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Ich hätte es wissen müssen von Leveen, Tom , Jugendbücher, Aus dem Leben, Digitale Welt, Problemthemen, Schule, Spannung

Ich hätte es wissen müssen

Leveen, Tom

Übersetzung: Hansen-Schmidt, Anja

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Hanser

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783446249318

Inhalt

Erscheint im Juli

Mitten in der Nacht klingelt das Handy der 16-jährigen Tori. Der Anrufer heißt Andy und behauptet, Tori rein zufällig angerufen zu haben. Andy bittet Tori, ihm einen einzigen Grund zu nennen, warum er nicht Selbstmord begehen soll. Ausgerechnet Tori! Sie, die beschuldigt wird, mit ihren Posts auf Facebook einen Mitschüler in den Freitod getrieben zu haben. Will Andy sie nur vorführen? Aber was, wenn er die Wahrheit sagt? Wenn er wirklich seine große Liebe verloren hat? Und nun mit seinem Wagen an der Klippe steht, bereit, sich hinunterzustürzen? Tori muss etwas einfallen, und zwar schnell!

Bewertung

Das Leben von Victoria läuft zur Zeit völlig aus den Fugen. Denn sie wird dafür verantwortlich gemacht mit sechs anderen Jugendlichen einen ihrer Mitschüler durch Mobbing in den Tod getrieben zu haben. Doch gibt es strafrechtliche Folgen für Mobbing? Seit die Journalistin Allison Summer den Fall in der Presse berühmt gemacht hat eventuell schon. Denn sie schreibt darüber, dass es nicht sein kann, dass ein Jugendlicher, der mit einem Luftgewähr auf Pferde schießt härter bestraft wird als eine Gruppe von Schülern, die einen von ihnen so behandelten, dass dieser sich mit einem Schal am Balkongeländer erhängte, weil es für ihn keinen anderen Ausweg mehr gibt.

Und nicht nur dass sich für Vic bald entscheidet wo sie schlimmstenfalls die nächsten zehn Jahre verbringt, sie erhält auch von fast niemandem mehr Unterstützung. Ihr Bruder redet seit dem Vorfall kein Wort mehr mit ihr, ihre Freundinnen aus dem Softballteam, von denen sie dachte immer Rückhalt zu bekommen, haben sich noch nicht einmal gemeldet und ihre Eltern nehmen ihr alle internetfähigen Geräte weg, ihr Handy, ihren Laptop, ihre einzigen Verbindungen zur Außenwelt.

Aber vielleicht dient die Reaktion ihrer Eltern wirklich nur zu ihrem Besten. Denn die ganze Welt scheint sie zu hassen, wenn sie die Kommentare unter den Seiten ihrer sozialen Netzwerke oder den Zeitungsberichten sieht. Die ganze Welt scheint zu glauben, dass sie schuld ist am Tod von Kevin Cooper, dass sie ihn mit ihren Aussagen in den Tod gestürzt hat. Und dabei wollte Vic nur endlich bei den älteren ankommen, vor allem bei Lucas, ihrem Schwarm. Und so machte sie mit bei der Hetzkampagne gegen Kevin, obwohl sie früher mehr oder weniger sogar mit ihm befreundet war. Und obwohl sie sich sicher ist, dass die Anschuldigungen, die sie und ihre Mitschüler gegen Kevin machen so rein gar nicht der Wahrheit entsprechen können. Denn auch wenn alle schreiben, dass Kevin anscheinend schwul sei, Victoria ist vom Gegenteil überzeugt. Und auch seine zweijährige Beziehung zu einem Mädchen spricht wohl klar dagegen.

Doch nun ist Victoria das Opfer, gegen das gehetzt wird, die Drohanrufe mit schlimmen Beschimpfungen bekommt, von der sich mehr oder weniger die ganze Welt nicht nur abwendet, sondern sie auch hasst. Aber dann erhält sie einen merkwürdigen Anruf. In der Nacht vor ihrer Gerichtsverhandlung meldet sich bei ihr ein Junge, Andy, der behauptet mit seinem Auto vor dem Abgrund zu stehen und ihre Nummer rein zufällig gewählt zu haben. Und wenn sie ihm keinen sinnvollen Grund gibt, wieso sein Leben nach dem Selbstmord seiner Freundin noch lebenswert ist, wird er ihr folgen.

Victoria weiß nicht, ob sie ihm glauben soll, denn dies wäre wirklich ein komischer Zufall für so eine Frage ein Mädchen zu erreichen, dass wegen eines solchen Falls vor Gericht steht. Doch Viktoria kann nicht einfach auflegen, kann nicht noch einmal hilflos dabei zusehen, wie sich ein junger Mensch in den Tod stürzt und bemerkt langsam aber sicher, dass für Kevin dass ganze mehr gewesen sein muss als nur Hänseleien und anstachelnde Worte.

 

Auf gut 200 Seiten schreibt Tom Leveen in „Ich hätte es wissen müssen“ über ein Mädchen, dass langsam aber sicher merkt, dass nicht schuldig zu sein nicht bedeutet unschuldig zu sein, wie es am Anfang des Buches schon so passend steht. Denn durch den nächtlichen Anrufer bemerkt die Jugendliche erst, was sie zusammen mit ihren „Freunden“ dem Mitschüler angetan haben. Und auch wenn sie in der anstehenden Gerichtsverhandlung nicht schuldig gesprochen wird, ist sie an dem Fall definitiv nicht unschuldig. Denn sie hat mit dazu beigetragen, dass die Geschichte mit Kevin so ihren Lauf nahm, wie sie es tat.

Zum Anfang der Geschichte sieht die Protagonistin dies jedoch mit ganz anderen Augen, ist von ihrer Unschuld überzeugt, fest der Meinung, dass Kevin und niemand anderer dazu beigetragen hat. Denn Victoria dachte immer, dass Kevin weiß, dass ihre Sprüche nur als Spaß gemeint waren.

Aus der Perspektive von Victoria geschrieben, lässt das Buch ihren Sinneswandel sehr stark erkennen. Das Buch ist oft sehr kalt, manchmal fast etwas emotionslos geschrieben, was jedoch gut zur Story passt. Es sind zudem einige spannende Stellen in dem Buch enthalten. Immer wieder sind Ausschnitte der Chatverläufe zu sehen. Diese wirken am Anfang des Buches komisch, da man die Hintergründe noch nicht weiß, werden jedoch immer wichtiger für den Verlauf der Geschichte.

Das Cover zeigt ein Mädchen, vermutlich Victoria, das vor ihrem Handy sitzt und auf dieses starrt. Ich finde das Cover sehr passend, da dies das Bild zum Großteil der Geschichte darstellt.

 

Ich empfehle das Buch Mädchen und Jungen ab 14 Jahren, die gerne lebensnahe Bücher lesen und denke, dass das Buch auch sehr gut als Klassenlektüre geeignet ist, gerade zum immer aktuellen Thema Mobbing. Ich vergebe 5 Sterne für ein wirklich lebensnahes, spannendes und ergreifendes Buch.

 

 

Lisa Fehr (18) :: Redaktion Buecherkinder.de

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