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Exit Sugartown von Petersen, Martin, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden, Zeitgeschehen

Exit Sugartown

Petersen, Martin

Übersetzung: Buchinger, Friederike

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Dressler

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783791500072

Inhalt

Eine Geschichte, wie sie jeden Tag auf der ganzen Welt geschieht: Die 17-jährige Dawn wächst mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Charlie in Sugartown auf. Ihr Vater findet immer seltener Arbeit, kommt dafür immer öfter betrunken nach Hause. Ihre Mutter näht zum minimalen Lohn. Als Dawn 16 ist, stirbt ihre Mutter. Doch schließlich muss auch ihr kleiner Bruder den Schulbesuch gegen die Arbeit in einer Ziegelei intauschen. Da lernt sie zwei junge Männer kennen, die von den guten Verdienstchancen der "Weißen Welt" erzählen. Dawn trifft einen schicksalsschweren Entschluss. Um ihrer Familie, allen voran Charlie, zu helfen, lässt sie sich auf eine Schlepperbande ein: der Anfang einer gnadenlosen Flucht.

Bewertung

„Exit Sugar Town“ ist ein Jugendroman, geschrieben von Martin Peterson, in dem es um die siebzehnjährige Dawn geht. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder in Sugartown, einer Stadt die exemplarisch für eine der vielen Großstädte in Afrika steht, in denen die Bewohner in bitterer Armut leben.

Dawn ist ein kluges, schönes Mädchen, das gerne zur Schule geht und besonders gut in Englisch ist, aber, um ihre Familie zu unterstützen, zu arbeiten anfängt. Sie begreift jedoch schnell, dass sie in Sugar Town immer in Armut leben wird und beschließt, zusammen mit ihrer besten Freundin über das Meer in die Stadt der Reichen zu reisen, nach City.

Diese Reise ist viel gefährlicher als vermutet und in City ist ihr Leben und das ihrer Familie plötzlich in Gefahr.

 

Das Cover passt meiner Meinung nach sehr gut zu der Geschichte, da es durch die vielen vermischten Farben und den stürmischen Himmel über der Skyline die aufgewühlte und angespannte Stimmung im Buch aufgreift. Das Gesicht, das ausgewählt wurde, gefällt mir ebenfalls gut, da es den ernsten und entschlossenen Charakter von Dawn gut wiederspiegelt, auch wenn dadurch in die Vorstellungskraft des Lesers eingegriffen wird. Der Stacheldraht greift die Hindernisse, die Zäune und Mauern die immer wieder überquert werden müssen auf und passt ebenfalls ausgezeichnet.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Dawn erzählt, wodurch der Leser sich mühelos in sie hinein versetzen kann um ihre Geschichte selbst mitzuerleben. Dies ist besonders wichtig, da es sich bei Dawn um eine Figur handelt, deren Lebensumstände vielen so fremd sein werden, dass man ansonsten ihre Handlungen, Wünsche und Ängste kaum nachvollziehen kann. Durch die Ich-Perspektive kann man verstehen, warum sie all diese Gefahren auf sich nimmt, um zu fliehen, wie es ist, in einem der ärmsten Länder der Welt aufzuwachsen und plötzlich in einem der reichsten zu leben.

Es wird die Chance geboten, unsere Welt aus einem völlig neuen Blickwinkel zu sehen. Die Geschichte wird auch im Buch selbst von Dawn erzählt, da ihr ein Journalist einen Rekorder gegeben hat, um ihre Geschichte fest zu halten. Von diesem Reporter gibt es im Verlauf der Geschehnisse immer wieder kurze Kommentare zum Erzählten, wodurch das Gefühl verstärkt wird, jemandem zuzuhören, der einem gerade seine eigene Lebensgeschichte erzählt, und nicht einfach nur ein Buch über jemanden zu lesen.

Der Schreibstil ist, wie die Hauptfigur selbst, jugendlich und an ihren Wissensstand angepasst. Durch kleine sprachliche Besonderheiten wird die Figur ausgesprochen realistisch, da alles an ihr und ihrer Geschichte, sogar der Sprachstil, bis ins letzte Detail aufeinander abgestimmt sind.

Die Charaktere sind sehr wirklichkeitsnah und mehrdimensional gestaltet, sie haben alle Wünsche, Hoffnungen, Träume und Ängste, alle haben Gründe für ihr Handeln und niemand kann einfach in gut oder böse eingeteilt werden. Man merkt deutlich, dass der Autor sich bei dem Entwerfen seiner Figuren etwas gedacht hat, denn alle haben passende Hintergrundgeschichten und jede Figur handelt, aus ihrem eigenen Standpunkt heraus, logisch.

 

Die Geschichte von Dawn ist eine Geschichte, wie sie die vieler Flüchtlinge sein könnte und steht exemplarisch für das Leben unglaublich vieler Menschen, die alles aufgeben um für sich und die, die sie lieben ein besseres Leben zu erarbeiten. In „Exit Sugar Town“ wird nichts beschönt aber auch nicht dramatisiert, sondern schlicht berichtet, was einem Dawns Schicksal umso näher gehen lässt.

Exit Sugar Town ist ein spannendes, wichtiges Buch, das ich Jungen und Mädchen ab 14 Jahren genauso wie Erwachsenen jeden Alters empfehlen würde. Ich vergebe 5 Sterne.

 

Annina Hacheney (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden, Zeitgeschehen