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Der Zorn des Lammes von Groschupf, Johannes, Jugendbücher, Krimi & Thriller, Spannung

Der Zorn des Lammes

Groschupf, Johannes

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Oetinger

Empfohlen ab: 16 Jahre

ISBN: 9783841502827

Inhalt

Jazz und Milan. Zwei junge Menschen in Berlin. Zwei Geschichten. Zwei Perspektiven. Die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Jazz kennt Milan, den etwas seltsamen Tellerwäscher aus der Kantine des Tagesspiegel, nur ganz fl üchtig. Doch für Milan ist Jazz alles. »In jeder Nacht sitze ich hier und schreibe an sie. An sie, deren Namen ich nicht einmal kenne. Du bist schön wie der Mond.« Milan ist besessen von Jazz und schleicht sich nach und nach in ihr Leben …

Bewertung

Milan ist unsterblich in Jazz verliebt. Jazz nicht. Milan aber denkt, auch für Jazz gäbe es nur die Liebe zwischen den beiden. Dass Jazz Milan nicht liebt, verwundert aber nicht mehr, denn die beiden kennen sich nur vom flüchtigen Sehen im Bus oder in der Arbeit. Doch Milans Leben scheint sich nur um Jazz zu drehen, täglich wartet er an der Bushaltestelle, um nur einen Blick auf Jazz zu erhaschen und bringt sogar einen Menschen um, um einen Arbeitsplatz in der Firma, in der Jazz arbeitet, zu ergattern. Von all dem erfährt Jazz nichts, noch sieht sie in Milan nur einen harmlosen jungen Mann, den sie flüchtig kennt. Dies soll sich jedoch ändern, als Milan das Mädchen zu seiner Wohnung führt und sie dort über Nacht gefangen hält. Nach dieser Nacht versucht Jazz, traumatisiert von dem, was Milan ihr angetan hat, wieder zurück in ihr Leben zu finden, doch Milan ist immer noch auf freiem Fuß und könnte sie jederzeit wieder gefangen nehmen…
„Der Zorn des Lammes“ ist der zweite Jugendroman des Autors Johannes Groschupf, und ein durchaus Gelungener. Subtil zeichnet er die Porträts von zwei ziemlich unterschiedlichen jungen Menschen auf: einem jungen, behütet aufgewachsenen Mädchen, das das Großstadtleben in Berlin neu entdeckt und einem psychisch gestörten jungen Mann, der sich mit besondere Hingabe in fremde Mädchen verliebt. Jazz, die „Gestalkte“, muss nach einer traumatisierenden Nacht mit Milan, der sie über Nacht in seiner Wohnung gefangen hielt, erst wieder in das normale Leben zurück finden. Hierbei lassen sich autobiographische Züge erkennen, denn auch der Autor musste vor fast 20 Jahren nach schweren Brandverletzungen wieder einen Fuß im Leben fassen und einen Sinn für diesen Schicksalsschlag finden. Genauso ergeht es Jazz, die nach dem Ereignis erst einige Zeit apathisch in ihrem Krankenhausbett liegt, keinen Sinn mehr in ihrem Leben findet und langsam anfängt, mit der Hilfe von Freunden wieder neuen Mut zu fassen. Der Autor erzählt so nah am wirklichen Leben, erschafft solch treffende Portraits zum Beispiel von der typischen „Berliner Kioskverkäuferin um die Ecke“ und beschreibt die Gefühle der Protagonisten so nachvollziehbar, dass dem Leser das ungute Gefühl vermittelt wird, auch ihm könnte so etwas passieren. Der Roman lässt einen beim Spazieren nachdenklich umherblicken, hinter welchem noch so harmlos aussehenden Menschen eine psychische Schwäche stecken könnte. „Der Zorn des Lammes“ ist auf jeden Fall ein bedrückender Roman, der in seinen knapp 190 Seiten komprimiert und gekonnt das Leben vor und nach der schicksalhaften Nacht beschreibt. Der einzige Kritikpunkt besteht für mich darin, dass Jazz in ihrer Rolle als behütetes, neu in der Stadt angekommenes Mädchen zu sehr dem stereotypischen Mädchen entspricht, was mich am Anfang des Romans aufstöhnen ließ; erst nach dem Verbrechen ändert sich Jazz´ Charakter, sie wird ruhiger und bedachter. In dieser Hinsicht ist dieser Kontrast dem Autoren sehr gut gelungen. Ich empfehle das Buch nicht nur Jugendlichen ab 16 Jahren, sondern auch Erwachsenen, die Lektüre eines solchen fesselnden Thrillers nicht missen wollen.
Ich vergebe 5 Sterne.
Miriam Thiel (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung