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Himmel ohne Sterne von Schröder, Rainer M., Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte, Ferne Länder

Himmel ohne Sterne

Schröder, Rainer M.

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: cbj

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783570172223

Inhalt

Alija Bet – das ist der Codename für die illegale Einwanderung in das britische Mandatsgebiet Palästina. Und es ist der Hoffnungsschimmer am Horizont für Leah und Jannek – die beide als einzige ihrer Familien die KZs überlebt haben und nun 1946 traumatisiert als lebende Tote durch das zerbombte München ziehen. Sie hören von der gefahrvollen und teuren Überfahrt auf überfüllten Schrottdampfern, den vielen ertrunkenen oder in Internierungslagern der Briten inhaftierten Flüchtlingen, den Kämpfen mit den arabischen Einwohnern vor Ort. Aber sie haben keine Alternative. Und so machen sich die beiden als illegale Flüchtlinge auf den Weg über das Mittelmeer – mit der Hoffnung auf eine neue Heimat.

Bewertung

Ende 1946. Der 2. Weltkrieg ist vorbei, Deutschland liegt in Schutt und Asche. Die Überlebenden ziehen mehr tot als lebendig durch die Gegend, in der Hoffnung, den nahenden Winter zu überstehen. So geht es auch der 16-jährigen Leah. Sie hat als einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt und zieht nun durch das zerbombte München. Etwas besser geht es ihr dann, als sie ihren Jugendfreund Jannek wiedertrifft und sie gemeinsam diese schwere Zeit durchstehen können.

Parallel zu Leahs und Janneks Geschichte wird von Familie Buchheim berichtet, die zwar früh genug vor den Nazis nach England fliehen konnte, hier aber auch Opfer der sich immer wiederholenden Pogrome gegen Juden wird. Unabhängig voneinander treffen sowohl Leah und Jannek als auch Familie Buchheim den Entschluss, mithilfe der jüdischen Untergrund-Organisation Hagana Alija-Bet – das ist die illegale Einwanderung von Juden ins britsche Mandatsgebiet Palästina - zu machen …

 

Der insgesamt 573 Seiten umfassende Roman ist eine absolut lesenswerte auf Fakten basierende Geschichte, aus der man einiges lernen kann. Oft hat man historischen Romanen über gewisse Vorurteile, die sich vorwiegend um das Stichwort „langweilig“ drehen, die für mich aber spätestens nach den ersten 100 Seiten dieses Meisterwerks revidiert waren.

Im Nachwort weist Rainer M. Schröder darauf hin, dass die Details dieser Geschichte zwar Fiktion sind, wie z. B. die einzelnen Figuren, die Ereignisse an sich aber zu 90 Prozent den Erzählungen von Zeitzeugen entspringen. Beim Lesen dieses Buches denkt man sich ein ums andere Mal, wie spannend Geschichte, ja, DEUTSCHE Geschichte, doch sein kann.

Viele der Gegebenheiten sind sogar brandaktuell! - Flucht übers Mittelmeer - Am Zielort unerwünschter Flüchtling zu sein - Palästinensische Terroristen, die bei ihren Anschlägen „Allahu Akbar!“ brüllen - usw. All dies kommt mir doch sehr bekannt vor!

Auch durch diese historischen Parallelen fällt es schwer, sich wieder vom Buch loszureißen, da man tatsächlich ein ums andere Mal die Gegenwart wiedererkennt. Man darf allerdings nicht verleugnen, dass das Buch durch die realitätsnahen Schilderungen beinahe verstörend und zuweilen angsteinflößend wirkt, aber wie sollte man sonst einen realistischen historischen Roman verfassen, wenn man grausige Gegebenheiten unter den Teppich kehrt?

 

Somit empfehle ich das Buch sowohl für Liebhaber historischer Romane, für Leute, die spannende Bücher mögen, für Leser, die ein klein bisschen Liebesgeschichte dabei haben wollen… Kurz: für alle ab 13 Jahren! Für dieses Meisterwerk hat der Autor volle 5 Sterne verdient und ich hoffe, dass dieses nicht das letzte Buch in diesem Stil war.


Raphael Mergehenn (13) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte, Ferne Länder