Jugendbücher  >  Aus dem Leben
Die Sprache des Wassers von Crossan, Sarah, Jugendbücher, Aus dem Leben, Außergewöhnliches

Die Sprache des Wassers

Crossan, Sarah

Übersetzung: Setsman, Cordula

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Mixtvision

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783939435846

Inhalt

Nur mit einem Koffer und einem alten Wäschesack im Gepäck, bricht das polnische Mädchen Kasienka mit ihrer Mutter nach England auf. Dort wollen sie den Vater suchen, der die Familie für ein besseres Leben im Westen verlassen hat. Doch das neue Leben in Coventry gestaltet sich anders als geplant; Kasienka kämpft mit Mobbing, möchte eigentlich so schnell wie möglich zurück in die Heimat und muss doch Abend für Abend gemeinsam mit ihrer Mutter den untergetauchten Vater suchen. Aber als sie ins Schwimmteam aufgenommen wird, fasst sie neuen Mut. Und dann ist da auch noch William, der nette Junge aus der Siebten ...

Bewertung

Kasienka ist 12, fast 13. Und sie fühlt sich ziemlich allein in diesem fremden Land, dessen Sprache sie nicht sehr gut kennt und dessen Bewohner sie selbst auch nicht kennenlernen wollen. Ihre Mutter trauert dem Vater nach, der von der Familie abgehauen ist; sie gingen ihm nach, suchen ihn jetzt in diesem fremden Land namens England. Auch ihre Mitschüler scheinen Kasienka nicht zu mögen, mal hänseln sie sie, mal tun sie so, als wäre Kasienka ihre beste Freundin; doch immer schließen sie sie aus der Gruppe aus. Wäre da nicht William, der von der ruhigen, reiferen Kasienka fasziniert ist und sie so mag, wie sie ist, ihren Problemen zuhört. Vor allem durch ihr gemeinsames Hobby, das Schwimmen, kommen sich die beiden immer näher, es scheint sich eine kleine Liebesgeschichte zu entwickeln. Währenddessen suchen Kasienka und ihre Mutter immer noch nach dem verschwundenen Vater. Kasienka möchte ihren Vater gar nicht finden, er hat die Familie einfach so verlassen und sie möchte zurück nach Polen. Aber was wird passieren, falls sie den Vater finden sollten? Werden sie zurück nach Polen gehen, werden die Mutter und der Vater wieder zusammenziehen oder wird der Vater doch auf ewig verschwunden bleiben?
Schon allein das Buch in die Hand zu nehmen, ist eine große Freude, denn das schlichte, aber liebevoll gestaltete Cover und der Stoffeinband erwecken nicht unverdient den Eindruck, dass dieser Roman etwas ganz Besonderes ist. Was ich unbedingt erwähnen sollte, ist, dass dieses Buch über seine 228 Seiten durchgehend in Gedichtform verfasst ist. Zugegeben, als ich mir die Beschreibung des Buches durchlas, war ich mir nicht dessen bewusst; da war die Überraschung umso größer, als ich das Buch aufschlug und es breitete sich sofort ein mulmiges Gefühl in meinem Magen aus. Es wird ja allgemein die Vorstellung erweckt, dass Gedichte schwer zu verstehen sind und dass hinter jedem Wort irgendein Stilmittel versteckt ist, das man deuten muss, um den Inhalt zu verstehen. Dass Gedichte aber auch herrlich erfrischend und abwechslungsreich sein können, beweist die Autorin Sarah Crossan in „Die Sprache des Wassers“. Dadurch, dass ihre Gedichte unnötige Beschreibungen und Füllwörter weglassen, entsteht in dem Kopf des Lesers eine präzise Beschreibung der Situation. Auch die Enjambements erhalten den Lesefluss, einige Wortspiele und Stilmittel erfreuen das Auge des in der Schule oft leidvoll geplagten Gedichtsanalysten. Die Problematik, die die Autorin in dem Roman beschreibt, das Alleingelassen Werden, nicht nur von den Freunden, sondern auch von den eigenen Eltern, die fehlende Gastfreundlichkeit in einem fremden Land und die ersten Auswirkungen der Pubertät, wird sehr gut umrissen und erhält auch nach dem Lesen des Buches (welches ich viel zu schnell ausgelesen hatte) eine prägnanten und bleibenden Eindruck. Nicht nur aufgrund der Gedichtform, sondern auch aufgrund der für Jüngere schwer zu begreifenden Problematik des Buches empfehle ich „Die Sprache des Wassers“ jedoch erst ab 16 Jahren all denjenigen, die sich stolze Leser eines 230 Seiten langen Gedichtbuchs nennen und in die Schönheit der Lyrik eintauchen wollen.
Ich vergebe 5 Sterne.
Miriam Thiel (16) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Außergewöhnliches