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In einem Boot von Rogan, Charlotte, Junge Literatur, Historie, Spannung

In einem Boot

Rogan, Charlotte

Übersetzung: Ernst, Alexandra

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: script5

Empfohlen ab: 15 Jahre

ISBN: 9783839001509

Inhalt

Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot. Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.
Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.

Bewertung

Als Grace mit ihrem Ehemann Henry am Vorabend des ersten Weltkrieges ihre Reise nach Amerika antreten, ahnen sie nichts von dem Unheil das sie erwartet. Die Zarin Alexandra sinkt mitten auf dem Atlantik. Und übrig bleiben nur einige wenige Rettungsboote, die tagelang auf dem offenen Meer vor sich hin treiben. Grace sitzt in einem von ihnen, zusammen mit anderen Überlebenden des Unglücks kämpft sie tagelang ums Überleben und findet sich in einem Machtkampf und Konflikten um Wasser und Nahrung wieder, in dem sie nicht nur ständig um ihr Leben bangen muss, sondern sich auch der essentiellen Frage stellen muss: Darf man töten um andere zu retten? Wochen nach dem Untergang des Schiffes findet sich Grace in New York wieder. In einem Gerichtsaal – die Anklage lautet auf Mord.
Gleich als ich zum ersten Mal den Klappentext zu diesem Buch gelesen habe, wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt haben musste. Es versprach etwas Außergewöhnliches und hob sich überraschend von anderen Büchern im Jugendbuchbereich ab. Ich ging ein bisschen mit der Erwartung an eine Mischung aus „Titanic“ und „Life of Pi“ an die Sache heran, was ich bekam, war anders, braucht sich aber bei weitem nicht zu verstecken.
Die Geschichte wird komplett aus der Sicht der jungen Grace erzählt, die mit ihrem frisch vermähltem Ehemann Henry die Heimreise nach Amerika antritt. Von dem Leben auf dem Schiff selbst kriegt man anfangs nichts mit. Die Geschichte hält sich nicht groß mit irgendwelchem Vorgeschehnissen auf, sondern schmeißt einen buchstäblich gleich ins kalte Wasser. Diese Direktheit hat mir sehr gut gefallen, es wird nie groß um irgendetwas herum geredet, sondern beschrieben wie es ist. Das haben wir größtenteils Grace zu verdanken. Sie ist nicht der Prototyp Heldin, wie man ihn vielleicht erwartet – sie hat Angst, Selbstzweifel und ist hin und her gerissen zwischen dem Willen zu überleben und nicht durchzudrehen. Sie hat zwar viele Charakterzüge, die sie unter normalen Umständen unsympathisch gemacht hätten, aber in ihrer Situation ist sie mir schnell ans Herz gewachsen. Die anderen Charaktere, die sich mit ihr im Boot befinden sind gut ausgearbeitet und erfüllen alle ihren angedachten Zweck. In ihrem Miteinander bringen die Passagiere den Überlebenskampf auf offenem Meer sehr realistisch und spannend rüber. „In einem Boot“ ist eines der wenigen Bücher in dem es keine aktive Liebesgeschichte gibt. Aber durch Graces Erinnerungen erfahren wir eine Menge über sie und Henry. Diese Stellen haben mich sehr traurig gemacht und mitgenommen, wie ich es selten bei einem Buch hatte und von diesem Buch absolut nicht erwartet hatte. Romantikliebhaber müssen also nicht völlig auf diesen Aspekt verzichten.
Die Fragen, die sich in dem Boot immer wieder stellen, „Darf man jemanden töten um andere zu retten? Sollen die Starken die Schwachen schützen, oder sollen sich die Schwachen für die Starken opfern?“ regen den Leser auch noch nach dem Beenden des Buches dazu an sich Gedanken darüber zu machen, was man selbst in einer solchen Notsituation tun würden. Ein interessantes Thema, auf das die Protagonistin ihre eigene Antwort finden muss.
Das Buch ist in Kapitel eingeteilt, die jeweils zwischen der Zeit in dem Rettungsboot und ihrem Prozess nach ihrer Rettung spielen. Das hat dem Ganzen das gewisse Etwas gegeben und es wurde etwas Abwechslung in die Geschichte gebracht, die sie aufgrund der immer gleich bleibenden Charaktere und Umgebung auch teilweise sehr nötig hatte.
Charlotte Rogans Schreibstil ist schnell und sehr gut zu lesen, ich werde auf jeden Fall nach weiteren Büchern von ihr Ausschau halten.
Ein ganz großes Lob bekommt auch der Verlag für diese tolle Umschlaggestaltung! Es fängt die Stimmung des Buches super ein – das hätte man nicht besser machen können. Ein wahres Schmuckstück in jedem Regal.
„In einem Boot“ ist ein tolles Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der gerne liest. Dabei möchte ich mich auch nicht auf eine Altersgruppe beschränken, sondern es für alle ab 14 weiterempfehlen. Eine Geschichte zum mitfiebern und -fühlen, mithoffen und -zweifeln. Von mir bekommt „In einem Boot“ 5 Sterne.
Svenja Becker (17) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung