Bilderbücher  >  Zum Vorlesen
Mein Gott, dein Gott, unser Gott von Hübner, Franz, Bilderbücher, Zum Vorlesen, Glaube & Religion

Mein Gott, dein Gott, unser Gott

Hübner, Franz / Ferri, Giuliano

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Herder

Empfohlen ab: 5 Jahre

ISBN: 9783451713392

Inhalt

Drei Freunde, David, Ibrahim und Johanna diskutieren immer wieder diesselbe Frage: Wessen Gott mag wohl der Richtige sein? Um eine Antwort zu finden, zieht Ibrahim los und begegnet unterwegs vielen verschiedenen Menschen, die alle eine andere und doch immer die gleiche Antwort haben: Der See, der Wald, die Freundschaft ... alles hat „ihr“ Gott geschaffen. Am Ende erkennen die Freunde, dass es immer der eine Gott ist, der viele Gesichter und Eigenschaften hat und zu dem es unterschiedliche Zugänge gibt.

 

Das Buch liefert keine Antwort auf die Frage nach dem „richtigen“ Gott, aber Denkanstöße und Gesprächsanlässe sowie Freude am Nachdenken und ein Aufruf zu mehr Frieden und Toleranz.

Bewertung

Die drei Freunde David, Ibrahim und Johanna haben unterschiedliche Religionen. Ist aber die Sehnsucht „nach dem einen Gott, der für sie alle das Gute, all das Schöne, all das Liebenswerte offenbart“ eine trennende oder eine verbindende Sehnsucht der Freunde?

Der Streit der drei über „den besten Gott“, das Verlangen, zu glauben, was sie glauben, oder die Existenz nur ihres Gottes mündet in dem Aufbruch Ibrahims auf eine Reise, um das Rätsel um den „allergrößte(n), -beste(n), -mächtigste(n) Gott auf dieser Welt“ zu lösen. Offenen Auges, wachsamen Ohres und mit großen Interesse lässt Ibrahim sich auf seiner Reise von den Menschen, denen er begegnet, von ihrem Gott erzählen, „von dem Ibrahim noch nie zuvor etwas gehört hatte.“ Ibrahim erfährt Wärme und Offenheit.

 

Die Geschichte zeugt vom Gewinn durch Toleranz und von verbindenden Motiven in allen Glaubensrichtungen. Eine heile Welt begegnet Ibrahim und dennoch klingt in seinen Erlebnissen das Leid der müden, durstigen und hungrigen (Schutz-)Suchenden auch mit an. Ausgehend davon, dass Ibrahim und seine Freunde - ihrem Namen nach - den großen Weltreligionen zugeordnet werden könnten, ist es interessant, dass keine Religion benannt oder beschrieben wird, sondern nur ihr verbindendes Moment: Freundschaft und Liebe, das Geschenk, die Schönheiten dieser Erde zu genießen.

 

„In seinem Herzen war er ein reicher Mann, denn er hatte vieles auf seiner Reise gelernt…“ und „Freunde gefunden“

Was die Menschen lieben ist wortmalerisch beschrieben. Franz Hübner als erfahrener Autor von Kinder- und Geschenkbüchern zu religiösen Themen zeichnet Stimmungen mit Worten. Die Liebe des Autors zu Meditation, Natur und den Entdeckungen des Lebens ist spürbar.

 

„Mein Gott, dein Gott, unser Gott“ folgt diesem Fokus und wird mit den Illustrationen Giuliano Ferris perfekt ergänzt. Der auf Animation spezialisierte Illustrator hat über fünfunddreißig Kinderbücher erfolgreich bebildert. Auch seine Bücher haben einen christlichen Hintergrund.

 

Für mich als vorlesende Mama (37) bleibt nach der Lektüre die Frage: Woran erzürnen sich die Gemüter der verschiedenen Religionen? Denn an dem häufig nicht ausreichenden Wissen über die jeweiligen Religionen ändert das Bilderbuch nichts. Wohl aber bietet das Bilderbuch Offenheit unabhängig von der Kultur, Nationalität, Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung und freie Religions-Wahrnehmung. Damit ist es im Zweifel die bessere religiöse Begleitung für unvoreingenommene Kinder - es achtet Unterschiede, bewahrt religiöse Vielfalt, und fokussiert auf das verbindende Element. Das habe ich hinter diesem Titel nicht erwartet. Ich bin aber positiv überrascht.

Das Bücherkind (5) ist unvoreingenommen. Klar haben Ibrahim, David und Johanna einen Gott, dem sie für alles Gute dankbar sein können und an den sie ihre Wünsche und Sehnsüchte richten können. Ob das jeweils einer oder immer der gleiche mit unterschiedliche Namen ist, ist für sie noch ziemlich undurchschaubar…

Respekt vor der Schöpfung, die Wichtigkeit von Freundschaft, Hochachtung und Verständnis von unterschiedlichen Ansichten kennt sie auch aus dem Alltag in der konfessionellen Kita. Insofern bereitet das Buch für sie nur - harmonisch bebildert - Alltagserfahrung auf. Den differenzierenden Elemente können wir uns ein andermal widmen. Toleranz ist dafür eine brillante Basis.

 

Ein unerwartet harmonisch gutes Buch über religiöse Toleranz - die allergrößte, beste und mächtigste und friedliebendste Idee der Welt.

 

Anja Rosenau mit Hannah (5) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Glaube & Religion