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Die drei Leben der Tomomi Ishikawa von Constable, Benjamin, Junge Literatur, Aus dem Leben, Zeitgeschehen

Die drei Leben der Tomomi Ishikawa

Constable, Benjamin

Übersetzung: Knuffinke, Sandra , Komina, Jessika

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: script5

Empfohlen ab: 16 Jahre

ISBN: 9783839001578

Inhalt

Tomomi Ishikawa ist tot. Sie hat sich umgebracht, so steht es in dem Abschiedsbrief an ihren Freund Ben Constable. Doch Tomomi weigert sich hartnäckig, in Frieden zu ruhen. Stattdessen hinterlässt sie Ben eine Menge rätselhafte Botschaften, die ihn, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, durch Paris, New York und Tomomis Vergangenheit führen. Ben würde gerne glauben, dass es sich bloß um ein Spiel handelt, dass die Geschichten, die Tomomi ihm hinterlassen hat, nur Ausgeburt ihrer Fantasie sind, doch dann offenbaren sie ihm ein grausames Geheimnis. War Tomomi Ishikawa in Wahrheit eine Serienmörderin? Und ist sie tatsächlich tot? Bald weiß Ben nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist.

Bewertung

Als Ben Constable die Nachricht erhält, seine beste Freundin Tomomi Ishikawa, auch Butterfly genannt, hätte sich umgebracht und ihm ihre kleinen Schätze hinterlassen, weiß er voller Verzweiflung und Ratlosigkeit zunächst nicht, was er tun soll. Er wusste immer, dass Tomomi depressiv war – zu oft hatte sie auch vom Tod gesprochen. Doch dass sie sich tatsächlich das Leben genommen haben soll, kann er nicht begreifen. Er befolgt die Anweisungen, die sie ihm in ihrem Abschiedsbrief hinterlassen hat und ehe er sich versieht, begibt Ben Constable sich mit seinem imaginären Wildkater Cat auf eine Schnitzeljagd quer durch Paris – und später dann auch durch New York. Dort lernt er vermeintlich zufällig die Studentin Beatrice kennen, die ihm bei seiner Suche nach Antworten helfen will. Doch nach und nach deckt Ben Constable nicht nur die dunkle Vergangenheit der Tomomi Ishikawa auf, sondern entdeckt auch Ungereimtheiten, die ihn an allem bisher Geschehenen zweifeln lassen. Auch wenn ihn seine Intuition bisher an die richtigen Orte geführt hat, traut er plötzlich seinem eigenen Urteilsvermögen nicht mehr und erst recht nicht seinen Erinnerungen an Tomomi, die immer schon extreme und übertriebene Geschichten erzählen konnte.
Ich muss zugegeben, dass ich mich am Anfang etwas schwer getan habe mit dem Buch. „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ ist zwar sehr ansprechend gestaltet, mit wunderbaren Worten und die Geschichte geht gleich spannend los, doch der erste von drei inhaltlichen Teilen (umfasst 133 Seiten) hat sich für meinen Geschmack etwas hinausgezogen. Die Geschichte spielt im modernen Paris, der Leser wird auf eine Stadtbesichtigung mitgenommen, doch manchmal war es mir zu viel, immer wieder von Straßen- und Ortsnamen zu lesen, unter denen ich mir trotz Beschreibung nichts vorstellen konnte. Der zweite Teil spielt in New York (ca. 190 Seiten) und da kommt die Geschichte richtig in Fahrt, was mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen ließ. Der dritte Teil hält dann eine wirklich überraschende Wendung parat.
Benjamin Constable (der Autor) hat mit seinem Debüt ein Werk geschaffen, dass spannend, traurig, wahnwitzig, wortgewandt und weltenverschiebend zu gleich ist, was sich gerade darin zeigt, dass dem Leser oft vorgegaukelt wird, es würde sich um eine wahre Geschichte handeln – schon allein, weil der Autor und der Protagonist denselben Namen haben und beide gerne Schriftsteller wären. Die Geschichte einer Schnitzjagd nach dem Tod einer geliebten Person habe ich so, wie sie hier geschrieben ist, noch nie gelesen. Erst wollte ich es mit „Tote Mädchen lügen nicht“ vergleichen, doch eigentlich ist sie ganz anders. Tomomi Ishikawas Schatzsuche und die ganze (traurige) Geschichte um sie herum ist der Versuch einer Person, sich selbst neu zu erfinden, wenn das Leben nicht so verlief, wie man es sich vorstellte. Dabei will sie sich unsterblich und bedeutend machen, um ihre ganz eigene Spur in der Welt zu hinterlassen. Eine Sehnsucht, die gerade Jugendliche miteinander teilen. So umgibt das Buch eine Faszination des Dunklen, des Todes und des Dramatischen, jedoch ohne Schwarzmalerei.
Ich empfehle das Buch Lesern ab 16 Jahren, da es an vielen Stellen brutal und sehr eindeutig zugeht und nicht immer klar herauszulesen ist, wie die Situationen zu werten sind. Es hat etwas von einem Thriller, einer Reiseabenteuergeschichte und erzählt sehr viel von Freundschaft.
Mich haben nur zwei kleine Dinge gestört, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe: Zum Einen fand ich das Argument, Tomomi hätte Depressionen, nicht sehr authentisch, wenn sie stark psychopathisch ist; und zum Anderen hat mir manches Mal der genaue Grund gefehlt, weshalb Ben Constable (die Figur) in bestimmten Situationen so reagiert und den natürlich richtigen Weg einschlägt.
Nichtsdestotrotz ist „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ ein fesselndes Erstlingswerk, bei dem man jedes Kapitel erst einmal sacken lassen muss.
Beatrice Buchholz (23) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Zeitgeschehen