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Der Tag, an dem Sankt Martin kam von Sommersberg, Jule, Kinderbücher, Vorlesen, Jahreslauf

Der Tag, an dem Sankt Martin kam

Sommersberg, Jule

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Gabriel

Empfohlen ab: 6 Jahre

ISBN: 9783522303514

Inhalt

Luca traut seinen Augen kaum: In der Küche steht ein klitzekleines Pferd und auf seinem Rücken sitzt ein klitzekleiner Sankt Martin! Und nicht nur das: Sankt Martin soll Luca dabei helfen, einen Auftrag zu erfüllen. Bis die beiden herausfinden, worum es eigentlich geht, wartet so manches Abenteuer auf sie ...

Bewertung

Luca ist sieben, und als die Lehrerin in der Schule erzählt, dass er mit seiner Klasse am Wochenende zum ersten Mal am Martinsumzug teilnehmen darf, freut er sich riesig. Leider bloß haben seine Eltern zur Feier ihres Hochzeitstags einen Kurztrip nach Wien gebucht, und so soll Tante Babs auf ihn und seine drei Jahre ältere Schwester Julia aufpassen. Zwar versichert Lucas Mutter, auch die Tante werde sicher mit ihm zum Umzug gehen, doch Luca gefällt die ganze Sache nicht – zumal es ihm davor graut, mit der Schwester allein zu sein, die ihn bei jeder Gelegenheit triezt und piesackt.

Kaum sind die Eltern aus dem Haus, kommt dann auch die erste Hiobsbotschaft: Das Auto der Tante ist kaputt, und so sollen Luca und Julia die erste Nacht allein verbringen, bevor Tante Babs am folgenden Tag mit repariertem Wagen vorfahren will. Natürlich endet der Abend in Zank und Streit, und ganz früh am folgenden Tag verabschiedet sich Julia zu einer Freundin, sodass Luca allein in der Wohnung ist. Um sich von seiner miesen Stimmung abzulenken, beginnt er, die Geschichte von Sankt Martin zu lesen – und es dauert nicht lange, da steht wie aus dem Nichts ein kleiner Ritter mit winzigem Pferd vor ihm, der behauptet, ebenjener Martin aus der Geschichte zu sein!

Luca kann seinen Augen kaum trauen, doch es kommt noch dicker: Martin verkündet, er sei gekommen, weil er bei Luca eine Aufgabe zu erfüllen habe. Welche kann das sein? Ob es etwas mit dem wahren Geist des Martinstags zu tun hat? Luca und dem kleinen Martin stehen auf der Suche nach der Antwort jede Menge Abenteuer bevor ...

 

Rund um die großen Feiertage und Feste wie Weihnachten, Ostern oder Geburtstag gibt es natürlich jede Menge Kinderbücher; gerade in der Kindergarten- und Grundschulzeit wird allerdings oft auch der Laternenumzug am Martinstag mit großer Vorfreude erwartet – fantasievolle Geschichten, in denen dieser eine Rolle spielt, sind jedoch rar. Umso schöner, dass es Jule Sommersberg gelingt, sowohl die Ursprünge und Geschichte des Martinstags in eine moderne, phantasievolle und abschnittsweise lustige Erzählung zu verpacken als auch ganz ungezwungen die zeitlose Bedeutung der Martinstugenden nicht nur im Abstrakten, sondern ganz greifbar im Hier und Jetzt herauszustellen.

Das tröstet auch ein wenig über die stilistischen Schwächen und inhaltlichen Nachlässigkeiten des Buches hinweg, denn tatsächlich wirken die Schilderungen in auffällig zahlreichen Szenen unaufmerksam – da wird ein Topf plötzlich zum Teller; eine heruntergefallene Milchtüte, die einen riesigen See auf dem Boden verursacht, ist im nächsten Moment wieder heil; die gleiche Frage wird innerhalb von nur zwei Seiten doppelt gestellt und beantwortet – und auch falsche Bezugspronomen sorgen immer wieder kurzzeitig für Verwirrung. Zwar lernt der Leser viel über die Lebensbedingungen zur Zeit des Heiligen Martin – nur war die leider gar nicht wie mehrfach erwähnt das Mittelalter ... Auch ein roter Faden kommt der Geschichte durch zu viele Abschweifungen immer wieder abhanden. Und zuletzt: Die Darstellung der kindlichen Hauptfiguren scheint ebenfalls nicht immer besonders vorteilhaft – Julia ist als große Schwester über die gesamte Länge der Erzählung grundlos und geradezu boshaft gemein, ohne dass sich eine positive Entwicklung vollziehen würde; Luca wirkt hingegen in vielen Situationen absurd schwer von Begriff und lernt gleichermaßen wenig dazu, nicht zuletzt weil Martin ihm viele Erklärungen schlicht schuldig bleibt.

Eine stellenweise durchaus reizvolle Erzählung mit den besten Intentionen, die als stimmungsvolle Lektüre zum Martinstag sicherlich Spaß machen kann, aber zugleich deutlich hinter ihrem Potential zurückbleibt.


Fabienne Pfeiffer :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Jahreslauf