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Eine Tat wie diese von Efaw, Amy, Jugendbücher, Aus dem Leben, Aus dem Leben

Eine Tat wie diese

Efaw, Amy

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783551310811

Inhalt

Die 15-jährige Devon ist Musterschülerin, verantwortungsbewusst und ein großes Fußballtalent. Doch jetzt sitzt ausgerechnet sie in Untersuchungshaft, angeklagt des Mordversuchs, der Misshandlung und Aussetzung. Denn das Baby, das in einer Mülltonne hinter dem Haus gefunden wurde, ist ihr Kind. Und niemand glaubt Devon, dass sie von der Geburt völlig überrascht wurde und im Affekt gehandelt hat. Eine mühevolle Suche nach der Wahrheit beginnt. Und dabei steht nicht weniger auf dem Spiel, als Devons Zukunft ...

Bewertung

Was treibt einen Menschen dazu, ein Neugeborenes, sein Neugeborenes, auszusetzen und dem Tod zu überlassen?
„Eine Tat wie diese“ erzählt auf sehr einfühlsame und realistische Art die Geschichte einer 15-Jährigen, die nach einer plötzlichen Geburt und dem ‚Entsorgen‘ des Neugeborenen von der Polizei festgenommen wird. Devon Davenport kommt in die Jugendstrafanstalt Remann Hall, wo sie sich bis zu ihren Prozessen aufhalten muss. Während dieser Zeit der Isolation von der Außenwelt wird sie sich nur Stück für Stück über ihre Tat bewusst und sie erkennt, was sie in jener Nacht getan hat.
Die Geschichte handelt nicht so sehr von der Frage der Schuld oder Unschuld, sondern: Nach welchem Maß ist Devon zu bestrafen? Während der Staatsanwalt das Erwachsenenstrafmaß ansetzt, sind Devon und ihre verdammt gute Anwältin darauf bedacht, für sie das Jugendstrafrecht geltend zu machen. Dass der Fokus auf diesem Thema liegt, der Zurechnungsfähigkeit und Reife einer jugendlichen Straftäterin, fand ich überraschend und interessant.
Amy Efew zeichnet mit ihrem Roman ein umfassendes und beeindruckendes Bild von einer Täterin und ihrer Geschichte, die man unbedingt kennen muss, um nicht vorschnell zu urteilen. Denn Devon Davenport (die das Neugeborene durchweg ‚ES‘ nennt und erst im letzten Viertel einmal an ‚Baby‘ denkt), ist keine Mutter, keine Mörderin, keine Psychopathin – sondern eine überforderte, sehr junge Frau mit einem plötzlich gescheiterten Lebensentwurf, aber sicherlich keinem Tötungsplan.
Es werden durch das Buch hinweg alle Fragen gestellt, die man als Außenstehender haben kann. Von naivem Schönreden oder dem Weglassen von unangenehmen Fragen wird abgesehen, Devons Geschichte ist schrecklich ehrlich und realistisch gestaltet; so wie auch die auftretenden Figuren mit ihren sehr gut ausgearbeiteten Charakteren.
Die Stimmung und der Handlungsverlauf von „Eine Tat wie diese“ ist vielleicht vergleichbar mit „19 Minuten“ von Jodi Picault oder „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher. Man könnte es auch als das Gegenbeispiel zu dem Coming-of-Age-Film „Juno“ betrachten. Es ist eine Familien- und Gesellschaftstragödie, ohne Happy End, dafür mit einem offenen, aber bemerkenswert reifen Ende. Für mich das bisher beste Jugendbuch des Jahres 2012 und unbedingt lesenswert. 5 Sterne (gerne aber mehr).
Beatrice Buchholz (21) :: Redaktion Buecherkinder.de

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