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Die Geschichte von Ostern von Kottal, Julia, Bilderbücher, Pappbilderbücher, Glaube & Religion, Jahreslauf

Die Geschichte von Ostern

Kottal, Julia / Görtler, Carolin

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Herder

Empfohlen ab: 2 Jahre

ISBN: 9783451712210

Inhalt

Jedes Jahr an Ostern erinnern sich Groß und Klein an die letzten Tage im Leben Jesu, wie sie die biblische Ostergeschichte beschreibt: an den Einzug Jesu in Jerusalem und das letzte Abendmahl mit seinen Freunden bis hin zu seiner Auferstehung. Die kurzen, prägnanten Sätze dieser Nacherzählung und die modernen Illustrationen machen die Geschichte schon den jüngsten Lesern verständlich.

Bewertung

Jedes Jahr im Frühjahr feiern wir Ostern. Es ist die Passionsgeschichte Jesus, an die wir uns an den vier Tagen von Karfreitag bis Ostermontag erinnern. Kinder verbinden  mit Ostern eher den Osterhasen, Ostereier und die Suche danach. Jedoch ist es wichtig, ihnen auch den religiösen Hintergrund von Ostern nahe zu bringen. Wie erklärt man aber einem Kleinkind ab 2 Jahren die Ostergeschichte? Julia Kottal versucht es mit ihrem Pappbilderbuch "Die Geschichte von Ostern", das 2014 bei Herder erschienen ist.

Die Passionsgeschichte, deren Hauptelemente der Einzug Jesus nach Jerusalem, das Abendmahl, die Gefangennahme, die Leiden, die Kreuzigung und die Auferstehung bilden, ist komplex. Jedes Element hat eine tiefere religiöse Bedeutung, die eine Interpretation braucht. Es ist keine leichte Aufgabe, die Ostergeschichte religiös korrekt, jedoch kindgerecht zu erzählen, der sich Julia Kottal stellt.

Auf 14 Seiten versucht sie, ihren literarischen Weg in der Kinderliteratur zu gehen. Zunächst stellt sie kurz Jesus und seine Jünger vor. Klar und deutlich benennt sie Jesus als Gottes Sohn. Die Apostel nennt sie nicht Jünger, sie vermeidet das Wort, sondern erzählt von guten Freunden. Die Wortwahl ist gut gewählt, denn so überfordert sie nicht die Kleinen. 

Danach folgt der Einzug nach Jerusalem, das Abendmahl, das Gebet im Garten Getsemani, die Gefangennahme, die Grablegung und die Auferstehung. Aus der Aufzählung könnte man vermuten, dass alle wichtigen Elemente der Ostergeschichte enthalten sind. Jedoch lässt Kottal die bedeutendsten Stellen aus. So erwähnt sie den Judas-Verrat mit keinem Wort, ebenso die Peinigung nicht. Die Kreuzigung selbst erwähnt sie nur ganz kurz und mehr beiläufig.

Ja, diese doch negativen, brutalen Stellen sind aufwühlend und schwer verständlich. Aber sie sind essentiell für das gläubige Verständnis der Passionsgeschichte. Schaut man sich das Buch an, so fehlt das Wichtigste. Es gibt eine unbefriedigende Lücke. Bestimmt wollte Kottal diesen dunklen Teil der Geschichte den Kindern nicht zumuten. Nur bleibt bei ihrem Weg die Passionsgeschichte auf halber Strecke liegen. Diese Umschiffung ist mehr ein Zugeständnis für die Eltern. Denn Kleinkinder können sehr wohl mit negativen Themen umgehen. Sie nehmen es als gegeben hin oder übergehen sie ignorierend komplett, wenn sie es nicht verstehen. Sie nehmen auf jeden Fall keinen Schaden, wenn man diese Punkte anspricht.

Statt das Wichtige im Glauben zu erzählen, verbleibt Kottal auf den Nebenschauplätzen. Sehr ausführlich erzählt sie vom Einzug Jesus in Jerusalem, vom Ritt über die Kleider. Am Ende des Buches schafft die Autorin wieder die Kurve. Ihre Erklärung, warum wir Ostern feiern, ist schlüssig und für die Leser nachvollziehbar.

Positiv ist der Erzählstil zu erwähnen. Kurz, mit einfachen Worten erklärt Kottal die Geschichte. Sie fasst den Inhalt der einzelnen Szenen in kleinen Texten gut zusammen. Dem Kind ist sofort klar, was gemeint ist.

Carolin Görtler illustrierte das Pappbilderbuch gekonnt. Farbig und realitätsnah ist ihr Stil. Alle Figuren, alle Gegenstände sind für die Kinder gut erfassbar, nicht überhäuft mit Details oder verzerrt. Zurückhaltend ist sie in der Ausschmückung der Szenen. Graphisch konzentriert sie sich voll auf ihre Aussage. Immer wieder setzt sie das Licht als Unterstreichung ein. So wird das nächtliche Gebet im Garten Getsemani in dunklen Farben gezeichnet. Positiv ist die Orientierung an die historisch-geographische Gegebenheiten. Die Männer tragen lange Gewänder, einfache, wenige Möbel, im Hintergrund sieht man die karge Landschaft. Dadurch kommt die richtige Stimmung auf.

 

Am Ende bleibt von Julia Kottals "Die Geschichte von Ostern" ein ambivalenter Eindruck übrig. Zentrale Teile der Passionsgeschichte fehlen, die dem Buch das Unvollständige aufdrücken. Religiöse Kinderbücher zu Ostern - vor allem je jünger die Leser sind - sind Bücher, die gemeinsames Anschauen, Erklären und darüber Reden mit Eltern, Erziehern bedingen. Sie sind und bleiben keine leichte Lektüre. Ständig tauchen (Nach)Fragen und unbekannte Begriffe auf. Es ist die Pflicht der Erwachsenen, sie den Kindern nahezubringen. Auch und erst recht mit einem Buch. Leider bleibt hier dieses Pappbilderbuch auf halber Strecke liegen, auch wenn es ansonsten gut für die Kinder ab 2 Jahre gemacht ist.

 

Wenke Bönisch :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Glaube & Religion, Jahreslauf