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Eins von Crossan, Sarah, Jugendbücher, Aus dem Leben, Anders sein , Erwachsenwerden, Liebe

Eins

Crossan, Sarah

Übersetzung: Setsman, Cordula

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Mixtvision

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783958540576

Inhalt

Die Schwestern Tippi und Grace sind wie andere Teenager – sie streiten sich, verlieben sich in Jungs, gehen ihren Hobbies nach ... Doch das Besondere an ihnen ist: Sie sind sich mehr verbunden als andere Schwestern – sie sind an der Hüfte zusammengewachsen. Aus der Ich-Perspektive erfahren wir, wie es ist, wenn man nie allein ist und vor eine Wahl gestellt wird, die über Leben und Tod entscheidet.

Bewertung

2 Köpfe, 2 Oberkörper, 4 Arme aber nur 1 Paar Beine. So sehen die meisten Menschen Grace und Tippi. Sonderbar, bemitleidenswert, Tier oder sogar Monster werden sie genannt. Nur diejenigen, die sie besser kennen, sehen, wer sie wirklich sind: Zwei Individuen, die sich einen Körper teilen. Sie sind zwei und doch eins. Und es macht ihnen nichts aus. Zumindest nicht bis sie das erste Mal eine öffentliche Schule besuchen sollen und einer Horde Gleichaltriger gegenüberstehen. Doch so richtig kommt ihre über Jahre erarbeitete Normalität erst ins Wanken, als Grace Herz zu versagen droht und die beiden die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen müssen.

 

Grace und Tippi sind siamesische Zwillinge und von vielen ihrer Mitmenschen werden sie als nur eine Person angesehen. Doch in „Eins“ erzählt Grace ihre Seite der eng miteinander verwobenen Geschichte der beiden Schwestern, ihre Gedanken und Gefühle. Tippi erschien mir als Leserin trotz der großen emotionalen, wie auch räumlichen Nähe zwischen den Schwestern beinahe unerreichbar. Grace hingegen bringt ihre Gedanken ungefiltert zu Papier. Dabei wählt die Autorin eine sehr spezielle Darstellungsweise. Die Worte sind gezielt auf der Seite platziert und beinahe wie bei einem Gedicht angeordnet. Da deshalb immer nur wenige Worte auf einer Seite stehen und die Kapitel dementsprechend sehr kurz sind, ist es beinahe unmöglich mit dem Lesen aufzuhören. Man wird so in die Gedanken von Grace hineingezogen, dass das Auftauchen in die normale Welt erst nach der letzten Seite wirklich funktioniert.

Die Probleme in der Familie und in der Schule beschreibt Grace so eindrücklich, dass man einfach mit ihr mitfühlen muss. Mitleid hingegen, das macht sie ganz deutlich, will Grace nicht. Wenn sie gefragt wird, wie sie ihr Leben als siamesischer Zwilling findet, antwortet sie, sie wolle es nicht anders. Trotzdem fällt es ihr schwer, sich von Tippi abzugrenzen und sich nicht nur über ihre Schwester zu definieren, so dass einem als Leser manchmal Zweifel an ihrer überzeugten Antwort kommen.

Als die beiden auf die neue Schule kommen stehen sie auch den ganz normalen Problemen eines Teenagerlebens gegenüber und sie finden auch Freunde, die sie so akzeptieren wie sie sind. Wenn die Schwestern mit ihren neuen Freunden Unterricht schwänzen oder gemeinsam einen Road Trip unternehmen wollen vergisst man, dass die beiden an der Hüfte zusammengewachsen sind. Diese unterschiedliche Darstellung der Schwestern als Individuen aber gleichzeitig auch als Einheit ist das, was mir an dieser Geschichte so gut gefallen hat. Die Entscheidungen, vor denen die beiden gegen Ende der Geschichte stehen und die so viel verbessern oder auch zerstören können, machen es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen, und das Ende hat bei mir als Leserin einen langanhaltenden Nachhall hinterlassen.

 

Was genau diesen Roman so unglaublich stark macht ist schwer in Worte zu fassen. Die poetische Darstellung und Sprache, die Ehrlichkeit der Protagonistin, das Besondere und gleichzeitig Normale an ihrer Lage bilden eine Geschichte, die zu Herzen geht, die zum Nachdenken anregt und die ich gewiss nicht zum letzten Mal gelesen habe.

 

Tessa Marie Scholler (19) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Anders sein , Erwachsenwerden, Liebe