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Die Nacht gehört dem Drachen von Casale, Alexia, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie

Die Nacht gehört dem Drachen

Casale, Alexia

Übersetzung: Ahrens, Henning

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783551583109

Inhalt

Endlich hat Evie ihren Adoptiveltern von ihrer gebrochenen Rippe erzählt und endlich ist sie die ständigen Schmerzen los. Nur eine Narbe ist geblieben und das Stück Knochen selbst, dass man herausoperiert hat. Zusammen mit ihrem Onkel Ben hat sie einen Drachen daraus geschnitzt, als Glücksbringer und Zeichen neuer Stärke.
Nichts wünscht sie Evie sehnlicher, als dass der Drache lebendig wäre und ihr Wunsch scheint tatsächlich in Erfüllung zu gehen. Denn in den dunklen Nächten scheint der Drache mit ihr zu reden, ihr Mut zuzusprechen und Geduld einzufordern. Denn als Evie langsam zu Kräften kommt, wird deutlich, dass ihre Eltern eines nicht für sie erreichen können: Gerechtigkeit für das, was ihr angetan worden ist.

Bewertung

Nachdem die Ärzte bei einer Operation einen Teil von Evies Rippe entfernen mussten, kommt Evies Onkel auf die Idee, aus dieser Rippe einen Drachen zu schnitzen. Einen Drachen zu haben, der aus der eigenen Rippe geschaffen wurde, ist ein einzigartiges Geschenk. Doch der Grund dafür, dass die 14-Jährige Evie einen Drachen aus ihrer eigenen Rippe schnitzen kann, ist im Gegensatz zu diesem besonderen Geschenk sehr grausam. Denn als Evie noch kleiner war, wurde sie von einer Mutter aufgezogen, die selbst nicht mit ihrem Leben zurecht kam; Evies Großeltern kümmerten sich kaum um das Mädchen. Doch wie es zu so einer schweren Verletzung wie einer gebrochenen Rippe kommen konnte, erzählt Evie niemandem, nicht einmal ihren Adoptiveltern, die sie über alles lieben. Wegen ihrer schrecklichen Kindheit fällt es der 14-Jährigen zudem schwer, über ihre Gefühle, Ängste und Probleme zu reden. Der kleine Drache jedoch scheint dem Mädchen ein Zufluchtsort zu sein, mit ihm wandert sie nun fast jede Nacht durch die düstere und dennoch faszinierende Landschaft Cambridges. Doch das Wichtigste ist, dass sich die beiden ohne Worte verstehen. Aber kann der kleine Drache, geschaffen aus ihrer eigenen Rippe und durch Evies Fantasie zum Leben erweckt, dem Mädchen wirklich bei der Überwindung ihrer Probleme helfen?
Von außen macht Evies Familie den Anschein, als würden sie schon immer ein glückliches Leben geführt haben. Doch blickt man einmal hinter die Fassade, erfährt man, dass der Sohn von Evies Adoptiveltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, der Schmerz bei den Eltern ist noch immer zu spüren. Auch Evie hat, bevor sie zu ihren Adoptiveltern kam, viel Schmerz erfahren. Da verwundert es nicht, dass die kleine Familie sehr sensibel auf Probleme reagiert, alle trauen sich nicht, über ihre Ängste und Sorgen zu reden. Doch mit dem Drachen scheint bei Evie Hoffnung aufzukeimen. Der Drache nämlich versteht Evie ohne Worte, er nimmt sie auf Abenteuerreisen in die nächtliche Landschaft mit, wodurch Evie lernt, geduldig zu sein und neuen Mut zu schöpfen. Der Drache, ein Symbol für Macht, Stärke und Schutz, gibt nicht nur Evie Kraft, sondern fordert auch den Leser dazu auf, sich einen „imaginären Freund“ zu suchen, mit dem man seine Gedanken, Erfahrungen und Gefühle teilen kann.
Außerdem wird der Roman zwar aus der Ich-Perspektive erzählt, jedoch erhält der Leser nur einen kleinen Einblick in Evies Gedankenwelt, er erfährt nicht viel über Evies Kindheit, während des ganzen Buches bleiben einige Gründe für Evies Verhalten dem Leser verschlossen. Dieser Aspekt erlaubt dem Leser jedoch auch, mehr Vermutungen anzustellen und die eigene Fantasie anzuregen. „Die Nacht gehört dem Drachen“ wird zwar ab 14 Jahren empfohlen, jedoch empfehle ich das Buch erst ab 15 Jahren, da der Roman nur wenig Spannung besitzt und da die Autorin Alexia Casale einige philosophisch angehauchte Fragen aufwirft, die meiner Meinung nach nicht in den Interessensbereich Jüngerer fallen. Da der Roman zwar ein sehr interessantes Thema behandelt, aber kaum ein Spannungsbogen vorhanden ist, vergebe ich 4 Sterne.
Miriam Thiel (17) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie