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Der kürzeste Tag des Jahres von Dubosarsky, Ursula, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie

Der kürzeste Tag des Jahres

Dubosarsky, Ursula

Übersetzung: Steinhöfel, Andreas

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Ueberreuter

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783764170066

Inhalt

Samuel Cass verschwand, an seinem zwölften Geburtstag.
Samuels Halbschwester Theodora saß auf ihrem Bett und betrachtete das schöne, schwarz gerahmte Foto von Samuel im Bücherregal. »Oh, Samuel, wach doch auf«, flüsterte sie dem Bild zu, »wach auf und komm nach Hause.« Aber die Stunden vergingen, und nichts geschah. Keine Sichtung, kein Anruf, kein abgerissener Schnürsenkel. Nichts.

Bewertung

Ein Buch, das mir die Sprache verschlägt. Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich hierzu schreiben könnte, wie viel ich von der Geschichte wiedergebe, was ich nur andeute und was ich lieber verheimliche. Aber eigentlich will ich nur, dass viele Leser es selbst in die Hand nehmen und sich mit Samuel, Theodora und ihrer tragisch-komischen, manchmal schrulligen Familie auf die Reise begeben.
„Der kürzeste Tag des Jahres“ erzählt so viele kleine Geschichten, die schön und traurig, absurd und alltäglich, warm und nüchtern sind. Es gibt die Geschichte zwischen den Halbgeschwistern Theodora und Samuel, die nur einen Altersunterschied von gut einem Jahr haben; Szenen zwischen dem Vater Elkanah und seinen (Ex-)Frauen Hannah und Pearl, nachgesagten Liebschaften und Vater-Töchter-Reibereien sämtlicher Figuren. Und dann gibt es da noch die Momente zwischen Samuel und seinem Großvater Elias, die beide am gleichen Tag Geburtstag haben und sich sehr nahe stehen. So nahe, dass Elias es nicht ertragen kann, von seinem Enkel getrennt zu werden und kurzerhand beschließt, sich mit dem Jungen abzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt der alte Mann, der als Kind selbst aus Nazideutschland flüchten musste, nicht, in welche Gefahr er seinen Enkel damit bringt.
Die Geschichte dieser interessanten Patchwork-Familie in all ihren (unmöglichen) Facetten ist so lustig, schmerzhaft, und einfühlsam erzählt, dass es glattweg ein Plädoyer für ein modernes Familienmodell darstellt. Entgegen der vom Verlag suggerierten Samuel-Perspektive liest man das Buch aus den Sichtweisen aller Beteiligten, Samuel ist nur ein Kopf, in den man hineinschaut. Er ist ein Bindeglied zwischen den Familien und damit sehr interessant, doch seine Schwester Theodora nicht minder. Da ich mich mit ihr stärker identifizieren konnte, fand ich die Passagen über sie sogar spannender.
Das Buch umfasst 154 Seiten und ist auf recht dickem Papier gedruckt, das Cover natürlich aus etwas stärkerem Material. Da ich immer sorgsam mit Taschenbüchern umgehe und keinen Knick im Buchrücken haben will, war die Papierstärke vielleicht etwas sperrig. Aber es gibt dem Ganzen eine gewisse äußere Qualität und rechtfertig auch den Preis von 12,95 Euro.
„Der kürzeste Tag des Jahres“ gehört definitiv zu meinen Highlights 2013 und hat mich auf eine Autorin aufmerksam gemacht, von der ich in Zukunft noch mehr lesen werde. Ursula Dubosarsky hat ein unglaubliches Talent dafür, mit wenigen Worten und ohne Schnörkel Geschichten zu erzählen, in denen alle Figuren lebendig werden und die Spannung durchweg gehalten wird. Ihr Ton (und der des Übersetzers Andreas Steinhöfel) schafft eine wunderbar authentische Atmosphäre, die einen leicht, aber nicht oberflächlich, durch die Entwicklung trägt. Ich denke daher, dass das Buch auch für Schüler im Unterricht geeignet ist – vielleicht für den Deutschunterricht zum Thema „Emigrieren“. Aber es ist keineswegs nur für Jugendliche, auch Erwachsene werden an dem angenehmen Erzählstil ihre Freude haben.
Von der ersten Seite an wollte ich diesem besonderen Jugendroman 5 Sterne geben – und das hat sich bis zur letzten Seite nicht geändert.
Beatrice Buchholz (23) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie