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Der goldene Schlüssel von Bhend, Käthi, Bilderbücher, Ohne (viel) Worte, Märchen & Fantasie

Der goldene Schlüssel

Bhend, Käthi

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: NordSüd

Empfohlen ab: 5 Jahre

ISBN: 9783314102523

Inhalt

Ein armer Schlittenjunge will sich in der Kälte am Feuer wärmen. Er findet unterm Schnee einen kleinen goldenen Schlüssel und unter der Erde ein eisernes Kästchen. Er erwartet »kostbare Sachen«, findet das kleine Schlüsselloch und schließt auf. Der Erzähler endet, man müsse nun warten, bis er es geöffnet hat.

Das ist die Geschichte, wie sie am Ende der Grimm-Märchen-Sammlungen vorkommt. Die Schweizer Bilderbuchkünstlerin Käthi Bhend hat die Geschichte zum Anlass genommen, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Ohne Worte, nur in ihrer ureigenen fantastischen Bildsprache. In den zwölf beeindruckenden Bildern begegnen wir der kleinen alten Frau, die sich mit ihrer Katze auf den Weg ins Schloss macht. Dabei erlebt sie eine Metamorphose und verwandelt sich in ein Kind, wandert weiter, bis sie zum Schluss wieder zu dem wird, was sie war: eine kleine alte Frau.

Bewertung

Das Buch ist eine Interpretation zum letzten Märchen der Brüder Grimm „Der goldene Schlüssel".

Auf der ersten Seite wird dieses kurze wie mysteriöse Märchen erzählt. Danach beginnt das eigentliche Buch. Dort wird beschrieben wie eine kleine, alte Frau aufbricht, um die Sonne zu suchen. Auf ihrem Weg besucht sie Frau Flora. Danach folgen nur noch Bilder und kein erläuternder Text. Die Frau bekommt einen Schlüssel und geht in das Kästchen hinein und wird dabei zu einem jungen Mädchen. Was danach folgt, ist eine Reise durch einen Wald. Dort trifft sie auf viele Merkwürdigkeiten und hilfsbereite Wesen.

Ganz genau können wir jedoch nicht sagen, was passiert, denn in meiner Familie herrscht große Uneinigkeit und Verwirrung, was auf den Bildern zu sehen ist. Das zeigt schon, wie viel Interpretationsspielraum in diesen Bildern und dieser Geschichte steckt. Es bleibt alles offen und man kann sich schlussendlich selbst überlegen, wie diese Geschichte um den Goldenen Schlüssel Nr. 2 wirklich erzählt werden sollte. Uns ist leider nichts überzeugend Logisches eingefallen.

 

Die Grundidee der Ursprungsgeschichte wird hier konsequent weitergeführt und bietet durch die Bilder eine gewisse Orientierung an. Die herbstlichen und winterlichen Umgebungen greifen auf das Grimm’sche Märchen zurück und fügt noch viele magisch wirkende Elemente hinzu. Die Tiere erinnern an klassische Fabeln, ihre Gestik wirkt nostalgisch, wie auch der Stil insgesamt, der direkt einem sehr alten Märchenbuch oder Gemälden von Jagdgesellschaften entstammen könnte.

 

Für uns fiel das Buch als typisches Gute-Nacht-Buch leider durch, denn ohne Text und sinnvolle Handlungsideen haben wir alle schnell die Lust an diesem Buch verloren. Die Idee ist sicherlich gut, doch für ein Bilderbuch für kleine Kinder nicht geeignet. Meine Tochter wollte es eigentlich nach dem ersten Anschauen nicht mehr sehen. Die Bilder fand sie schön, doch so ganz ohne Handlung oder wenigstens Hinweisen, worauf die Geschichte hinaus will, gelang uns der Zugang nicht. Zu viel Philosophie und zu wenig an die Kinder gedacht. Ich empfehle dieses Buch jedem Liebhaber von schönen Bilderbüchern, aber nicht unbedingt kleinen Kindern.


Mareike Dietzel :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Märchen & Fantasie