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Der Schmerz, die Zukunft, meine Irrtümer und ich von Jägerfeld, Jenny, Jugendbücher, Liebe, Liebe

Der Schmerz, die Zukunft, meine Irrtümer und ich

Jägerfeld, Jenny

Übersetzung: Kicherer, Birgitta

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783446245068

Inhalt

Erst ist da nur der Schmerz, als Maja sich mit der Stichsäge die Daumenspitze absägt. Dann kommt die Wut, weil ihr Vater glaubt, sie hätte es mit Absicht getan. Aber sie ist doch kein Psycho! Oder doch? Hat sie womöglich dieselbe Krankheit wie ihre Mutter? Die leidet am Asperger-Syndrom und versteht daher nicht, wie andere Leute ticken. Kann Maja sich deshalb nicht vorstellen, dass ein cooler Typ wie Justin sich in sie verliebt? Solche Fragen können schmerzhafter sein als ein fehlendes Stück Daumen, doch Maja stellt sie. Nur so kann sie sich über die Irrtümer in ihrem Leben klar werden.

Bewertung

Maja ist eine ganz normale Teenagerin, die ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden hat. Sie ist rebellisch, unangepasst und vielleicht auch ein bisschen exzentrisch, aber als ihr Vater sie deshalb verdächtigt, sich im Kunstunterricht absichtlich die Daumenkuppe abgesägt zu haben wird sie wütend. Zum Glück verbringt sie das Wochenende bei ihrer Mutter. Doch als ihre zwanghaft pünktliche und genaue Mutter sie nicht wie gewohnt am Bahnhof erwartet, beginnt Maja sich Sorgen zu machen. Statt ihren Vater zu verständigen, beschließt sie das Wochenende allein im Haus ihrer Mutter zu verbringen. Und trotz deren Abwesenheit beginnt sie, ihre Mutter, die immer so ganz anders war als die der anderen Kinder, mehr und mehr zu verstehen und da ist noch ihr Nachbar Justin, der sich ausgerechnet für Maja zu interessieren scheint. Aber kann er einen Freak wie sie überhaupt wirklich mögen?
„Der Schmerz, die Zukunft, meine Irrtümer und ich“ hat eine sehr außergewöhnliche Protagonistin, deren zynische Wahrnehmung der Welt zwar manchmal etwas überspitzt wirkt, aber auch amüsant und kurzweilig zu lesen ist. Allerdings erschwert diese Distanziertheit und das altersuntypische Denken einen Zugang zu Maja zu finden. Der Roman behandelt viele Themen: neben der Identitätssuche Majas auch die Liebesgeschichte mit Justin und das Verschwinden ihrer Mutter bzw. deren Probleme mit anderen Menschen zu leben und zu kommunizieren. Die Erwachsenwerden-Problematik finde ich sehr schön dargestellt und unterhaltsam zu lesen. Auch wenn Maja hier ein besonders spezieller Fall zu sein scheint, ist es doch verständlich und man kann mit ihr mitfühlen. Doch die Liebesgeschichte mit Justin scheint weder Maja noch die Geschichte weiterzubringen und wurde von mir als eher störend empfunden. Sie ist weder nachvollziehbar, noch einfühlsam und zäh zu lesen. Sie wirkt eher wie eine kurze Zwischenepisode, die zwar am Ende noch einmal aufgegriffen wird, aber keine wirklichen Auswirkungen auf die Handlung der Geschichte hat. Das letzte Drittel des Buches ist meiner Meinung nach das beste, weil es sich hauptsächlich mit der Beziehung von Maja zu ihren Eltern befasst. Der Höhepunkt des Romans ist die Diagnose des Asperger-Syndroms bei der Mutter, doch leider wird das bereits im Klappentext erwähnt und ist somit für den Leser keine so große Überraschung wie für Maja. Die Gefühle mit denen Maja nun zu kämpfen hat sind wunderschön geschildert und man schafft es endlich sich in sie hineinzuversetzen. Alles, was ihre Mutter ausmacht, ihre Routinen, ihre Distanziertheit, ihre Kommunikationsprobleme wird durch das Asperger-Syndrom verursacht und Maja fragt sich was abgesehen von diesen Symptomen von ihrer Mutter noch übrig bleibt. Dieser Teil ist sehr berührend und es ist schade, dass die Autorin den Schwerpunkt nicht auf diese Thematik gesetzt hat. Der Roman hat einen guten Anfang, einen zähen Mittelteil und einen sehr starken, bewegenden Schluss. Und gerade dieser Schluss macht das Buch für Leserinnen ab 16 Jahren lesenswert.
Ich vergebe gute 3 Sterne.
Tessa Marie Scholler (16) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Liebe