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Hier könnte das Ende der Welt sein von Whaley, John Corey, Jugendbücher, Krimi & Thriller, Erwachsenwerden

Hier könnte das Ende der Welt sein

Whaley, John Corey

Übersetzung: Jandl, Andreas

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783446245075

Inhalt

Cullen stehen wie immer quälend lange Ferien in der Kleinstadt Lily bevor. Es ist ein Ort, an den man ziehen möchte, kurz bevor man stirbt. Teenager kann so viel Ruhe und Frieden deprimieren – zumal wenn sie unglücklich verliebt sind. Zum Beispiel in Ada, auch die "Schwarze Witwe" genannt, weil sie bisher quasi alle ihre Freunde durch mysteriöse Unfälle verloren hat. Da taucht eines Tages ein Fremder auf und behauptet, er habe eine ausgestorbene Spechtart in Lily entdeckt. Kurz darauf verschwindet, inmitten der aufkommenden Specht-Hysterie, Cullens Bruder Gabriel ...

Bewertung

Als ich „Hier könnte das Ende der Welt sein“ beendete, verschob sich ein kleiner Teil meines Blickes auf die Welt, so berührt war ich zum Ende hin von dem Buch. Cullens Geschichte, oder viel mehr die seiner Familie in einer amerikanischen Südstaatenkleinstadt, ist nichts Außergewöhnliches an sich, doch sie zeigt einmal mehr, wie wenig wir das eigentlich Bekannte verstehen. Zum Beispiel die Trauer oder die Angst, von denen wir wissen, dass sie allgegenwärtig sind, doch wenn es einen überkommt, lähmt es.
Im Städtchen Lily, wo sich Cullens Leben abspielt, gibt es nichts Auffallendes. Die Liebe ist da oder eben nicht, in Cullens Fall läuft sie ein paar Mal winkend vorbei, bleibt aber nie. Freundschaft und Familie sind die Grundpfeiler des Lebens eines Jugendlichen in diesem Ort und die Beziehungen, die John Corey Whaley für alle Charaktere gestaltet, fand ich sehr gut gelungen, spannend und authentisch. Es wird von einer Zeit erzählt, in der ein angeblich ausgestorbener Specht in Lily auftaucht und die Stadt in eine Kulthysterie stürzt – und gleichzeitig Cullens Bruder Gabriel auf mysteriöse Weise verschwindet, womit weder die betroffene Familie, noch das soziale Umfeld umzugehen wissen. Diese Dynamik zwischen Aufregung und Depression hat der Autor sehr gekonnt zusammengeführt und es zeigt, dass es nie nur eine Sache im Leben gibt, die uns beschäftigt.
Die Erzählung ist in zwei Hauptgeschichten gegliedert, die sich von Kapitel zu Kapitel abwechseln: Zum einen gibt es Cullens Geschichte (geschrieben aus der Ich-Perspektive) und die Geschichte Benton-Cabot (personaler Erzähler), über zwei junge Männer, die die Religion für sich entdecken und ganz unterschiedlich von ihr fasziniert sind. Mir war bewusst, dass die Geschichten irgendwann ineinanderlaufen würden, doch anfangs wirken sie nicht zusammenpassend, da sie auch auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Die Erzähltechnik, derer sich Whaley bedient, ist eine Sache für sich. Denn jedes Mal, wenn Cullen in eine emotional bedrohliche oder ernste Lage gerät, wechselt der Erzähler unverhofft von der Ich- zur Er-Perspektive und es wird von „jemandem“ erzählt, der Dinge erlebt, die Cullen sich ausmalt. Das Ganze wirkt befremdlich, hat aber einen gewissen psychologischen Effekt, dem man herausliest, dass eine Art Zensor oder Schutzbarriere sich in Cullens Denken aufgetan hat.
Als mir langsam dämmerte, wie die verschiedenen Geschichten und Motive ineinanderlaufen würden, musste ich das Buch für ein paar Tage beiseite legen, weil ich wirklich ein wenig Angst vor dem hatte, was unausweichlich kommen würde. Und am Ende war ich schließlich so aufgewühlt, dass ich nicht mal beschreiben kann, was mich so berührt hat. Das Buch ist vielschichtig und greift viele Themen auf, neben den für ein Jugendbuch typischen wie der ersten Liebe, bedingungsloser Freundschaft, familiären Bänden und Trennungen, Schulabschlüssen und dem Finden des Platzes in der Gesellschaft, auch ganz Grundlegendes wie menschlichen Verhaltensweisen in Ausnahmesituationen und der Gefahr des Realitätsverlustes. Von mir bekommt „Hier könnte das Ende der Welt sein“ 4 Sterne mit dem Zusatz: Ihr werdet die Lektüre des Romans nicht bereuen!
Der Spannungsbogen hin zum Höhepunkt war innerhalb der ersten Hälfte etwas träge und auch ein paar Passagen über die Spiritualität und Religiosität fand ich nicht immer durchsichtig, das aber als einzigen Mangel meinerseits. Nichtsdestotrotz ist es ein empfehlenswertes Debüt, das dem Autoren John Corey Whaley zu einem Nachfolger John Greens oder David Levithan machen könnte. Er schafft es nämlich, sowohl weibliche als auch männliche Leser gleichermaßen anzusprechen und zu begeistern, und das in einer Zeit ihres Lebens, in der sie von so vielen Dingen beeinflusst, abgelenkt und geprägt werden. Jeder Leser ab 14 Jahren sollte zumindest einmal in das Buch hineingelesen haben.
Beatrice Buchholz (23) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden