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Der Himmel über Jerusalem von Ambrosio, Gabriella, Jugendbücher, Aus dem Leben, Zeitgeschehen

Der Himmel über Jerusalem

Ambrosio, Gabriella

Übersetzung: Kopetzki, Annette

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Fischer

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783596854714

Inhalt

Das Buch beschreibt eindrucksvoll die letzten sieben Stunden im Leben der jungen Palästinenserin Dima und der Israelin Myriam. Dima wird als Selbstmordattentäterin eine Bombe in einem israelischen Einkaufszentrum zünden und dabei Myriam sowie einen israelischen Wachmann mit in den Tod reißen. Die italienische Journalistin Gabriella Ambrosio zeichnet ein gelungenes, vielschichtiges Porträt der komplexen Realität im Nahen Osten. Von der ständigen Angst, in der Palästinenser und Israelis gleichermaßen leben, von unversöhnlichem Hass einerseits und dem unbedingten Wunsch nach Frieden andererseits schreibt die Autorin in einer lakonischen und tief bewegenden Sprache.

Bewertung

Gabriella Ambrosios „Der Himmel über Jerusalem“ erzählt auf 115 Seiten die ergreifende Geschichte einer jungen Selbstmordattentäterin nach. Die Zeit bevor die Bombe explodiert wird aus verschiedenen Sichten geschildert. Zum einen aus der, der Attentäterin Dima selbst, die eher spontan zur Mörderin wird. Die aus ihrem Lager entkommen möchte. Die in Erinnerung bleiben will. Die etwas ändern möchte. Die eine Heldin sein will. Zum andern aus der Sicht Myriams, einer jungen Jüdin. Myriam, die genug hat von Israel, vom Krieg. Myriam, die große Träume hatte. Myriam, die ihren besten freund verloren hat. Myriam, die nicht mehr kann. Myriam, die Bäume fotografiert. Myriam, die den Krieg verdrängt. Außerdem gibt es einige Kapitel, die aus den Sichten der verschiedenen Personen in Myriams und Leilas Familie bzw Umgebung spielen. Myriams Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt. Die sie verloren zu haben scheint. Die auch ihren Sohn an den Krieg verloren hat. Der sich verändert hat. Der zu viele Bilder in sich trägt. Und Dimas Eltern, die im Flüchtlingslager leben. Die jeden Tag die Anfeindung spüren. Die Tag für Tag im Lager gefangen sind. Die Tag für Tag Menschen aus dem Lager sterben sehen. Aus der Sicht der beiden jungen Männer die den Anschlag planen und durch Zufall auf Dima stoßen. Die keine Geduld mehr haben. Die ein Kribbeln bei jeder explodierenden Bombe spüren. Deren Leben erfüllt ist vom Tod der anderen, der Feinde – der Juden.
Mich hat das Thema des Buches sehr angesprochen und auch sofort gefesselt. Kaum eines der Bücher in den endlos langen Regalreihen der Bücherei oder des Buchladens ist mit diesem Thema gefüllt, und dennoch ist es ein sehr wichtiges Thema von dem wir alle wissen, doch das oft vergessen wird. Die Autorin hat es geschafft, die Gedanken der Personen glaubwürdig zu vermitteln und das `Warum?`zu beantworten. Ich konnte mich durch die Ich- Schreibweise der Personen in sie hinein denken und so die Umstände nachvollziehen die ein junges Mädchen dazu treiben können, sich selbst und viele andere Menschen töten zu wollen. Wenn ich nun so darüber nachdenke, bin ich , nachdem ich dieses Buch gelesen habe, der Meinung, dass zum großen Teil auch der Staat bzw. der Krieg Schuld daran trägt dass so viele Menschen durch Attentate sterben müssen. Jedoch haben die vielen unterschiedlichen Sichten aus denen geschrieben wird auch den Nachteil, dass man schnellt verwirrt ist und sich ein wenig in der Geschichte verliert. So hatte ich oftmals nicht mehr den Überblick, wer gerade erzählt oder musste erst im Personenverzeichnis nach schauen. Auch hatte ich mir die Spannung größer vorgestellt. So hätte viel mehr Panik im Leser erzeugt werden können, wie in einem Film in dem man sieht wie ein Täter sich aufmacht um die Hauptperson zu töten. Man möchte aufspringen, stopp schreien und es macht einen fertig zu wissen: "In so und so viel Minuten wird die Person sterben." Das war in diesem Buch nicht der Fall, obwohl man von Anfang an wusste, die Bombe wird am Ende des Tages die Luft zerreißen.
Mir gefiel es, zu wissen. „Das was ich lese ist echt, real. So etwas passiert wirklich.“ Das hat mich wirklich gefesselt. Die Gabriella Ambrosio gibt dem Buch durch ihre trockene, von der Journalistik geprägte Schreibweise eine authentische Wirkung. Es werden keine blumigen Metaphern verwendet, keine dramatischen Szenen erfunden, sondern die Handlung in klaren Sätzen beschrieben und die Gedanken wie sie sind zu Papier gebracht.
Alles in Allem ein gutes Buch, dessen Geschichte mich sehr beschäftigt hat, doch es hat mich nicht „umgehauen“. Ich müsste also nicht jedem Menschen den ich treffe zu rufen: „Diese Buch musst du gelesen haben!!!“ Doch es ist ein schönes Buch für zwischendurch bzw. für jemanden, den dieses Thema interessiert. Ich vergebe knappe 4 Sterne für „ Der Himmel über Jerusalem“.
Elisa Lehmann (14) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Zeitgeschehen