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Ich bin Tess von Moggach, Lottie, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden

Ich bin Tess

Moggach, Lottie

Übersetzung: Knuffinke, Sandra , Komina, Jessika

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: script5

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783839001585

Inhalt

Okay, nehmen wir uns einmal dieses hypothetische Dilemma vor: Eine Frau leidet an einer Krankheit, die an und für sich nicht lebensbedrohlich ist, aber ihre Lebensqualität stark einschränkt und auch nicht heilbar ist. Nach reiflicher Überlegung kommt sie zu dem Schluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber sie weiß, dass sie damit ihrer Familie und ihren Freunden großen Kummer bereiten würde und handelt daher nicht. Dennoch wünscht sie sich verzweifelt den Tod und an dieser Einstellung ändert sich auch über die Jahre nichts. Irgendwann kommt sie zu dir und sagt, ihr sei ein Weg eingefallen, wie sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, ohne ihre Familie und ihre Freunde unglücklich zu machen, aber dafür brauche sie deine Hilfe. Was würdest du tun? Würdest du ihr helfen?

Bewertung

Hat jeder Mensch das Recht, über sein eigenes Leben und seinen eigenen Tod zu entscheiden? Für Leila heißt die Antwort eindeutig Ja. Tess und Leila könnten nicht verschiedener sein und werden durch eine ungewöhnliche Situation zusammengebracht. Tess möchte nicht mehr leben, aber ihrer Familie und ihren Freunden auch keinen Schmerz zufügen. Hier kommt Leila ins Spiel. Sie ist keine sehr extrovertierte Person und hat weder Freunde noch Familie. Was spricht also dagegen, dass sie sich als Tess ausgibt, die angeblich ins Ausland zieht? Doch die beiden treiben ein gefährliches Spiel und irgendwann ist es nur noch Leila, denn Tess hat mittlerweile „ausgecheckt“. Wie lange lässt sich eine derartige Lüge aufrecht erhalten? Und wenn Leila Tess ist, wer ist dann Leila?
Der Titel „Ich bin Tess“ fasst den Inhalt des Buches sehr kompakt zusammen. Leila taucht in das Leben von Tess ein und zeitweise hatte ich als Leser sogar vergessen, welches ihr richtiger Name ist. Sie geht so in ihrer Rolle auf, dass sie ihr eigenes Leben, sofern sie eins hat, vernachlässigt.
Was ich an dem Buch besonders mochte, war das Format. Es ist als Geschichte verfasst, die Leila nach dem ganzen Vorfall abtippt und währenddessen sich noch andere Ereignisse zutragen. Immer wieder gibt sie Anspielungen auf die Zukunft, die mein Interesse geweckt haben.
Die Sprache war größtenteils angemessen, doch manche Sätze waren sehr verschachtelt und ich musste sie mehrmals lesen, um ihren Sinn zu verstehen. Ironischerweise hat die Hauptfigur Leila mit ihren 23 Jahren kein Verständnis für die Sprache ihrer Altersgenossen. Es war witzig und amüsant, ihr über die Schulter zu schauen, während sie die Begriffe der heutigen Jugend erforscht. Ihr Charakter ist ein Spiegel dafür, wie die jugendliche Umgangssprache auf Außenstehende wirkt. Für mich persönlich klang sie etwas absurd, obwohl ich viele erwähnte Begriffe selbst verwende.
Mit Leila konnte ich mich nur schwierig identifizieren. Sie ist ein sehr introvertierter, weltferner Charakter. Sie hat keinerlei Wissen über soziale Verhaltensweisen und Situationen. Einige Leser werden sich ihr sicherlich verbunden fühlen, viele jedoch auch nicht. An einigen Stellen konnte ich ihre Einstellung nachvollziehen. Als sie sich von einem verheirateten Mann erhoffte, dass dieser seine Frau für sie, die er gar nicht als Person wahrnahm, verlässt, hatte ich jedoch kein Verständnis für sie und mir tat es wirklich Leid, diese Zeilen zu lesen. Natürlich kommt es hierbei auf die subjektive Empfindung jedes Lesers an.
Das Buch an sich ist nicht spannend, was nichts Negatives ist. Ich war neugierig, wie es weitergehen würde, aber es war kein packendes Gefühl. Vielmehr fand ich die Idee der ganzen Geschichte am faszinierendsten. Sich als jemand anderes auszugeben, um Selbstmord zu begehen, hat etwas Selbstloses und Egoistisches zugleich.
„Ich bin Tess“ empfehle ich reifen Lesern ab 14 Jahren, jedoch keinen jüngeren Lesern. Auch wenn das Buch sehr respektvoll und sensibel mit dem Thema umgeht, so ist Selbstmord doch ein sehr schwieriger Bereich. Auch Leilas Gedankengänge, die von Rationalität geprägt sind, erfordern ein gewisses Maß an Reife. Einfühlungsvermögen ist ein Muss für „Ich bin Tess“. Ich vergebe gute 3 Sterne, da das Buch eher für einen speziellen Typ von Leser geschrieben ist.
Lidan Chai (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden