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Die Federkette von Huovi, Hannele, Kinderbücher, Kinderliteratur, Märchen & Fantasie

Die Federkette

Huovi, Hannele

Übersetzung: Stohner, Anu

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 11 Jahre

ISBN: 9783446246287

Inhalt

Eleisa weiß nicht, dass sie ins Land der Vögel geraten ist. Sie will nur den majestätischen Falken fliegen sehen. Doch der Vogel kommt ihr so nah, dass sie nach ihm greifen kann. Dass er das missverstehen könnte, damit rechnet sie nicht. Und dass er dem Mädchen mit seinen Schnabelhieben das Augenlicht nimmt, das hat er nicht gewollt. Schuld an dem Unglück sind beide, entscheidet das Vogelgericht. Von nun an sollen sie durch eine Federkette verbunden sein. Aber es gibt eine Quelle, die den Zauber lösen kann. Um die zu finden, müssen sie sich gemeinsam auf die Suche begeben und lernen, die Eigenarten des anderen zu schätzen.

Bewertung

Wollte man Bücher mit Bildern vergleichen und Harry Potter wäre ein riesiges Wandgemälde voller Details, so ist „Die Federkette“ von Hannele Huovi eher als leichtes Aquarell zu betrachten. Die junge Eleisa hat sich schon immer mit Vögeln verbunden gefühlt. Doch eines Tages greift sie nach einem Falken im Flug, der sich bedroht fühlt und sie angreift. Durch den Angriff gerät Eleisa völlig in die Welt der Vögel und wird an den Falken gekettet. Während Eleisa schuldbewusst ist, bleibt der Falke arrogant. Trotzdem versuchen beide gemeinsam, Wege zu finden, sich von ihrer Strafe zu lösen.

 

Im Wechsel mit Eleisa erzählt uns „Doppelgesicht“ die Geschichte. Sie ist ebenfalls ein junges Mädchen. Als buckliger Narr bringt sie die Menschen zum Lachen, doch da in der Menschenwelt einiges schief läuft, flüchtet sie bewusst in die Welt der Vögel, um ihre Ruhe zu haben. Als sie Eleisa begegnet, ist es mit ihrer Ruhe jedoch vorbei. Denn entgegen ihrer eigenen Versicherungen lässt das Schicksal des Mädchens Doppelgesicht nicht kalt.

 

Es ist eine gelungene Konstellation, die Hannele Huovi hier aufbaut. Feinstes Material für eine Fantasy-Geschichte. Im Hintergrund die Menschenwelt, in der Schatten und Schattenlose gegeneinander kämpfen und der Hass auf das Andersartige um sich greift. Und doch reißt die Geschichte nicht mit. Das liegt am Aquarell. Denn Huovi erzählt in Andeutungen. Obwohl die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, geht viel Emotion verloren. Viele Erzählstränge bleiben unverknüpft oder verlaufen im Sand. Alle Charaktere bleiben letztlich rätselhaft und verschlossen. Auf der einen Seite mag man das als poetischen Realismus loben. Denn in der Tat ist es ja eigentlich Quatsch, dass am Ende ein perfekt auserzähltes Happy End dastehen soll.

Trotzdem sei deutlich gesagt: Die Federkette ist eher etwas für philosophische Fantasy-Leser, denen der Sprachreichtum und die Denkanstöße wichtiger sind als eine runde und sattmachende, schillernde Geschichte.

 

Saskia Geisler :: Redaktion buecherkinder.de

Themen: Märchen & Fantasie