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Edelherb von Zevin, Gabrielle, Jugendbücher, Liebe, Liebe

Edelherb

Band 2

Zevin, Gabrielle

Übersetzung: Fischer, Andrea

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Fischer FJB

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783841421319

Inhalt

New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal.
Der Oberstaatsanwalt findet einen Grund, um Anya Balanchine in die Erziehungsanstalt Liberty einsperren zu lassen. Und das nicht zum ersten Mal. Aber diesmal gelingt ihr die Flucht auf eine Kakaoplantage in Mexiko. Dort lernt sie alles über die Geheimnisse der Schokoladenherstellung und des Kakaoanbaus. Wird Anya ihr Erbe als Kartellchefin etwa doch antreten? Und was ist mit Win? Kann ihre Liebe auch diese Herausforderung überstehen? Anya ist in tödlicher Gefahr, denn vor den Intrigen der eigenen Familie ist sie nirgendwo sicher.

Bewertung

Der zweite Band der Schokoladen-Mafia-Reihe spielt auch dieses Mal im New York der Zukunft, wo sich an den schlechten Verhältnissen der Bevölkerung nichts verändert hat: Immer noch sind Strom, Wasser und Papier knapp; Kakao und Kaffee auch weiterhin verboten. Anya Balanchine, die am Ende des vorigen Bandes in die Besserungsanstalt „Liberty“ geschickt wurde, verlässt zu Beginn des Buches diese wieder und muss feststellen, dass die Welt mit jedem Tag korrupter wird. Zwischen politischen Machtkämpfen gefangen, und um ihre noch verbliebene Familie zu schützen, ist sie gezwungen, das Land zu verlassen. In Mexiko, wo sie bei der Familie einer angeheirateten Cousine unterkommt, lernt sie die harte Arbeit auf den Kakaoplantagen kennen. In Theo Marquez findet sie einen neuen treuen Freund, der wie sie der Erbe eines Schokoladenimperiums ist. Anya begreift, dass sie nicht einfach ihre Vergangenheit hinter sich lassen kann, wenn sie das Lebenswerk ihres verstorbenen Vaters aufrechterhalten will.
Wieder zurück in New York wartet eine Hiobsbotschaft nach der anderen auf sie: angefangen von Mord bis zu einer ungewollten Schwangerschaft. Und einmal mehr muss sie die schmerzliche Erfahrung machen, dass sicher geglaubte Freunde sich schnell als Feinde entpuppen können.
„Edelherb“ ist der Nachfolger von Gabrielle Zevins Jugendroman Bitterzart und knüpft unmittelbar an diesen an. Ich war gespannt auf die neuen Abenteuer, die Anya erleben wird und wurde ein wenig enttäuscht, da zwar wie schon im ersten Buch sehr viel (fast zu viel) passiert, aber es mich kaum berührt hat. Die Dystopie ist nur vereinzelt beschrieben, teils hatte ich das Gefühl, dass es in der Vergangenheit spielt. Die Liebesgeschichte zwischen Win und Anya ist ein ständiges Auf und Ab, dass keinerlei Romantik, geschweige denn Leidenschaft in sich trägt und eher nebensächlich wirkt. Die Geschichte um die Schokoladen-Mafia erhielt dieses Mal einen umfassenderen Plot, doch es schien mir immer noch nicht ausgereift. Wieder war es so, dass Anya als die unfehlbare Jugendliche dargestellt wurde, die den Erwachsenen alles diktieren kann. Ihre Religiosität fand ich in diesem Buch oberflächlicher dargestellt, als im vorigen: Zwar soll Anyas Glaube dieses Mal eine große Rolle spielen, weil dieser aufgrund der vielen schlimmen Erlebnisse auf die Probe gestellt wird, aber es hat mir nicht ausgereicht, wie die Autorin es beschrieb. Die Gedanken zu Gott und der Kirche wirkten sehr platt, was mich vermuten lässt, dass Gabrielle Zevin selbst nicht religiös ist, bzw. sich nicht gut in eine solche Situation hineinversetzen kann. Es hat sich weder eine Figurenentwicklung noch eine Schreibwicklung der Autorin vollzogen. Die meisten Figuren haben keine festen Charakterzüge und sind je nach Szene beinahe austauschbar. Eine handvoll Kapitel war wirklich gut und spannend geschrieben, teils dramatisch und brutal, aber auf die Gesamtlänge des Romans bezogen fand ich das schwach. Dieses Mal gefiel mir auch die Ich-Erzählperspektive nicht, da deutlich wurde, wie oberflächlich die anderen Figuren außer Anya bleiben. Natürlich hätte die Autorin das nicht einfach abändern können, aber gewisse Tricks und Kniffe der Erzählkunst beherrscht sie leider nicht. So fehlen auch dieses Mal Atmosphäre, bildhafte äußere Beschreibungen und glaubhafte Motive. Bisweilen hatte ich das Gefühl, ein Serien-Drehbuch zu lesen – so einfach waren die Dialoge und Konfliktlösungen in jedem Kapitel (die wieder störend unterschiedlich lang waren). Manchen Stellen liest man heraus, dass weder die Autorin noch die Lektoren sich groß Mühe gegeben haben, sie auszubauen. Gabrielle Zevin hat sich zwar auch bei dem Nachfolger von „Bitterzart“ einen eigentlich spannenden Plot ausgedacht, doch ich vermute, dass sie es unter Zeitdruck nicht schaffte, ihn auch tiefgründig zu gestalten.
Das deutsche Cover ist wieder sehr schön gestaltet. Wäre das auf einer Balanchine Schokoladen-Verpackung, würde ich sie glattweg kaufen. Es gefällt mir auch wesentlich besser als das amerikanische Original und spricht auch eher die Zielgruppe (ab 14 Jahren) an.
Schade, dass es im zweiten Band keine Steigerung gab, obwohl manche Entwicklungen richtiges Potenzial hatten. Es sollte einfach zu vieles untergebracht werden – auf Kosten der Atmosphäre und Spannung. Deshalb gibt es dieses Mal von mir 2 Sterne. Ein dritter Band ist in Planung – für den muss sich Gabrielle Zevin richtig was einfallen lassen.
Beatrice Buchholz :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Liebe