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Herzsteine von Jansen, Hanna, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie

Herzsteine

Jansen, Hanna

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Peter Hammer

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783779503743

Inhalt

Das ist viel verlangt: Ein ganzes Jahr soll Sam fern von Hamburg und seinen Freunden auf Sylt zur Schule gehen! Grund für den Umzug auf Zeit ist Sams Mutter Fe. Fe kommt aus Ruanda, vor 17 Jahren ist sie vor dem Völkermord in ihrer afrikanischen Heimat nach Europa geflohen. Jetzt wird sie von ihrem Trauma eingeholt und droht ernsthaft krank zu werden. Alle hoffen, dass die Insel ihr gut tut. Auf der Inselschule ist Sam nicht der einzige Exot. Doch während er sich nur gegen die Anmache einiger Mädchen wehren muss, zieht das Mädchen Enna den Spott der Mitschüler auf sich. Ihre Mutter ist Heilerin und wird mit Argwohn von den Inselbewohnern beäugt. Sam aber ist beeindruckt von Ennas ruhigem Selbstbewusstsein. Die beiden kommen sich näher und Sam findet bei Enna die beglückende Nähe, die ihm zuhause so fehlt. Doch noch einmal wird Sam fortgerissen, diesmal nach Ruanda. Hier in Afrika erfährt er endlich, wer seine Mutter wirklich ist, was sie erlebt und verloren hat. Er beginnt zu verstehen: Fes Geschichte, ihre Schuldgefühle gegenüber allen, die den Genozid nicht überlebt haben, ihre Gefühle für ihn und seinen Vater und warum sie noch in Ruanda bleiben muss. Das alles führt Sam näher zu sich selbst und schließlich zurück auf die Insel, zu Enna.

Bewertung

Hanna Janssens Jugendroman "Herzsteine" erzählt die Geschichte des sechzehnjährigen Sam, der nach und nach einige Geheimnisse zu lüften beginnt.
Nach dem Umzug nach Sylt muss Sam sich erst einmal neu zurecht finden. In der neuen Klasse, im neuen Dorf, alles ist anders als in Hamburg und seine Mutter benimmt sich auch merkwürdig. Was nun allerdings kein großer Unterschied zu Hamburg ist. Dort wurde sie zuvor völlig aufgelöst von der Polizei nach Hause gebracht, nachdem sie sich Stunden in einem Kaufhaus versteckt hatte. Eines Abends während des ersten schlimmen Sturms auf Sylt verschwindet sie völlig und wird mitten in der Nacht von Ennas Mutter nach Hause gebracht. Sam und Enna sind verliebt, zumindest etwas das gerade in Sams Leben rund zu laufen scheint. Denn nach dem nächtlichen Ausflug verreist Sams Mutter Fe nach Ruanda, ihrem afrikanischen Heimatland, ohne Sam und seinen Vater. Die beiden sind nun auf sich allein gestellt und besuchen Fe erst nach Monaten in Afrika – mit dem Ziel sie nach Hause zu holen. Doch in Ruanda beginnt Sam erst zu verstehen und Fe spricht das erste Mal offen über ihre Vergangenheit. Der Völkermord hat das Land verwüstet und keinen aus Fes Familie am Leben gelassen. Sie erzählt wie sie floh und alle im Stich lies, wie sie Sams Vater kennen lernte und die Ereignisse sich aneinander reihten, so dass sie plötzlich heirateten. Sie erzählt von ihrer Kindheit auf dem Land mit der ganzen Familie und wie sie mit den Kühen spielte. Schließlich ist sie sogar bereit dorthin zurück zu kehren wo alles begann. In ihr altes Dorf und zwar mit Sam an ihrer Seite. Völlig verwüstet und ohne lebende Verwandte finden sie es vor, doch endlich fühlt Sam sich ihr nah und kann sie verstehen. Doch als sich seine Eltern auch noch zu trennen beschließen, steht Sam vor der Frage: Wie wird Fe sich entscheiden: für Afrika oder für ihn?
Ein wirklich fantastisches Buch mit spannender Geschichte und interessanten Hintergründen! Nachdem ich es nach den ersten Seiten am liebsten sofort wieder zugeklappt hätte, las ich die Letzten mehrmals, da ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen konnte. Leider hat es für mich einen ganz großen „Makel“: es ist in der Gegenwart geschrieben. Das mag banal klingen, doch es ist so ungewöhnlich und anstrengend zu lesen, dass es für mich das Buch leider um einiges Schlechter machte, da mir diese Form leider gar nicht gefällt. So begann ich jeden Satz umzustellen und das Buch in der Vergangenheit zu lesen. Während ich die erste Hälfte zunächst etwas langweilig fand (ein Teenager zieht um, verliebt sich in die unbeliebt Neue, es gibt Probleme zwischen den Eltern...), rührte mich die zweite Hälfte so, dass ich mindestens fünf Packungen Taschentücher benötigte. Diese völlig andere Kultur und Geschichte des Staats Ruanda haben mich fasziniert und geschockt. Ihre Aspekte waren wirklich genial in Sams Geschichte eingeflochten. Auch die Unterbrechungen durch Fes Erzählungen gefielen mir sehr gut, da sie alles rätselhaft erscheinen ließen und dem Leser das Gefühl gaben, Sams Fragen schon beantworten zu können, die Handlung dann allerdings doch eine unerwartete Wendung nahm. Nicht so gut gefiel mir die Charakterbeschreibung der Personen, bis auf weninge Stellen schienen sie fremd, hatten keinen starke, ausgeprägten Charaktere und man konnte sich nicht mit ihnen identifizieren. Anfangs orientierte ich mich noch am Titelbild, welches sich allerdings bald mit den Beschreibungen zu widersprechen schien.
Alles in allem eine gelungene, rührende und interessante Geschichte mit einigen „Makeln“. Ich vergebe 4 Sterne.
Elisa Lehmann (13) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie