lebenden Verwandten, vor der großen Last, die Trauer zu bewältigen und mit der noch immer spürbaren Präsenz von Laurels Familie in ihrem Haus zurechtzukommen. Doch erinnert nicht nur das von dem Vater liegen gelassene Kreuzworträtsel auf dem Wohnzimmertisch an Laurels Verlust, auch in ihrem Heimatstädtchen erinnert der Blick eines jeden Nachbarn, jede zusätzliche Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler an ihren neuen Status als Vollwaise. Der Einzige, der das traurige Schicksal mit Laurel und ihrer Großmutter teilt, ist David, dessen Mutter auch bei dem Autounfall ums Leben kam und dessen Vater, der das Auto steuerte, nun im Koma liegt. Laurel steckt mitten in einem Kreislauf aus Schuldgefühlen, Schuldzuweisungen, Ablenkung und Vergessen. Doch dieser Prozess des darüber Hinwegkommens, der Anfang von Danach, ist mühselig.
„Der Anfang von Danach“ ist kein Roman, der einen kalt lässt; besonders die Stelle, als Laurels Mutter in einer Rückblende dem noch kleinen Mädchen erzählt, ihre schlimmste Angst wäre es, zu sterben und ihre Kinder hinterlassen zu müssen, berührt. Die Vorstellung, seine Familie zu verlieren, von Schuldgefühlen geplagt zu sein und die Leere, die die verstorbenen Personen hinterlassen haben, ausfüllen zu müssen, ist zwar unvorstellbar, kann aber jeden treffen. Dieses realistische Szenario lässt jeden Leser umso mehr mit den Hinterbliebenen mitfühlen. Die Protagonisten gehen ganz unterschiedlich mit ihrem Verlust um. Laurel zieht sich zurück, möchte sich nur noch in ihrem Bett verstecken, fern von den mitfühlenden Blicken der Mitschüler, Lehrer und Nachbarn. Gleichzeitig möchte die ehrgeizige Schülerin jedoch auch so schnell wie möglich ihren Abschluss machen und geht deswegen bald wieder zur Schule und arbeitet sogar in einer Tierarztpraxis. Auch Laurels Großmutter Nana fällt es schwer, zuerst mit dem Tod ihres Mannes, jetzt mit dem Tod ihres einzigen Sohnes, ihrer Schwiegertochter und ihres einzigen Enkels umzugehen, doch da sie die einzige Verantwortliche für Laurel ist, muss sie so gut wie möglich ein standhaftes und starkes Vorbild für Laurel sein. David hält es zu Hause nicht mehr aus, er haut ab von allem, was ihn an seine Familie erinnert und fährt durch ganz Amerika, wobei es ihn aber gleichzeitig immer wieder zu Laurel und ihrer Großmutter zurückzieht.
„Der Anfang von Danach“ ist ein Portrait von drei Personen, die ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer umgehen, dies zwar nur aus der Sicht von einer Person, Laurel, verfasst, doch auch die Handlungen der anderen Personen sind sehr gut nachvollziehbar. Auf jeden Fall ein lesenswerter Roman für diejenigen Leser, die an der Verarbeitung von Trauer anderer Menschen interessiert sind; jedoch eher ein Roman für kühle, dunkle Tage. Ich empfehle den Roman ab 15 Jahren und vergebe 5 Sterne.
Miriam Thiel (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Tod & Trauer