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Hunde muss man gar nicht mögen von Heesen, Martha, Kinderbücher, Kinderliteratur, Freundschaft

Hunde muss man gar nicht mögen

Heesen, Martha / Bohn, Maja

Übersetzung: Erdorf, Rolf

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Gerstenberg

Empfohlen ab: 9 Jahre

ISBN: 9783836957335

Inhalt

Nenes Lieblingsplatz ist oben im Apfelbaum. Dort schmiedet sie zusammmen mit Coppe Pläne für ein Baumhaus. Doch dann hat der Nachbarsjunge einen Unfall, und als er endlich wieder aus dem Krankenhaus kommt, ist er nicht mehr derselbe. Das Baumhaus scheint er vergessen zu haben und alles dreht sich nur noch um Coppe und seinen neuen Hund Wolf.
An einem heißen Sommertag wird Wolf beim Baden im Fluss von der Strömung mitgerissen und verschwindet spurlos. In der Nacht hat Nene plötzlich eine Idee, wo der Hund sein könnte. Ganz alleine macht sie sich auf die Suche.

Bewertung

Die neunjährige Nene und ihr bester Freund Coppe, der gleich nebenan wohnt, sind unzertrennlich. Sie verbringen die Nachmittage auf ihrem Lieblingsast im alten Apfelbaum und schmieden eifrig Pläne für ein Baumhaus, das sie gemeinsam bauen wollen. Dabei gibt Nene immer ein wenig acht auf Coppe, denn der ist nicht nur ein halbes Jahr jünger, sondern auch schrecklich tollpatschig.

Beim Bau des Baumhauses aber will Coppe unbedingt auch fleißig mithelfen, und so schleicht er heimlich aus dem Haus, um ein großes Stück Wellblech für das Dach zu besorgen. An der Straße jedoch wird Coppe von einem Motorrad angefahren – schwer verletzt kommt er ins Krankenhaus, und es vergehen beinahe drei volle Monate, bevor er wieder nach Hause darf. Nene denkt in dieser Zeit ständig an Coppe, und sie kann es kaum erwarten, wieder mit ihm zu spielen.

Doch als Coppe zurückkehrt, ist er zwar äußerlich bis auf eine Narbe an der Stirn wieder heil, doch er wirkt ganz in sich gekehrt und hat auf gar nichts mehr Lust. Nene gibt sich alle Mühe, doch erst ein ganz besonderes Geschenk seiner Mutter weckt Coppe wieder aus seiner Antriebslosigkeit: ein kleiner Hund, den Coppe auf den Namen Wolf tauft. Nun aber will Coppe nur noch mit Wolf zusammensein, und für Nene scheint er sich gar nicht mehr zu interessieren. Das macht Nene wütend und traurig, und sie wird richtig sauer auf Wolf. Zwar lädt Coppes Mutter sie ein paar Mal ein, sich doch einfach ebenfalls mit Wolf anzufreunden, aber Nene hat – wenn sie ganz ehrlich ist – auch ein bisschen Angst vor Hunden, und Wolf wird jeden Tag größer ...

Trotzdem gibt Nene sich Mühe, und eines Tages lässt sie sich zu einem Ausflug mit Wolf und Coppe überreden. Die drei gehen gemeinsam spazieren, dann zu der kleinen Bucht und schwimmen sogar ein wenig. Beinahe spaßig ist es im Wasser – bis Coppe aus Versehen ein Stöckchen zu weit in den Fluss wirft und Wolf bei dem Versuch, es zurückzuholen, von der Strömung fortgetrieben wird. Die Suche nach ihm verläuft erfolglos, und Coppe ist am Boden zerstört. Auch Nene ist sehr betroffen, denn sie fühlt sich schuldig – zwar hat sie sich insgeheim manchmal gewünscht, dass Wolf wieder verschwinden solle, doch so hat sie sich das nicht vorgestellt ...

Als sie mitten in der Nacht mit einer plötzlichen Eingebung, wo Wolf angeschwemmt worden sein könnte, wach wird, weiß sie deshalb genau, was sie zu tun hat. Obwohl es dunkel ist. Obwohl sie niemanden wecken kann. Und obwohl sie ja eigentlich Angst vor Hunden hat. Aber Coppe ist ihr unendlich wichtig, und wenn Coppe nur mit Wolf glücklich werden kann ...

 

Eine schlichte und geradlinige Handlung, die allerdings mit so viel Einfühlungsvermögen und Herzenswärme erzählt wird, dass sie den Leser von der ersten Seite an fesselt. Die Autorin nimmt die kindlichen Hauptfiguren mit ihren Sorgen und Nöten ernst und schildert diese ohne jede Effekthascherei oder überzogene Dramatisierung. So kommen Nenes Traurigkeit, Eifersucht, aber auch ihre tiefe Zuneigung zu Coppe, ihr Mut und schließlich die Versöhnung der Freunde nicht nur im Text, sondern auch zwischen den Zeilen zur Entfaltung. Der Leser erhält die Chance, nicht nur Nenes Sicht zu verstehen, sondern sich auch in Coppes Lage zu versetzen; ebenso werden die Positionen der übrigen Familienmitglieder – etwa Coppes Mama oder Nenes Papa – nachvollziehbar. Gefühlsduselei oder fehlende Spannung lassen sich dem Text dennoch an keiner Stelle vorwerfen, und auch an feinsinnigem Humor mangelt es der Geschichte nicht. So entspinnt sich auf relativ wenigen Seiten eine vielschichtige, authentische und warmherzige Geschichte mit originellen, individuellen und lebensnahen Charakteren, die schnell zu Sympathieträgern und Identifikationsfiguren werden.

 

Kurz: Ein leises Buch ohne übertriebene Dramatik, aber mit einer starken, authentischen und berührenden Geschichte, die nicht zuletzt durch viele, mitunter sehr humorvolle Illustrationen auch Witz und Leichtigkeit nicht vermissen lässt. Und somit eine absolute Leseempfehlung.


Fabienne Pfeiffer :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Freundschaft