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Der erste Weltkrieg von Vinke, Hermann, Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte

Der erste Weltkrieg

Vinke, Hermann

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Gerstenberg

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783836955829

Inhalt

Der Erste Weltkrieg, die »Urkatastrophe« des vergangenen Jahrhunderts, hat Europa und die Welt nachhaltig verändert. Wie ist es zu diesem schrecklichen Krieg gekommen, in dem Millionen Menschen aus über 50 Ländern den Tod fanden? Wieso standen sich Nachbarländer wie England, Frankreich und Deutschland als erbitterte Feinde gegenüber? Wie kam es, dass dieser Konflikt zu einem Weltkrieg wurde? Und welche Lehren können wir im modernen Europa aus dieser Zeit ziehen? Dieses Jugendsachbuch vermittelt wichtiges Basiswissen zu Ursprung, Verlauf und Folgen des Krieges und hilft, dieses weitreichende Ereignis der Weltgeschichte besser zu verstehen.

Bewertung

Der Autor hat sich mit seinem Werk viel vorgenommen. Der Klappentext kündigt an, es sei ihm „ein besonderes Anliegen, der jüngeren Generation einen Bezug zur eigenen Geschichte zu vermitteln.“ Das ehrt ihn natürlich sehr. Klingt aber so, als seien hier eher die kaufenden Eltern und Großeltern als die Jugendlichen selbst angesprochen.

Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man das Buch aufschlägt. Sieht aus wie ein Geschichtsbuch eben aussieht. Fotos, Illustrationen, Fließtext und einzelne Infoboxen. Die These der Rezensentin: Jugendliche, die sich nicht für Geschichte interessieren, wird man damit nicht hinter dem Ofen hervorlocken können.

Aber geben wir dem Buch noch eine Chance. Ist ja eh nicht wahrscheinlich, dass diejenigen, die sich null für Geschichte interessieren, das Buch überhaupt aufschlagen. Wie ist es also um die anderen bestellt? Sie bekommen hier Geschichte in kleinen Häppchen serviert. Neben einer Einteilung in große Überkapitel, widmet sich auch jede Doppelseite einem eigenen Thema. Der Fließtext berichtet dabei die groben Zusammenhänge und ergänzend werden Bild- und Textquellen hinzugefügt. Aber auch weiterführende Details, die im Fließtext scheinbar keinen Platz mehr hatten, werden in solchen Infoboxen untergebracht. Das wirkt recht fragmentarisch, ein großes Mosaik, das erneut viel eigenes Interesse und Denkleistung voraussetzt.

Das ließe sich noch verschmerzen, wirklich traurig aber ist, dass das Buch die Jugendlichen letztlich vor weiterem Nachdenken abschirmt. Es hilft nicht dabei, Dinge in Bezug zu setzen oder eigene Fragen zu stellen. Ja, Neugierigen wird der Weg zur weiteren Lektüre sogar eher erschwert. So greift Vinke gerne auf Werke anderer Historiker zurück, zitiert Texte, die jedem Geschichtsstudenten geläufig sein dürften. Aber jedem Jugendlichen? Der muss im Quellenverzeichnis nachschauen, ob er den Text dort findet. Findet er aber nicht in jedem Fall (ein Beispiel ist etwa die Anspielung auf Hitlers „willige Vollstrecker“, an anderer Stelle wird völlig anonym auf „einen Aufsatz“ verwiesen). Bemerkenswert ist auch: Das Quellenverzeichnis ist keinesfalls als Fundgrube für die Jugendlichen gemeint. Für die wird in der Rubrik „Buchtipps“ noch einmal etwas zusammengestellt. Und zwar vor allem Belletristik zum Thema. Nur einer der empfohlenen Titel ist auch ein Jugendsachbuch.

Genau da, wo es spannend wird, hört Vinke auf. Ein Beispiel: Er zitiert Heinrich August Winkler zur Kriegsschuldfrage. Dass diese in der deutschen wie der internationalen Geschichtsschreibung sehr hitzig diskutiert wurde, blendet er aus. Dabei wäre das doch mal genau ein spannender Punkt gewesen, um gemeinsam mit den Jugendlichen zu überlegen: Was kann Geschichte eigentlich bedeuten? Wer hat die Deutungshoheit? Wieso kommen Historiker bei gleicher Quellenlage auf unterschiedliche Ergebnisse? Wie untersucht man so etwas eigentlich?

 

„Der Erste Weltkrieg“ ist ein braves Buch. Es sammelt Fakten zum Ersten Weltkrieg. Und ja, es versucht durchaus ab und an größere Zusammenhänge aufzuziehen. Wer sich aber nach den im Ankündigungstext aufgeworfenen Fragen auf große Diskussionen und gemeinsames Nachdenken über die Bedeutung von Geschichte gefreut hat, der wird jedoch enttäuscht.


Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte