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Der kleine Mondrabe von Pfister, Marcus, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Anders sein

Der kleine Mondrabe

Pfister, Marcus

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2010

Verlag: Minedition

Empfohlen ab: 3 Jahre

ISBN: 9783865661227

Inhalt

Nichts wünscht sich der kleine Rabe so sehr, als mit den anderen Raben zusammen zu spielen. Doch obwohl er sich zum besten Flieger der ganzen Rabenschar mausert, wird er als Kleinster nur geärgert und gehänselt. Zum Scherz stellen die Großen ihm schließlich eine eigentlich unlösbare und lebensgefährliche Mutprobe. Aber als der kleine Rabe seine Angst überwindet und sich darauf einlässt, passiert ein Wunder, das allen die Augen öffnet.

Bewertung

In der minedition verlegt und vom Autor selbst illustriert thematisiert dieses Vorlesebuch das Thema Mobbing. Im Kinderbuchbereich ein spannendes Thema, fängt das Hänseln und Sticheln unter Kindern schon zeitig an. Zurückweisung und das damit verbundene Unverständnis der Kinder muss angesprochen werden, damit sich Traurigkeit nicht ausbreiten kann. Ein Vorlesebuch zu dem Thema kann ein guter Einstieg in so ein Gespräch sein.
Dem kleinen Raben, der mickrig und klein ist, passiert nämlich genau dies: Er wird ausgelacht, zurückgewiesen und keiner möchte mit ihm spielen. Er fühlt sich verletzt und nicht dazugehörig. Als er sich jedoch zu einem guten Flieger entwickelt, wird er von einem Mitglied der Gruppe verhöhnt, denn er bekommt die Auflage, zum Mond zu fliegen, dann würde er dazugehören dürfen.
Der große Rabe wird in der kommenden Nacht von einem schlimmen Traum geplagt. Er sieht den Kümmerling tatsächlich starten, höher und höher fliegen, bis er dem Mond so nah kommt wie noch kein anderer zuvor. Silberne Schwingen werden ihm verliehen und stolz segelt er zur Erde zurück. Doch kurz vor dem Ziel bricht er unter der Last der Flügel zusammen und scheint zu Tode gestürzt zu sein.
Da wird es ihm klar - er ist mit seiner Hetze viel zu weit gegangen. Zum Glück wacht der kleine Mondrabe wieder auf. Voller Reue entschuldigt sich der Bösewicht bei ihm und fühlt sein schlechtes Gewissen. Der kleine Rabe allerdings freut sich, denn er wird nun endlich in der Gemeinschaft akzeptiert. Erst als er fröhlich zum Spielen startet, sehen die anderen die kleine silberne Feder, die unter seinem Flügel steckt.
Für mich ist dieses Buch etwas Besonderes. Einerseits finde ich es wunderbar, dass es Kinderbücher gibt, die sich mit der Thematik Mobbing und Zurückweisung beschäftigen. Andererseits finde ich es grausam, dass der Kleine tatsächlich diese Prüfung annimmt, die ihn fast umbringt, und erst danach in die Gruppe aufgenommen wird. Ganz klar ist allerdings, dass es somit absolut glaubwürdig und authentisch wird. Ohne ein "Wachrütteln" wird ein böses Kind nicht aufhören, auf kleinere einzuhacken. Die Erzählperspektive ist mutig: Aus der Sicht des Stärkeren wird berichtet. Sein Hohn und Spott wird geschildert, das "Sich überlegen fühlen" zum zentralen Mittelpunkt. Dementsprechend Tief ist daraufhin auch der Fall. Nicht nur der Ausgestoßene trudelt vom Himmel, auch der ehemals Überlegene fällt vom Thron. Echte Reue, das schlechte Gewissen und die Sorge um den Kleinen können somit nachempfunden werden. So eignet sich das Buch zum Vorlesen für Kinder beider "Parteien". Schwache Kinder werden gestärkt, weil sie merken, dass auch "die anderen" geläutert werden können. Kinder, die immer andere verspotten, bekommen im Gegenzug einen Spiegel vorgehalten und können so lernen, andere zu akzeptieren, die vielleicht anders als sie sind.
Für mich ist es ein Buch, was auch beim Vorlesen starke Emotionen aufwirft. Das Thema "Mobbing" wird ernsthaft und für Kinder gut verständlich beschrieben. Von mir gibt es 4 Sterne. Einen ziehe ich ab, weil ich nicht einhundertprozentig hinter dem Ende stehe.
Anke Bebber - Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein