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Der Gewitter-Ritter

Ein Wut- und Wetter-Bilderbuch

Lüftner, Kai / Muszynski, Eva

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Klett Kinderbuch

Empfohlen ab: 4 Jahre

ISBN: 9783954701216

Inhalt

Alle Eltern wissen es: Der Zornausbruch eines Kindes kann großes Welttheater sein. In diesem ausdrucksstarken Bilderbuch wird ein solcher Wutanfall als wilde Wetterballade inszeniert. Hauptperson: der Gewitter-Ritter! Er tobt sich stellvertretend für alle wütenden Kinder aus, setzt verschlingende Fluten in Gang, lässt alle Winde los und die Donnerschläge krachen. Sein Zorn ist überwältigend, umfassend und für immer! Bis er vorüber ist.

Während sich der Text in wortgewaltigen Reimen ganz auf den Gewitter-Ritter konzentriert, zeigen die Bilder noch eine zweite Ebene: Am unteren Bildrand durchlebt ein Kind alle Gefühle, die oben stellvertretend ausgetobt werden. Bis zum erlösenden Ende.

Bewertung

Manchmal kann es schwierig sein, die eigene Wut zu kontrollieren. Dann merkt man schon, wie sie ankommt und sich nicht aufhalten lässt. Wie sie über einen hinwegrollt, einen mitzieht und weitertost, bis schließlich alle Wut verraucht ist. Kai Lüftner und Eva Muszynski haben die Parallele zum Naturereignis Gewitter erkannt und wagen etwas Mutiges: Ein künstlerisches Buch mit mehreren Ebenen.

Auf der ersten Ebene sehen wir von Seite zu Seite dabei zu, wie der furchtbar bedrohliche und düstere Gewitterritter Blitze schleudert, tobt und dröhnt. Sprachgewaltig begleitet von einer Ballade aus Kai Lüftners Feder. Diese ist perfekt zum Vorlesen, auch wenn an manchen Ecken das Versmaß nicht hundertprozentig passt.

Die zweite Ebene kommt ohne Sprache aus. Sie zeigt einen kleinen Jungen. Ein kleiner Junge, der zunächst fröhlich ins Spiel vertieft ist. Und der dann immer wütender wird, der Stimmung des Gewitter-Ritters folgt und schließlich im Wutanfall explodiert.

Die Verknüpfung der beiden Ebenen setzt schon einiges an Abstraktionsvermögen bei den Kindern voraus. Jede für sich genommen sind sie jedoch wunderbar. Und nach mehrfachem Lesen dürften die Parallelen auch immer greifbarer für das Kind werden, verliert sogar das tosende und tobende der Sprache und der Grimm des Gewitter-Ritters seine monumentale Kraft und zurück bleibt die Schönheit der Bilder, der Sprache, des Gedichts.

 

Der Verlag empfiehlt „Der Gewitter-Ritter“ ab vier, gut möglich, dass das noch etwas früh ist. Lüftners und Muszynskis Buch ist sicher keines dieser Werke, die sich den Kindern direkt und quasi von selbst erschließen. Es lädt viel mehr zum gemeinsamen Sprechen über Wut, über Gewitter ein – und zum nochmal von vorne lesen. Auch wenn „Der Gewitter-Ritter“ kein einfaches Buch ist, ist es doch ein toller Einstieg für das Lesen von längeren Gedichten und kann durch den verschiedenen Stil der beiden Bildebenen sicherlich auch zum künstlerischen Gespür beitragen. Ein künstlerisches Bilderbuch, das seine Leser herausfordert. – Und das im besten Sinne.

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Kindliche Gefühlswelt, Sprachspaß